Betrug geduldet? - Dopingsünder Dürr gewinnt Berufung gegen Österreichs Skiverband

Betrug geduldet? Dopingsünder Dürr feiert Etappensieg gegen Österreichs Skiverband

ARD-Doku "Gier nach Gold"

Betrug geduldet? - Dopingsünder Dürr gewinnt Berufung gegen Österreichs Skiverband

Von Jörg Winterfeldt und Hajo Seppelt

Österreichs höchstes Gericht hat dem verurteilten Dopingsünder Johannes Dürr den Rücken gestärkt: Der Streit zwischen dem Ex-Langläufer und dessen Skiverband wurde an die Erstinstanz zurückverwiesen. Erneut wird es nun um die Frage gehen, ob Dürr, der über sein Doping in der ARD-Doku "Die Gier nach Gold" ausgepackt hatte, öffentlich behaupten darf, dass der ÖSV Doping stillschweigend geduldet hat.

Viel Grund zur Freude hatte der frühere Skilangläufer Johannes Dürr in den vergangenen Monaten nicht. Verfahren reihte sich an Verfahren, um das Doping des Österreichers und die Begleitumstände aufzuarbeiten. Und selbst wenn ein Gericht einigermaßen glimpflich mit ihm umging, so setzte es doch immer auch juristische Prügel. Inzwischen ist der Mann, der durch seine Aussagen im ARD-Film „Gier nach Gold“ die Operation Aderlass mit ihrem großen Schlag gegen einen Dopingring ermöglicht hat, lebenslang gesperrt und auf Bewährung zu einer Haftstrafe verurteilt.

Umso mehr durfte er in dieser Woche jubeln. Dürr hatte eine wichtige Zwischenetappe in seinem Gerichtsstreit mit dem Österreichischen Skiverband gewonnen: Österreichs höchstes Gericht, der Oberste Gerichtshof, hat Dürr den Rücken gestärkt und ihm gegen den Verband Recht gegeben. Der Streit wurde an die Erstinstanz zurückverwiesen und dem Landesgericht Innsbruck wurde nachdrücklich aufgetragen, in einer ordentlicheren Beweisaufnahme gefälligst ernsthaft zu ermitteln, ob Dürrs öffentlich bekundete Meinung, der ÖSV dulde Doping stillschweigend, zulässig sein kann. Auch wurde der ÖSV dazu verdonnert, Dürr die 1.332,54 EUR Kosten für das OGH-Verfahren zu erstatten.

Meinungsfreiheit der Athleten gestärkt

Die Meinungsfreiheit und Rechte sowie Mündigkeit der Athleten gegenüber ihrem Verband wurden gestärkt. Die Gefahr für den von zahlreichen Dopingfällen über Jahrzehnte geplagten ÖSV ist nun größer als je zuvor, dass ein ordentliches Gericht ihm rechtskräftig bescheinigt, Doping seiner Athleten stillschweigend zu dulden. "Ich bin natürlich erleichtert und freue mich sehr, dass mit dem Beschluss des Obersten Gerichtshofs, immerhin die höchste rechtliche Instanz in Österreich, der Weg zur Wahrheitsfindung geebnet wurde", sagte Dürr der ARD.

Dürr war Anfang Juli 2018 bei einer "FuckUp-Night" öffentlich aufgetreten. Da berichten Personen über berufliches Scheitern und schwere Rückschläge. Auf die Frage eines Zuschauers wie der Österreichische Skiverband nach Meinung von Dürr zum Doping stehe, sagte dieser auch: "Okay, also, bitte mach‘s, lass dich aber nicht erwischen … so ungefähr ist das g‘rennt. Ich will davon nichts wissen, weil dann kann ich so machen [hält sich die Augen zu], aber uns wäre es schon lieber wenn du etwas machst." Der Verband klagte daraufhin auf Widerruf der von Dürr aufgestellten Behauptung, der ÖSV dulde Doping stillschweigend.

Das Landesgericht Innsbruck hatte als Erstinstanz Ende April 2019 verhandelt und zwei Monate später sein Urteil verkündet, darin dem Verband Recht gegeben. Es gründete seine Entscheidung maßgeblich ausgerechnet auf Aussagen des ÖSV-Generalsekretärs Klaus Leistner, die in der Verhandlung zahlreiche Zuhörer belustigt hatten. Leistner verwies etwa auf eine Null-Toleranz-Politik des Verbandes, der seinen Athleten schließlich Computerkurse zum Doping verordne.

Stand: 13.03.2020, 06:00

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