Leichtathletik-Weltverband IAAF räumt auf

Eingang des Leichtathletik-Weltverbandes

Rauswurf eines Funktionärs

Leichtathletik-Weltverband IAAF räumt auf

Von Nick Butler und Hajo Seppelt

Der Welt-Leichtathletikverband hat sich von einem führenden Funktionär getrennt, nachdem der Internationale Sportgerichtshof bestätigt hatte, dass er den Integritätsstandards nicht genügt. Die CAS-Entscheidung beruht auf Vergehen in Zusammenhang mit Doping, die die ARD ans Licht brachte.

Bereits im vergangenen Jahr wurde der Präsident des Malaysischen Leichtathletikverbandes (MAF), Karim Ibrahim, aus dem Vorstand des Welt-Leichtathletikverbandes (IAAF) entlassen, nachdem er die Überprüfungsverfahren nicht bestanden hatte.

Vorausgegangen war eine ARD-Dokumentation, die im März 2016 ausgestrahlt worden war und aufzeigte, wie Ibrahim beschuldigt wurde, im Jahr 2011 am Dopingvergehen eines Athleten beteiligt gewesen zu sein. Zudem hatte er sechs nationale Athleten unterstützt, Drogentests zu umgehen.

Eine IAAF-Kommission entschied, dass eine "ernsthafte Wahrscheinlichkeit einer Schädigung des Rufs der Leichtathletik und/oder der IAAF" bestehe. Ibrahim legte gegen diesen Beschluss Beschwerde beim Lausanner Court of Arbitration for Sports (CAS) ein. In dessen nun ergangenem Urteil, das der ARD-Dopingredaktion vorliegt, wies der CAS die Beschwerde ab und verurteilt ihn dazu, 4.000 Schweizer Franken (umgerechnet 4.579 Euro) an die IAAF zu zahlen, um deren juristische Auslagen zu decken.

Der Fall zählt zu den Bemühungen der IAAF, nach einem Korruptionsskandal um ihren ehemaligen Präsidenten Lamine Diack aus dem Senegal intern aufzuräumen.

Finger im Spiel beim Doping

Ibrahim wurde beschuldigt, sechs Mitglieder des malaysischen Sprint-Teams angewiesen zu haben, keine Urinproben abzuliefern, als die dazu im Mai 2011 vom Nationalen Sport Institut aufgefordert wurden. Angeblich hatte er sie stattdessen aufgefordert, ihre Abreise in ein geplantes Trainingslager in Bulgarien vorzuziehen.

Ibrahim wird auch beschuldigt, seine Finger im Spiel gehabt zu haben, als der Staffelläufer Yunus Lasaleh bei den Südostasienspielen 2011 positiv auf das verbotene Steroid Methandienon getestet wurde. Es wurde behauptet, dass Ibrahim an der Einstellung eines bulgarischen Trainers und Arztes beteiligt war, der dem Athleten Dopingmittel verabreichte.

In einem dritten Vorwurf wird Ibrahim vorgeworfen, einen Teil der Mittel von 66.800 Malaysischen Ringgit (etwa 14.280 Euro) nicht bestimmungsgemäß verwendet zu haben, um Athleten zu unterstützen, die im Juli 2009 ein Trainingslager in Mannheim durchführten. Mehrere Athleten und Trainer beschwerten sich darüber, dass sie nie ihre Spesen erhalten hätten.

Der Beamte hat jedes Fehlverhalten in Bezug auf alle drei ihm zur Last gelegten Vergehen bestritten.

Aber 2012 wurde Ibrahim von einem von Malaysias Leichtathletikverband eingesetzten, unabhängigem Untersuchungsausschuss für schuldig befunden. Man sperrte ihn für sechs Jahre von jeder Funktion im Sport. Allerdings ging Ibrahim gegen diese Entscheidung im November 2013 vor dem Malaysischen Obersten Gerichtshof erfolgreich vor. Der High Court hat jedoch keine der tatsächlichen Feststellungen aufgehoben oder bestritten. Er entschied nur, dass die MAF nicht zuständig war, Ibrahim zu bestrafen, da er zu diesem Zeitpunkt kein Amt in der nationalen Föderation bekleidete.

Ibrahim wurde dann Ende 2014 zum MAF-Präsidenten gewählt, bevor er im folgenden Jahr gar zum Vorstandsmitglied des asiatischen Kontinentalverbandes berufen wurde. In den Vorstand der IAAF rückte Ibrahim später im Jahr 2015 auf. Seither hat er eine maßgebliche Rolle dabei gespielt, wie die IAAF mit dem russischen Dopingskandal umgeht.

Sanktionen auf der Grundlage strengerer Überprüfungsregeln

Die IAAF muss beobachten, wie die alten Seilschaften die Polizei beschäftigen. Lamine Diack, ehemaliger Präsident der IAAF bis zu seiner Ablösung durch Sebastian Coe im Jahr 2015, sieht sich in Frankreich im Zentrum staatsanwaltlicher Untersuchungen. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, eine kleine Gruppe ehemaliger IAAF-Funktionäre angeführt zu haben, die im großen Stil Geld angenommen hat, um im Gegenzug Dopingfälle zu vertuschen.

Namibias ehemaliger Sprinter Frank Fredericks bleibt ebenfalls vom IAAF-Vorstand suspendiert, während er sich müht, Vorwürfe seiner angeblichen Beteiligung beim Stimmenkauf um die Vergabe der Olympischen Spiele nach Rio de Janeiro aus der Welt zu schaffen.

Ibrahim wurde aufgrund strengerer neuer IAAF-Überprüfungsregeln, die im August 2017 in Kraft traten, bestraft. Der CAS prüfte nur, ob die IAAF diese Regeln eingehalten hatte, nicht aber die Berechtigung der konkreten Anschuldigungen gegen Ibrahim.

"Position war unhaltbar"

"Der Beschwerdeführer hat den Integritäts-Check nicht bestanden und ist auch seinen Offenlegungspflichten nicht nachgekommen", heißt es im CAS-Urteil nach einer Anhörung im Oktober. „Seine Position vor dem CAS war unhaltbar."

Der CAS beschrieb Ibrahim weiter als "ausweichend" und fügte hinzu, dass "die Rechtsgrundsätze, auf die er sich berufen wollte, nicht auf den Punkt gebracht wurden, und dass seine Beharrlichkeit keine ausreichende Grundlage hatte, sowohl im Hinblick auf die berechtigten Interessen der IAAF und ihrer Offiziellen als auch im Hinblick auf Gerechtigkeit und Fairness".

Ibrahim hat örtlichen Reportern mitgeteilt, dass die CAS-Entscheidung seine anderen sportlichen Ämter nicht beeinflusse. Aber er hat noch nicht bestätigt, ob er plant, für eine neue Amtszeit als Präsident des Malaysischen Leichtathletikverbandes im Laufe dieses Jahres zu kandidieren.

Die IAAF bestätigte der ARD, dass Karim Ibrahim "nicht wieder in den IAAF-Vorstand zurückehren wird und seit Mai 2017 nicht mehr Mitglied des IAAF-Vorstandes ist".

Stand: 06.02.2019, 12:24

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