Dopingbeichte von Dürr - Ermittlungen und Reaktionen

Screenshot aus "Geheimsache Doping: Die Gier nach Gold"

Film in der ARD

Dopingbeichte von Dürr - Ermittlungen und Reaktionen

Die Dopingbeichte des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr hat strafrechtliche Folgen.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) erstattete bei der Münchner Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt. "Ich habe mit Oberstaatsanwalt Kai Gräber gesprochen und den Fall zur Anzeige gebracht", sagte NADA-Vorstand Lars Mortsiefer am Freitag (18.01.19) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Dürr hatte in dem ARD-Film "Geheimsache Doping: Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle" als erster Wintersportler überhaupt Blutdoping in Deutschland eingeräumt. Da die Verabreichung ein Offizialdelikt sei, müsse die Staatsanwaltschaft ohnehin selber die Ermittlungen aufnehmen.

Geheimsache Doping: Die Gier nach Gold – Der Weg in die Dopingfalle Sportschau 17.01.2019 45:21 Min. Verfügbar bis 17.01.2020 Das Erste

"Der NADA geht es darum, an die Hintermänner ranzukommen", sagte Mortsiefer. Deshalb habe er auch schon versucht, mit Dürr Kontakt aufzunehmen. "Ich habe ihm eine Mail geschrieben, dass er sich bitte melden soll", berichtete er.

Oberhof, München, Irschenberg

Der bei Olympia 2014 in Sotschi des Epo-Dopings überführte Dürr sagte, er habe unter anderem in Oberhof, München und Irschenberg Blut abgenommen und später zurückgeführt bekommen. Seine Doping-Helfer will der Niederösterreicher nicht namentlich nennen.

Dürr war bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi des Blutdopings mit Epo überführt worden. Er galt als eines der größten Langlauf-Talente Österreichs.

Dürr, damals Athlet des österreichischen Ski-Verbandes, behauptete, ein Betreuer habe ihm den Zugang zu Epo ermöglicht. Dazu sagte Verbandspräsident Peter Schröcksnadel der österreichischen Zeitung "Standard": "Das war sicher keiner, der jetzt im ÖSV beschäftigt ist. Bei einzelnen Personen kann man nie etwas ausschließen, aber Verbandsdoping gibt es nicht."

Magdalena Neuner "überrascht und betroffen"

"Viele Dinge haben mich sehr überrascht und betroffen gemacht" sagte ARD-Wintersportexpertin Magdalena Neuner im Gespräch mit Moderator Michael Antwerpes, nachdem sie den Film gesehen hatte: "Sie lassen mich über vieles nachdenken." Die ehemalige Biathletin merkte an, dass es sich um die Dopingbeichte eines Einzelnen handle. Ob mehr Sportler betroffen seien, "weiß man nicht". Neuner sagte, sie habe ein "anderes Denken" als Dürr, der davon überzeugt gewesen sei, es ohne Doping nicht an die Weltspitze zu schaffen.

Neuner schätzt die Doping-Beichte von Johannes Dürr ein Sportschau 18.01.2019 02:49 Min. Verfügbar bis 18.01.2020 Das Erste

Dobler und Bögl wehren sich gegen "Generalverdacht"

Die deutschen Skilangläufer Jonas Dobler und Lucas Bögl wehren sich gegen einen Generalverdacht gegenüber ihrer Sportart. "Nur weil man Weltmeister wird, hat man nicht automatisch gedopt. Es ist unfair allen sauberen Athleten gegenüber, einen Generalverdacht im Langlaufsport allgemein zu schüren", schrieb Dobler (27) bei Facebook. Er selbst sei "jahrelang von Dürr betrogen worden".

"Ein überführter Doper versucht hier Aufmerksamkeit zu bekommen und alle unter Generalverdacht zu stellen", schrieb Lucas Bögl (28). Es sei ärgerlich, dass der Österreicher eine Plattform erhalten habe.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Dobler betonte derweil, dass Dürr Täter sei, nicht Opfer. "Es ist ein klares Zeichen von Charakterschwäche, wenn man andere absichtlich betrügt und sich nicht eingestehen kann, dass es für einen persönlich trotz des vielen Trainings vielleicht nicht zum Weltmeister reicht. So geht es Hunderten anderen auch im Leistungssport", schrieb er.

Stand: 18.01.2019, 12:51

Darstellung: