Nach ARD-Doku: Human Rights Watch fordert Aufklärung

Forderung nach Aufklärung zu Menschenversuchen an DDR-Freizeitsportlern Morgenmagazin 01.03.2021 01:51 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 Das Erste

Menschenversuche im DDR-Sport

Nach ARD-Doku: Human Rights Watch fordert Aufklärung

Von Hajo Seppelt und Jörg Mebus

Die ARD-Dopingredaktion fand in der Doku "Geheimsache Doping: Menschenversuche" Belege für geheime Versuchsreihen mit möglicherweise Hunderten Freizeitsportlern in der DDR. Nun gibt es erste Forderungen an Sport und Politik, den Sachverhalt gründlich aufzuarbeiten und Betroffene zu entschädigen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch fordert nach der ARD-Doku "Geheimsache Doping: Menschenversuche", den Sachverhalt rund um Probanden aus dem Freizeitsport in der DDR aufzuklären. "Diese Hobbysportler wurden an Körper und Seele verletzt. Diese Körperverletzung muss geahndet oder zumindest aufbereitet werden vom Deutschen Olympischen Sportbund, aber auch vom Bundesinnenministerium, das für den Sport zuständig ist", sagte Wenzel Michalski, Direktor Deutschland bei Human Rights Watch, der ARD-Dopingredaktion.

In dem Film aus der Reihe "Geheimsache Doping" hatten mehrere Freizeitsportler berichtet, an ihnen seien Experimente durchgeführt worden, die den Stars des DDR-Sports nicht zugemutet werden sollten. Die Erkenntnisse aus den Versuchsreihen, die Muskel- und Leberbiopsien, aber auch Vergaben von experimentellen Dopingmitteln enthielten, sollten den Hochleistungssportlern zugutekommen.

"Keiner Seite überhaupt aufgefallen"

"Die betroffenen Personen sind nicht bekannt, sie stehen nicht in der Öffentlichkeit und stellen häufig nicht den Zusammenhang her mit heutigen Erkrankungen und mit eventuell damals durchgeführten Programmen. Es ist keiner Seite überhaupt aufgefallen, dass es da einen Bereich gibt, der wichtig wäre, der menschenrechtsverletzend ist und der unbedingt in den Fokus der Aufarbeitung genommen werden muss", sagte Anne Drescher, die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die ARD-Recherchen in zeithistorischen Dokumenten ergaben Belege für systematische Versuchsreihen mit möglicherweise hunderten betroffenen Freizeitsportlerinnen und -sportlern. Seit der Ausstrahlung der Dokumentation meldeten sich bei der ARD-Dopingredaktion weitere Personen, die zu DDR-Zeiten keinem Sportkader angehört und an denen Experimente durchgeführt worden sein sollen.

Menschenversuche: die heimlichen Experimente im DDR-Sport Sportschau 26.02.2021 36:26 Min. Verfügbar bis 26.02.2022 Das Erste

Gesetzesinitiativen ausgelaufen

In bisherigen gesetzlichen Initiativen (erstes und zweites Dopingopfer-Hilfegesetz) nach der Wiedervereinigung waren Probanden aus dem Freizeitsport nicht vorgesehen. Die Einmalzahlungen in Höhe von 10.500 Euro standen nur Personen zu, "die erheblichen Gesundheitsschaden erlitten haben, weil ihnen als Hochleistungssportlern oder Hochleistungsnachwuchssportlern der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik ohne ihr Wissen oder gegen ihren Willen Dopingsubstanzen verabreicht worden sind". Die Gesetzesinitiative für DDR-Dopingopfer ist Ende 2019 ausgelaufen.

Wenzel Michalski von Human Rights Watch fordert nach den neuen Erkenntnissen nun weitere Programme für Betroffene: "Die Geschichte muss aufgearbeitet werden, und es muss alles dafür getan werden, damit diese Menschen entschädigt werden können."

Stand: 01.03.2021, 06:00

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