Leichtathletik-Weltverband bleibt standhaft

Sebastian Coe

Russland-Suspendierung

Leichtathletik-Weltverband bleibt standhaft

Von Nick Butler und Hajo Seppelt

Der Leichtathletik-Weltverband stand als Erster im Zentrum zahlreicher Korruptionsvorwürfe, als der russische Dopingskandal 2014 bekannt geworden ist. Doch im Gegensatz zu vielen anderen hat die IAAF weiter Bedenken und erhält die Suspendierung Russlands aufrecht. Eine Analyse.

Die Sitzung in Monte Carlo Anfang Dezember war das neunte Mal, dass der Leichtathletik-Weltverband IAAF über die Wiedereinsetzung Russlands diskutiert hat, und das neunte Mal, dass er sie abgelehnt hat. Um wieder zugelassen zu werden, muss Russland noch eine ausstehende Geldbuße von mindestens 2,7 Millionen Dollar zahlen, um die Kosten der Untersuchung zu decken. Noch wichtiger ist, dass es auch vollständige Daten aus dem Moskauer Labor über Fälle von 1.000 russischen Athleten liefern muss.

Die Entscheidung, die der IAAF-Vorstand unter seinem Präsidenten, dem Olympiasieger Sebastian Coe, gefällt hat, fiel auch aufgrund der Empfehlung einer ermittelnden Task Force des Weltverbandes, die der Norweger Rune Andersen leitet. Und in der Sportwelt verdient allein schon die Tatsache, dass die Untersuchung offenbar ohne Einmischung der Verbandsspitze laufen konnte, einiges an Lob.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat im September die umstrittene Entscheidung gefällt, die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA aufzuheben – obwohl die Russen das Staatsdoping im eigenen Land nach wie vor leugnen und obwohl sie die Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor nach wie vor nicht geliefert haben. Zwar beteuert die WADA, dass dies rückgängig gemacht werde, wenn die Russen nicht bis zum 31. Dezember kooperieren.

Nachdem das Internationale Olympische Komitee seine wenige Wochen andauernde Suspendierung der Russen im Februar aufgehoben hatte, bereitete die Entscheidung der WADA den Weg für eine Wiederaufnahme von Putins Athleten in die Familie des Weltsports. Seitdem hat Russland die Ausrichtung gleich mehrerer internationaler Sportevents zugeteilt bekommen, darunter die Weltmeisterschaften im Volleyball der Männer und im Frauenboxen sowie die Europameisterschaften im Gewichtheben im Jahre 2020.

Der russische Stahlmagnat Wladimir Lisin wurde zum Präsident des Schützen-Weltverbandes gewählt. Stanislaw Posdnjakow ist Medienberichten zufolge still und heimlich in die Exekutive des Dachverbandes der Europäischen Olympischen Komitees berufen worden.

So bleiben der Leichtathletik-Weltverband und das Paralympische Komitee die einzigen Institutionen des Weltsports, die noch Sanktionen gegen Russland aufrechterhalten.

Meinungsverschiedenheiten mit der WADA

In vielerlei Hinsicht ist der Leichtathletik-Weltverband in einer einfacheren Position als die WADA, da die IAAF nicht dem Druck des Internationalen Olympischen Komitees ausgesetzt ist. Jedoch deutet IAAF-Chefermittler Andersen an, dass der Leichtathletik-Weltverband durchaus anderer Meinung ist als die WADA. In ihrem Bericht sagen die Ermittler, sie seien "nach wie vor enttäuscht", dass die Russen die Erkenntnisse des McLaren-Reports zum staatlich geförderten Doping in Russland nicht anerkennen. Die IAAF werde "die Schritte, die Russland geht, um diese Dinge anzugehen" weiter beobachten.

Rune Andersen

"Ich hoffe, dass sie liefern", antwortet Chefermittler Andersen auf die Frage, wie zuversichtlich er sei, dass die Russen die geforderten Labordaten zugänglich machen. "Mehr kann ich dazu nicht sagen. Sorry", so Andersen weiter. WADA-Präsident Craig Reedie hingegen gibt sich im Gegensatz dazu "einhundertprozentig sicher".

Auf die Frage aber, was die IAAF tun wird, sollten die Russen die Auflagen nicht erfüllen, gibt sich Sebastian Coe diplomatisch: "Ich möchte darüber nicht spekulieren", so der IAAF-Präsident.

Zwischen den Zeilen zu lesen ist, dass er sicher hofft, die Suspendierung baldmöglichst aufzuheben. Doch zumindest bisher machen weder Andersen noch Coe Andeutungen, einzuknicken.

Dem russischen Dopingskandal kommt weiterhin eine Schlüsselrolle zu in der Frage, wie der Anti-Doping-Kampf und der Weltsport mit einem Skandal umgehen, in den einer der mächtigsten Player involviert ist. Und, anders als andere, bleibt die IAAF unter ihrem einst umstrittenen Präsidenten standhaft.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 05.12.18, ab 22.50 Uhr

Stand: 05.12.2018, 19:23

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