Dopingprozess: Vater von Erfurter Sportarzt sagt vor Gericht aus

Mark Schmidt (M.) beim Prozess

Doping

Dopingprozess: Vater von Erfurter Sportarzt sagt vor Gericht aus

Im Dopingprozess gegen Mark Schmidt kommen immer mehr Details ans Licht. Jetzt hat auch der Vater des Erfurter Sportarztes vor Gericht ausgesagt.

Ansgard Schmidt blickte nur flüchtig zu seinem Sohn, als sein Anwalt am Dienstag (22.09.2020) im Sitzungssaal 270 des Münchner Justizpalastes die Aussage verlas. Dabei dauerte es nicht einmal 15 Minuten, dann hatte auch der Vater des mutmaßlichen Drahtziehers Mark Schmidt seine Beteiligung an dem vorgeworfenen Dopingsystem zugegeben. Ihm sei klar gewesen, dass sein Sohn Blutdoping betreibe, hieß es in der Erklärung.

"Zur Unterstützung seines Sohnes ließ er sich nicht aus krimineller Energie oder wirtschaftlichen Zielsetzungen hinreißen", erklärte die Verteidigung von Ansgard Schmidt, selbst Rechtsanwalt, am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht München II. Vielmehr habe er seinem Sohn, der sich zeitlich sehr verstrickt habe, entlasten wollen. "Nur auf eine gute und enge Beziehung zu seinem Sohn kam es Ansgard Schmidt an", hieß es in der Erklärung weiter.

Arzt droht mehrjährige Haftstrafe

Die Verteidigung sprach von einer "vollkommen falschen Entscheidung", Ansgard Schmidt empfinde es "als extrem kompliziert und deswegen belastend". Mark Schmidt, der im weiteren Prozessverlauf selbst auch aussagen will, folgte der Einlassung meist stoisch. Dem Erfurter Sportarzt droht eine mehrjährige Haftstrafe, die Staatsanwaltschaft wirft ihm umfangreiche Dopingpraktiken über mehrere Jahre vor. Seine vier Mitangeklagten sollen ihm bei seinen Tätigkeiten in unterschiedlicher Weise geholfen haben.

Mit Krankenschwester zur Ski-WM

Ansgard Schmidt habe, so die Einlassung, unter anderem Kisten mit Material zum Blutdoping gepackt und die mitangeklagte Krankenschwester Diana S. mit zur nordischen Ski-WM nach Seefeld genommen. Dort kam es im Februar 2019 zu der spektakulären Razzia im Rahmen der Operation Aderlass. Vor Ansgard Schmidt hatte bereits die Krankenschwester ausgesagt und detaillierte Einblicke in das System gegeben.

Auch der Mitangeklagte Sven M. gab seine Beteiligung am Dienstag zu. Er habe Mark Schmidt insgesamt dreimal unterstützt. Unter Tränen erklärte M., er habe versucht, sich die Sache "schönzureden". Allerdings habe er starke Gewissensbisse gehabt: "Da ich selbst Sportler bin, hatte ich ein echt schlechtes Bauchgefühl dabei, diese Sache zu machen."

Mitangeklagter: "Wäre am liebsten weggelaufen"

M. hatte Mark Schmidt in seiner Tätigkeit als Rettungssanitäter kennengelernt: "Ich habe mich gefragt, was mache ich hier, ich betrüge mein eigenes Land. Ich kam mir auf Deutsch gesagt beschissen vor. Ich wäre am liebsten weggelaufen." Mark Schmidt habe ihm erklärt, er müsse sich bei der Frage nach der Legalität keine Gedanken machen. "Ich habe ihm vertraut, er war mein Hausarzt und ein guter Freund", sagte M.

Am Mittwoch (23.09.2020) wird der Prozess fortgesetzt.

sid | Stand: 22.09.2020, 20:52

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