WADA finanziert Asthmastudie, deutsche Wissenschaftler legen los

Asthmaspray

Athleten mit Attest

WADA finanziert Asthmastudie, deutsche Wissenschaftler legen los

Von Hajo Seppelt, Peter Wozny und Wigbert Löer

An der Uniklinik Ulm wird am Donnerstag (12.09.2019) eine neue Studie vorgestellt. Deutsche Forscher wollen herausfinden, ob Asthmaspray Athleten wirklich besser macht.

Manche Spitzensportler behalten ihre Skepsis nicht mehr für sich. Erstaunlich viele ihrer Kollegen, finden sie, legen ein Attest vor und weisen sich so als Asthmatiker aus. Damit dürfen die Kollegen Medikamente nehmen, Sprays, und gelten nicht als Doper.

Zuletzt hat sich Johannes Dürr geäußert, ein Skilangläufer aus Österreich. Dürr hat selbst gedopt. Er erzählte in der ARD-Doku "Geheimsache Doping: Die Gier nach Gold", wie er mit dem Thema Asthma in Berührung gekommen ist: "Wenn ich im Auto gesessen bin mit dem Betreuer und der erzählt mir ganz selbstverständlich: 'Ja, natürlich hat der Asthmaspray genommen, Asthma hat er keines gehabt, aber wir haben alles versucht!' Da wurde uns auch nahegelegt, eine medizinische Ausnahmegenehmigung für das Asthmaspray zu erhalten."

Asthma-Athleten besonders erfolgreich

Mit Asthmasprays betrügen, eine Krankheit also nur vortäuschen, um dann mit einer Ausnahmegenehmigung zu dopen: Wie viele Sportler so verfahren, wie es Dürr empfohlen wurde, ist schwer zu ermessen. Sicher ist aber, dass Athleten, denen Asthma attestiert wurde, schon vor Jahren auffällig erfolgreich waren. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 gingen in den Einzelwettbewerben 7,7 Prozent aller Teilnehmer mit Ausnahmegenehmigung an den Start. Diese 7,7 Prozent holten dann aber 14,4 Prozent aller Medaillen. Und bei den Olympischen Winterspielen vier Jahre zuvor gewannen die 5,2 Prozent der Athleten, die sagten, sie hätten Asthma, sogar 15,6 Prozent der Medaillen.

Gedopt mit Asthmaspray? Sportschau 11.09.2019 02:40 Min. Verfügbar bis 11.09.2020 Das Erste

Viele Jahre später reagiert die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Sie finanziert mit mehr als 300.000 Euro eine Studie, die an der Uniklinik Ulm durchgeführt wird, und an der auch Wissenschaftler aus Köln und Berlin mitwirken. Sie wird am Donnerstag (12.09.2019) dieser Woche in Ulm vorgestellt. Die Frage lautet: Erhöhen Asthmamittel die Leistung von Athleten?

"Es gibt mehrere diskutierte Ansätze, wo Asthmamedikamente eine Rolle spielen können", sagt die beteiligte Pharmazie-Professorin Maria Kristina Parr. "Das ist einmal die Weitung der Bronchien und das bessere Atmen, bessere Sauerstoffaufnahme und dadurch möglicherweise höhere Leistung. Andererseits haben aber auch diese Asthmamedikamente möglicherweise einen Einfluss auf das Muskelwachstum." Parr forscht an der Freien Universität in Berlin. Kürzlich fand sie heraus, dass der Spinat-Extrakt Ecdysteron die sportliche Leistung von Athleten steigern kann.

Thema in der Trainingsgruppe

An der Studie werden 24 Probanden teilnehmen, keine Kader-Athleten, jedoch Sportler, die auf hohem Niveau trainieren. "Sie gehen dann mehrfach in die maximale Belastung, mal mit Asthmamitteln versorgt, mal nur mit Placebos", erklärt Jürgen Steinacker, Professor für Sportmedizin an der Uniklinik Ulm. Dann werden die Probanden getestet. Zu Lungenfunktionstests kommen Analysen von Blut und Urin. Per Biopsie entnehmen die Forscher auch eine Probe des Muskelgewebes.

Der Rostocker Triathlet Johannes Vogel sagte der ARD-Dopingredaktion, dass der Asthma-Konsum von Konkurrenten in seiner Trainingsgruppe immer wieder Thema sei. Er selbst habe kein Asthma und nehme auch keine Asthmamittel. Doch bei der Konkurrenz, sei ihm aufgefallen, werde gern mal gesprayt.

"Im Vorstartbereich eines Triathlons sieht man das besonders bei internationalen Wettkämpfen sehr, sehr häufig. Aber auch einige krasse Situationen habe ich schon gesehen, zum Beispiel einmal bei einem internationalen Wettkampf, da hat ein Mitbewerber beim Radfahren seine Asthmaflasche vom Oberrohr genommen und ein, zwei Züge inhaliert." Natürlich, sagt Vogel, mache man sich anschließend so seine Gedanken "und überlegt, ah, könnte das den Mitbewerber vielleicht doch die fünf Sekunden schneller machen". Solche Erlebnisse behalte man im Hinterkopf.

Hinter vorgehaltener Hand sagen etliche Sportler, dass Asthmaspray natürlich helfe, die Leistung zu erhöhen. Ob sich das wissenschaftlich nachweisen lässt, soll die Studie nun klären. Noch im nächsten Jahr will das Team um den Ulmer Professor Steinacker Ergebnisse vorlegen.

Stand: 11.09.2019, 15:36

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