Betrug geduldet? - Dopingsünder Dürr gewinnt Berufung gegen Österreichs Skiverband

Betrug geduldet? Dopingsünder Dürr feiert Etappensieg gegen Österreichs Skiverband

ARD-Doku "Gier nach Gold"

Betrug geduldet? - Dopingsünder Dürr gewinnt Berufung gegen Österreichs Skiverband

Von Jörg Winterfeldt und Hajo Seppelt

Teil 2/2 - Dopingvorwürfe gegen ÖSV - Beweise wurden nicht gehört

Zu Bewährungsstrafe verurteilt: Österreichs Ex-Langlauf-Trainer Gerald Heigl stand zuletzt mit Johannes Dürr vor Gericht.

Zu Bewährungsstrafe verurteilt: Österreichs Ex-Langlauf-Trainer Gerald Heigl stand zuletzt mit Johannes Dürr vor Gericht.

Den Versuch Dürrs, die Legitimation seiner Meinung mit der reichhaltigen Doping-Historie von ÖSV-Athleten, -Trainern und Medizinern zu belegen, die vor allem regelmäßig bei Olympia, etwa 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin oder in Dürrs positiver Probe 2014 in Sotschi offenkundig wurde, konterte Leistner mit einem formaljuristischen Einwand: Bei Olympia sei ja gar nicht der Skiverband, sondern das Nationale Olympische Komitee für Athleten und Vorgänge verantwortlich. Als wären nicht nacheinander reihenweise ÖSV-Cheftrainer wie Walter Mayer oder Gerald Heigl als Dopinghelfer aufgeflogen und verurteilt worden und sogar ein leitender Verbandsmediziner im Strafprozess belastet worden, das Ausdauer-Dopingmittel Epo beschafft zu haben.

Das Berufungsgericht gab Anfang November Dürr Recht, hob das erstgerichtliche Urteil auf, verwies die Rechtssache zur neuerlichen Entscheidung nach Verfahrensergänzung an das Erstgericht zurück. In seiner Urteilsbegründung rügte das Gericht die Erstinstanz, Beweise nicht aufgenommen und Dürrs Argumente nicht berücksichtigt zu haben. Es sei nicht einmal der Versuch unternommen worden, zu prüfen, ob der ÖSV seine angebliche Null-Toleranz-Politik gegenüber Doping auch intern durchgesetzt habe.

Der Oberste Gerichtshof ging nun sogar noch über das Berufungsgericht hinaus. Nicht nur solle das Landgericht Innsbruck die unterlassene Würdigung von Dürrs Argumenten nachholen, auch sagten die höchsten Richter des Landes in ihrer Entscheidung, ein Wertungsexzess läge nicht vor, "hat sich doch der Beklagte keiner diffamierenden Sprache bedient. Zudem handelt es sich beim Thema "Doping" um ein durchaus aktuelles Thema der gesellschaftlichen Diskussion, an dem ein öffentliches Interesse besteht. Gerade bei solchen Themen umfasst das Recht der freien Meinungsäußerung auch, jene Ideen auszusprechen, die verletzen, schockieren oder beunruhigen".

Stand: 13.03.2020, 06:00

Darstellung: