Dürr gesteht Doping bis 2018 - Tarnname "Lucky Luke"

Johannes Dürr

Seefeld-Skandal

Dürr gesteht Doping bis 2018 - Tarnname "Lucky Luke"

Von Jörg Mebus

Kronzeuge Johannes Dürr hat nach Informationen der ARD-Dopingredaktion in einer Vernehmung durch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft Blutdoping bis Ende 2018 gestanden. 

Kronzeuge Johannes Dürr (31) hat nach exklusiven Informationen der ARD-Dopingredaktion vom Mittwoch (06.03.2019) in einer Vernehmung durch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft Blutdoping bis Ende 2018 gestanden. Zudem räumte der 2014 des Dopings überführte Langläufer ein, dass er noch im Jahr 2015 abgezapftes Blut für Dopingzwecke durch den Erfurter Mediziner Mark Schmidt deponieren ließ - also nachdem er überführt worden war. Dürrs Blut deponierte Drahtzieher Schmidt unter dem Tarnnamen "Lucky Luke".

Dürr gestand zudem, dass es noch vor kurzem drei weitere konspirative Treffen zwischen ihm und Schmidt beziehungsweise dessen Helfer gab: Schmidt persönlich behandelte ihn im Spätsommer 2018 am Rasthof Irschenberg an der A8 bei München, wo Dürr schon vor den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014 in einem Hotelzimmer Blut gelassen hatte.

Verdacht auf Eigenblutdoping

Danach - nach ARD-informationen am 19. oder 20. Oktober 2018 - half Schmidts Assistentin Diana S. in einem Auto auf einem Rasthof in Pichl bei Schladming nach. Dürrs Aussage zufolge soll dann im Dezember, am Rande eines Wettkampfes in Campra (Swiss Cup), die letzte Behandlung durch einen weiteren Helfer Schmidts stattgefunden haben soll.

Damit ist die Schweiz erstmals von der Erfurter und Seefelder Blutdoping-Affäre betroffen. Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass Dürr unter Verdacht stehe, "bis vor kurzem Eigenblutdoping betrieben" zu haben und sich dabei von Schmidt behandeln ließ.

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Dürr war am Dienstagmorgen an seiner Arbeitsstelle im Zollamt in Innsbruck festgenommen worden und wird von der Staatsanwaltschaft nicht mehr als Zeuge, sondern als Beschuldigter geführt.

Lange Vernehmung in Tirol

Nach einer etwa vierstündigen Vernehmung in der Landespolizeidirektion Tirol in Innsbruck, bei der sein deutscher Anwalt Michael Lehner anwesend war, wurde  Dürr am späten Dienstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt. Laut Staatsanwaltschaft sei nicht anzunehmen, dass Dürr die Ermittlungen weiter beeinträchtigen werde.

In einem ersten Telefonat mit der ARD betonte Dürr, dass er mit seinem Scheitern in der Qualifikation zur Nordischen Ski-WM in Seefeld seine Karriere als Langläufer beendet habe.

Stand: 06.03.2019, 14:30

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