Doping - 21 Sportler aus acht Nationen ermittelt

Staatsanwalt Kai Gräber: "Eigenblut-Doping an 21 Athleten" Sportschau 20.03.2019 02:05 Min. Verfügbar bis 20.03.2099 Das Erste

Operation Aderlass

Doping - 21 Sportler aus acht Nationen ermittelt

Die Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Doping-Kriminalität hat am Mittwoch (20.03.2019) Einblick in ihre Ermittlungsarbeit gegeben. Demnach sind 21 Sportler aus acht europäpischen Ländern ins Visier der Ermittler geraten. "Die Athleten kommen aus fünf verschiedenen Sportarten, drei davon sind dem Wintersport zuzurechnen", erklärte Oberstaatsanwalt Kai Gräber auf einer Pressekonferenz in München.

Bekannt wurde außerdem, dass die 21 Athleten zwischen 2011 bis zu den Doping-Razzien bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaften Ende Februar im österreichischen Seefeld eine dreistellige Anzahl von Bluttransfusionen bekommen haben. Die Bluttransfusionen seien weltweit gemacht worden. Sie seien unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch in Südkorea und auf Hawaii vorgenommen worden.

Fünfte Person in Erfurt verhaftet

Gräber teilte zudem mit, dass eine fünfte Person aus dem Doping-Netzwerk des Hauptbeschuldigten Sportarztes Mark S. am Montag festgenommen worden sei. Sie habe mutmaßlich Blutdoping transportiert und auch Blutabnahmen und Blutrückführungen bei Athleten vorgenommen. Pro Athlet und Saison sollen die Verdächtigen zwischen Ende 2011 und Februar 2019 etwa 4.000 -12.000 Euro eingenommen haben. Dabei seien den Sportlern neben Eigenblut auch andere Präparate wie Wachstumshormone verabreicht worden. Nicht alle Beteiligten hätten nach bisherigen Erkenntnissen über eine medizinische Ausbildung verfügt. Den Verdächtigen der "Erfurter Zelle" drohten Haftstrafen zwischen ein und zehn Jahren. "Wir haben eine spannende Geschichte mit vielen Wendungen, bei der die letzten Kapitel längst noch nicht geschrieben sind", erklärte Gräber. Bislang haben neun Spitzensportler ihre Beteiligung am Dopingnetzwerk des Erfurter Sportarztes Mark S. gestanden.

Mark Schmidt

Ende Februar in Erfurt verhaftet: Ab morgen wird der mutmaßliche Doping-Drahtzieher Schmidt verhört.

Sind auch deutsche Sportler betroffen?

Details zu den weiteren Athleten und deren Herkunft nannte Gräber "aus ermittlungstechnischen Gründen" nicht. So bleibt auch offen, ob deutsche Athleten darunter sind. Der Erfurter Sportarzt Mark S. hatte angekündigt, auspacken zu wollen. Er wurde auch bereits verhört. In welchem Umfang er ausgesagt hat, und ob die genannten 21 Sportler aus den Aussagen von S. stammen, darauf wollte Gräber auch nicht näher eingehen.

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Dürr-Interview bringt Stein ins Rollen

Während der Nordischen Ski-WM Anfang März hatte es Razzien und Festnahmen im österreichischen Seefeld und in Erfurt gegeben. Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen ein ARD-Interview mit dem österreichischen Langläufer Johannes Dürr, der kurzzeitig ebenfalls festgesetzt wurde. Dürr hatte umfangreich über internationale Doping-Praktiken gesprochen. Untersuchungen brachten die Ermittlungen schließlich auf die Spur des Erfurter Sportarztes. Bei dem Mediziner fanden die Ermittler 40 Blutbeutel, die derzeit noch Athleten zugeordnet werden müssen. Es werde aber auch gegen Athleten ermittelt, von denen keine Blutkonserven vorlägen.

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Eisenreich fordert Kronzeugenregelung

Insgesamt hat die Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Doping-Kriminalität in den zehn Jahren ihres Bestehens 7.100 Ermittlungsverfahren durchgeführt. Dies teilte der bayerische Staatsminister Georg Eisenreich mit. Um den Kampf gegen Sportbetrug noch effektiver zu machen, fordert Eisenreich weitere Verbesserungen des Anti-Doping- Gesetzes. "Unsere wichtigste Forderung ist eine Kronzeugenregelung", sagte der CSU-Politiker. Aussagewillige Sportler sollten weitgehend von Strafverfolgung befreit werden können.

Eine weitere Forderung von ihm ist zudem die Einführung der Versuchsstrafbarkeit. Bei einem Verbrechen ist der Versuch stets strafbar. Bei Dopingstraftaten ist derzeit der Versuch in den meisten Fällen nicht strafbar. Da es sich um sogenannte Vergehen handelt, müsste das im Gesetz ausdrücklich angeordnet werden. Das ist derzeit nur teilweise der Fall.

sst/dpa/sid | Stand: 20.03.2019, 16:58

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