Der russische Dopingskandal als Chronologie

Die Flaggen des IOC und von Russland

Betrug und Manipulationen

Der russische Dopingskandal als Chronologie

Eine ARD-Dokumentation brachte den Stein ins Rollen, dann folgten Berichte von WADA-Sonderermittler Richard McLaren. Die Chronologie: Wie das russische Dopingsystem aufflog und die Folgen.

Dezember 2014: Die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" bringt den Stein ins Rollen. Der Film enthüllt, dass viele Erfolge russischer Leichtathleten Ergebnis systematischen Dopings waren.

November 2015: Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) legt einen ersten Bericht vor. Sie suspendiert den russischen Leichtathletik-Verband (ARAF/RUSAF) sowie Russlands Anti-Doping-Agentur (RUSADA).

Mai 2016: Der frühere Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, Grigori Rodschenkow, gibt zu, während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi systematische Manipulationen im russischen Team mitorganisiert zu haben. Bei Nachkontrollen zu den Olympischen Spielen 2012 in London wurden laut Internationalem Olympischem Komitee (IOC) 23 Sportler positiv getestet.

Juni 2016: Die WADA erhebt erneut schwere Vorwürfe. Kontrolleure seien in Russland behindert und vom Geheimdienst eingeschüchtert worden. Nachweislich sauberen russischen Sportlern erlaubt das IOC die Olympiateilnahme in Rio unter ihrer Landesflagge.

Juli 2016: Die WADA wirft Russland im ersten Teil des sogenannten McLaren-Reports von Sonderermittler Richard McLaren staatlich gesteuertes Doping vor. So seien im Moskauer Anti-Doping-Labor über Jahre hinweg positive Proben verschwunden, um gedopte Athleten zu schützen. Dennoch schließt das IOC die russische Mannschaft nicht komplett von Olympia in Rio aus, was auf heftige Kritik stößt. 278 der 389 qualifizierten russischen Athleten dürfen in Rio unter russischer Flagge starten.

Dezember 2016: Der zweite Teil des McLaren-Reports sorgt weltweit für Aufsehen: Den WADA-Ermittlungen zufolge waren mehr als 1.000 russische Sportler zwischen 2011 und 2015 Teil einer groß angelegten staatlichen Dopingpolitik.

Juni 2017: Ein Jahr vor der WM in Russland gerät auch der russische Fußball immer stärker unter Verdacht. WADA-Sonderermittler McLaren geht in einem ARD-Bericht davon aus, dass es dort ein zweites Doping-Vertuschungssystem gegeben hat.

November 2017: Wegen systematischen Dopings bei den Spielen in Sotschi 2014 verhängt das IOC erste lebenslange Sperren für Olympia. Die Ergebnisse der betroffenen Athleten werden annuliert. Von 43 russischen Sportlern legen 42 beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne Einspruch ein. Außerdem erwägt das IOC ein Verbot der russischen Hymne bei den Winterspielen in Pyeongchang und einen Ausschluss russischer Athleten von der Eröffnungsfeier.

Dezember 2017: Ein Komplett-Ausschluss für die Winterspiele in Südkorea bleibt russischen Athleten erspart. Von den gesperrten Athleten legen 42 Widerspruch gegen das Urteil ein. Über die Fälle von 39 Athleten soll entschieden werden. Unbelastete Sportler dürfen hingegen unter neutraler Flagge starten, entscheidet das IOC.

Januar 2018: Das IOC bestätigt, dass 169 russische Athleten zu den Winterspielen zugelassen sind. Sie dürfen unter neutraler Flagge starten. Unterdessen deckt die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Das Olympiakomplott" auf, dass das Anti-Doping-Kontrollsystem Lücken hat. Die als absolut sicher geltenden Dopingkontrollbehälter sind manipulierbar - und zwar, ohne Spuren zu hinterlassen. Das IOC fordert eine Lösung von der WADA.

Februar 2018

1. Februar: Die WADA empfielt, in Pyeongchang ältere Kontrollbehälter zu verwenden. So solle die Integrität der Dopingkontrollen bei den Olympischen Winterspielen garantiert werden. Das IOC stimmt der Empfehlung zu. Unterdessen hat der CAS die Olympiasperren vom IOC gegen 28 russische Sportler aufgehoben. Das Sportgericht erklärte, es habe keine individuellen Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln feststellen können. Auch die von den Sportlern bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erzielten Erfolge sind damit wieder gültig. Ein automatisches Startrecht für Pyeongchang haben die Athleten allerdings nicht. Über eine mögliche Olympia-Einladungen für freigesprochene Athleten berät eine unabhängige Prüfkommission.

5. Februar: Das IOC lädt trotz des Urteils des Internationalen Sportgerichtshofes CAS 13 russische Sportler und zwei Trainer nicht ein.

7. Februar: Damit ist das Kapitel aber noch nicht beendet: 32 Sportler klagen vor dem CAS für die Teilnahme, die 15 vom IOC abgelehnten wendeten sich ebenfalls erneut an den CAS.

8. Februar: Das Ad-Hoc-Gericht des Internationalen Sportgerichtshof CAS weist die Klage von 13 Russen für eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang ab. Das Gericht erklärte sich für nicht zuständig.

9. Februar: Die finale Entscheidung bezüglich der Olympia-Startrechte: Weitere 47 russische Sportler, Trainer und Funktionäre, die vor dem Sportgerichtshof geklagt haben, scheitern. Das russische Team muss somit auf zahlreiche Stars wie den sechsmaligen Shorttrack-Olympiasiger Viktor Ahn, Biathlet-Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin, sowie die Top-Ski-Langläufer Sergej Ustjugow und Ruslan Sacharow und Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa verzichten.

22. Februar: Bei Alexander Kruschelnizki, russischem Olympia-Bronzemedaillengewinner im Curling-Mixed-Wettbewerb, wird die verbotene Substanz Meldonium gefunden. Einen Tag später spricht der Sportgerichtshof den Russen wegen Dopings schuldig.

24. Februar: Die russische Bob-Pilotin Nadeschda Sergejewa wird von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Die 30-Jährige wurde des Doping-Missbrauchs mit dem Stimulanzium Trimetazidin für schuldig befunden.

25. Februar: Wegen der russischen Dopingfälle in Pyeongchang dürfen die "Olympischen Athleten aus Russland" bei der Abschlussfeier nicht mit der Landesfahne und als "Team Russland" einlaufen. Russland bleibt supendiert.

28. Februar: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hebt die Sanktionen gegen das Russische Olympische Komitee auf. Begründung: Keine weiteren Dopingfälle.

Thema in: MDR aktuell Radio, 28.02.2018, 16.40 Uhr

red/dpa/sid | Stand: 28.02.2018, 15:25

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