Covid-19 bremst Dopingkontrollsystem – Coe appelliert an Athleten

Doping-Kontrolllabor in Südkorea

Doping in Zeiten von Corona

Covid-19 bremst Dopingkontrollsystem – Coe appelliert an Athleten

Von Hajo Seppelt, Arne Steinberg, Jörg Mebus und Jörg Winterfeldt

Weil das weltweite Dopingkontrollsystem weitgehend ruht, zeigen sich Sportler und Funktionäre besorgt um die Integrität des Wettbewerbs. Spitzenfunktionäre wie Sebastian Coe warnen die Athleten eindringlich, Corona als Schlupfloch zu nutzen. Erste Anti-Doping-Agenturen suchen schon nach Alternativen zum klassischen Dopingtest.

Durch die Coronavirus-Pandemie ist die internationale Sportwelt zum Erliegen gekommen. Große Veranstaltungen wie die Olympischen Spiele, die Fußball-EM oder das Tennisturnier in Wimbledon finden in diesem Sommer nicht statt. Der Druck von Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit war zu groß geworden und eine risikofreie Durchführung nicht mehr realistisch.

Zuletzt hatte das IOC bekannt gegeben, dass die Olympischen Spiele in Tokio erst im Sommer 2021 stattfinden sollen. Auch die Fußball-EM: verschoben auf das kommende Jahr. Doch lässt Corona dann eine Durchführung überhaupt zu? Und wenn ja, ist dann ein fairer Wettbewerb überhaupt möglich?

"Es gibt viele Mittel gegen Doping"

Der Virologe Alexander Kekulé bezweifelt im Interview mit der ARD-Dopingredaktion, dass eine Austragung der Olympischen Spiele im kommenden Jahr gesichert sei. Das IOC hingegen hofft darauf, dass die Spiele in Tokio im Jahr 2021 veranstaltet werden können, ohne Corona – und ohne große Dopingskandale? Diese Frage scheint zum jetzigen Zeitpunkt mehr denn je berechtigt, weil das weltweite Dopingkontrollsystem durch die Ausbreitung des Coronavirus nahezu stillgelegt ist und Betrüger beinahe ungestört sind.

Olivier Niggli, Generaldirektor der WADA, versucht im Interview mit der ARD-Dopingredaktion zu beschwichtigen. Der Kampf gegen Doping bestehe für ihn nicht nur aus Tests: "Es gibt viele Mittel, etwa den biologischen Athleten-Pass, der einen Überblick über Jahre gibt und sicher von Interesse sein könnte, wenn es Lücken gibt ohne Dopingkontrollen.“ Momentan sei jedoch die Gesundheit der Athleten und Dopingkontrolleure das Hauptanliegen der WADA.

Delle im Doping-Test-Programm

Dass insgesamt kaum noch getestet wird, bestätigen die Leiter mehrere Nationaler Anti-Doping-Agenturen auf Anfrage. Andrea Gotzmann, Chefin der NADA Deutschland, sagt: "Das Dopingkontrollsystem ist seit über einer Woche gegen Null gefahren.“ Ähnlich ist die Lage in Österreich, wo NADA-Geschäftsführer Michael Cepic von einer "sehr starken Reduzierung“ der Kontrollen spricht. Für Norwegen hält Anders Solheim fest: "Die Anti-Doping-Aktivitäten in Norwegen haben sich in den letzten zwei bis drei Wochen reduziert.“ RUSADA-Chef Juri Ganus erklärt, dass in Russland zuletzt vor zwei Wochen im Wettkampf getestet wurde, die Trainingskontrollen stoppte die RUSADA am vergangenen Sonntag.

Die Delle im Doping-Test-Programm registriert auch der Kölner Doping-Analytiker Mario Thevis, dessen Kontrolllabor eines der renommiertesten und meistbeschäftigten weltweit ist. "Die derzeitige Anzahl eingesandter Dopingproben stellt etwa zehn bis zwanzig Prozent dessen dar, was wir üblicherweise zu dieser Jahreszeit erwarten.“ Der "enorme Rückgang an Dopingkontrollproben und Analyseaufträgen“ sei gleichzeitig ein wirtschaftliches Problem für sein von der WADA akkreditiertes Labor. "Eine Kehrtwende dieses Negativtrends ist nicht abzusehen“, sagt Thevis.

Stand: 04.04.2020, 11:29

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