Covid-19 bremst Dopingkontrollsystem – Coe appelliert an Athleten

Doping-Kontrolllabor in Südkorea

Doping in Zeiten von Corona

Covid-19 bremst Dopingkontrollsystem – Coe appelliert an Athleten

Von Hajo Seppelt, Arne Steinberg, Jörg Mebus und Jörg Winterfeldt

Teil 2/2 - "Herausforderung für die Gerichtsbarkeit des Sports“

Auch Sebastian Coe, der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics, ist besorgt - nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch wegen möglicher Betrüger, die Corona als Schlupfloch nutzen könnten: "Es wäre ja lächerlich, wenn ich sagen würde, dass dies keinen Einfluss haben wird. Ich denke, das wissen wir alle.“ Dies bedeute aber keinen Freifahrtschein für die Athleten, denn: "Kein Sportler sollte jemals zu dem Schluss kommen, dass er sich in einer Test-Sperrzone befindet, das ist nicht der Fall.“

IAAF-Präsident Coe: "Viele Sportarten sind finanziell instabil" Sportschau 04.04.2020 06:04 Min. Verfügbar bis 04.04.2021 Das Erste

Coe beruft sich auf die Prozesse, die weiterlaufen würden, und ergänzt: "Kein Athlet sollte sich jetzt etwas vormachen und glauben, nach Belieben an Wettbewerben teilnehmen zu können, ohne sich der Integrität des Sports zu unterwerfen. Wir werden sie erwischen!“  

Völlig in den Hintergrund getreten ist durch Corona der russische Dopingskandal. Was bedeutet die Corona-Pandemie für Russland, das im Dezember von der WADA für vier Jahre gesperrt wurde? Der Chef der russischen Anti-Doping-Agentur, Juri Ganus, erklärt: „Wir bereiten nun ein spezielles Testprogramm vor, das sich auf den biologischen Pass konzentriert.“ Gleichermaßen plane er eine Stellungnahme, in der er die Athleten anhalten will, sauber zu bleiben. Die Corona-Krise sei eine "Herausforderung für die Gerichtsbarkeit des Sports.“ Die Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens werden daher wohl auch in Russland zu einer veränderten Arbeitsweise führen. Zeitgleich müsse der russische Dopingskandal weiter aufgeklärt werden, sagt Ganus.

Dopingtests in Corona-Krise: Campingbus als mobiles Testfahrzeug

Im Juli soll der internationale Sport-Gerichtshof in Lausanne über den Einspruch Russlands gegen die verhängte WADA-Strafe verhandeln. Der RUSADA-Chef hält fest: "Corona ist kein Grund, die Untersuchung in irgendeinem Fall zu verzögern oder zu stoppen.“ Er macht damit Druck auf die staatlichen Behörden, die Aufklärung des Dopingskandals weiter voranzutreiben. "Entscheidend ist erst einmal, dass eine echte Untersuchung zur Säuberung unseres Sports durchgeführt wird. Alle Regierungseinrichtungen, die solche Untersuchungen durchzuführen haben, können auch jetzt ohne Einschränkung arbeiten“, sagt Ganus der ARD-Dopingredaktion.

In anderen Ländern findet man unterdessen kreative Lösungen, um mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie umzugehen. Die norwegischen Dopingkontrolleure nutzen derzeit ein mobiles Testfahrzeug. Sie haben einen Camping-Bus umgebaut, um die Sportler weiterhin testen zu können.

Rob Koehler, der Vorsitzende der Athletenorganisation Global Athlete, berichtet im ARD-Gespräch von Plänen für weitere neue Testmethoden in Zeiten von Corona. Es gebe "einige Lösungen, die in Vorbereitung sind“, sagte der ehemalige WADA-Spitzenfunktionär, ohne konkret werden zu wollen. "Ich weiß, dass die US-Anti-Doping-Agentur die Nutzung von Technologien prüft, mit deren Hilfe Athleten erreicht und möglicherweise getestet werden können“, sagt Koehler: "Es geht um alles, was helfen kann, damit die Athleten jetzt zeigen und beweisen können, dass sie sauber sind.”  

Stand: 04.04.2020, 11:29

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