Nach Urteil: Dopingsünder Johannes Dürr droht Privatinsolvenz

Johannes Dürr verurteilt zu 15 Monaten auf Bewährung

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Nach Urteil: Dopingsünder Johannes Dürr droht Privatinsolvenz

Von Peter Wozny

Das Landgericht Innsbruck hat den Ex-Langläufer und Dopingsünder Johannes Dürr zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Seine Aussagen in der ARD-Doku "Gier nach Gold" hatten die Ermittlungen um den Erfurter Dopingarzt Mark Schmidt und dessen Netzwerk losgetreten. Nun droht Österreichs einstiger Medaillenhoffnung die Pleite.

Im Innsbrucker Landesgericht haben am Montag zwei ehemalige Berühmtheiten der skisportbegeisterten Nation Österreich auf der Anklagebank gesessen: der frühere Nationaltrainer Gerald Heigl und vor allem sein einstiger Schützling Johannes Dürr mussten sich persönlich wegen Dopings und Betruges verantworten. Dürr hatte die gesamten Enthüllungen, Razzien und Strafprozesse angestoßen, indem er im Januar 2019 in dem ARD-Film "Gier nach Gold" über seine Dopingkarriere erzählte und dabei erstmals Blutdoping in Deutschland gestand, so dass ein internationaler Ring um den Erfurter Arzt Mark Schmidt aufflog.

Genau jenes Geständnis Dürrs wie auch seine folgende Aussagebereitschaft hatte die vorsitzende Richterin Martina Eberherr am Montag nach gut zehnstündiger Verhandlung bei ihrem Urteil berücksichtigt. Gegen den früheren Skilangläufer Dürr verhängte sie eine 15-monatige Haftstrafe zur Bewährung sowie 720 Euro Geldstrafe wegen schweren, gewerbsmäßigen Betruges und Verstößen gegen das Antidoping-Gesetz. In einigen Punkten allerdings, sprach die Richterin den Ex-Langläufer vom Tatvorwurf frei.

15 Monate auf Bewährung für Ex-Skilangläufer Dürr Mittagsmagazin 28.01.2020 01:47 Min. Verfügbar bis 28.01.2021 Das Erste

Vor Gericht löste Dürr auch noch eines der letzten verbliebenen Rätsel auf: Zum Erfurter Dopingarzt Schmidt hatte ihn sein früherer Schwager Daniel Taschler vermittelt. Taschler ist ein ehemaliger Biathlet, der in seiner Heimat Italien wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Dopingarzt Michele Ferrari vor Gericht gestanden hatte und in letzter Instanz freigesprochen worden war - wegen eines Beweisverwertungsverbots.

Fast alles verloren

Dürr, sagte die Innsbrucker Richterin am Montagabend in ihrer ausführlichen Begründung, habe durch seine Aussagen im ARD-Film erst den Stein ins Rollen gebracht, von dem er schließlich selbst auch noch erwischt wurde. Er sei "vollkommen, reumütig, geständig" und habe "in einem fast schon schmerzhaften Ausmaß zur Aufklärung" beigetragen: "Sie haben fast alles verloren." Und um die Besonderheit des Straftatbestandes im Kontext des Hochleistungssports zu unterstreichen, zitierte sie den früheren Sportmanager Stefan Matschiner: "Doping ist wie Frühstück, ohne das geht’s nicht."

Dürr musste sich dennoch mit seinem Anwalt Christian Reiter beraten, bevor er die glimpfliche Strafe annahm: Denn gleichzeitig wurde er dazu verdonnert, 52.000 Euro, die er sich durch seinen Sportbetrug von Spendern und Sponsoren gesichert hatte, binnen fünf Jahren als eine Art Profitabschöpfung an den Bund zu zahlen. Seit ihm im vergangenen März vom Zoll fristlos gekündigt worden war, absolviert Dürr eine geförderte Ausbildung zum Maschinenbauer.

Er gab vor Gericht an, von 1200 Euro monatlichem Arbeitslosengeld zu leben, wovon allerdings noch jeweils 400 Euro Alimente für seinen sechsjährigen Sohn abgehen. "Das ist sicherlich nicht finanzierbar", sagte Dürrs Anwalt Reiter, der sonst mit dem Urteil zufrieden war: "Das wird bedeuten, dass der Bund auf dem Exekutionsweg versuchen wird, es einbringlich zu machen und es irgendwann einmal ausbucht beziehungsweise es steht irgendwann eine Privatinsolvenz an."

Stand: 27.01.2020, 23:39

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