Appell an Profiligen: NADA fordert effektiveres Dopingkontroll-System

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Nach ARD-Recherchen zu mangelnden Tests

Appell an Profiligen: NADA fordert effektiveres Dopingkontroll-System

Von Jörg Mebus und Shea Westhoff

Die Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschland (NADA) reagiert auf den Bericht in der ARD-Sportschau zum lückenhaften Anti-Doping-System im Basketball, Handball und Volleyball. Auf ihrer Homepage appelliert die NADA an alle deutschen Profiligen, in einem "gemeinsamen Dialog" die Einführung eines sogenannten Team-Testpools "zu forcieren". Dies würde der NADA unangekündigte Dopingkontrollen aller aktiven Spieler während der Trainingszeit ermöglichen.

In der 1. und 2. Fußball-Bundesliga sowie in der Deutschen Eishockey Liga ist der Team-Testpool (TTP) bereits seit mehreren Jahren Standard. Der TTP ermöglicht den im Auftrag der NADA agierenden Dopingkontrolleuren, ausnahmslos jeden Spieler bei sogenannten Trainingskontrollen, also auch außerhalb des Wettkampfs, auf Doping zu testen. "Eine Ausweitung der TTP auf andere Profiligen wird von der NADA angestrebt", vermeldete die NADA am Montag im Rahmen eines "NADA-Faktenchecks" – einen Tag nach Veröffentlichung der ARD-Recherchen zu großen Lücken im Anti-Doping-System der deutschen Profiligen im Basketball, Handball und Volleyball.

Im Nachgang zu den ARD-Recherchen veröffentlichte die NADA zusätzlich die Anzahl ihrer genommenen Urin- bzw. Blutproben aus Wettkampf- und Trainingskontrollen jeweils für die Jahre 2016 bis 2019 im Basketball, Handball und Volleyball. Die spezifischen Zahlen zu unangekündigten Trainingskontrollen an deutschen Nicht-Nationalspielern sowie ausländischen Profis bleiben aber auch im "NADA-Faktencheck" ungenannt.

Die Recherchen der ARD-Dopingredaktion hatten gezeigt, dass in Deutschland nur ein kleiner Teil von Handball-, Basketball und Volleyballprofis umfassend auf Doping getestet wird. Im Betrachtungszeitraum 2019 hat die Nationale Anti-Doping-Agentur ausschließlich Athleten aus deutschen Nationalkadern unangekündigt im Training kontrolliert. Die große Mehrheit in den Spitzenligen blieb demnach im Training von Deutschlands Dopingfahndern ungetestet: Zum Zeitpunkt der Anfrage waren 89 Prozent der Athleten nicht in einem NADA-Testpool gelistet.

Zu wenig Dopingkontrollen in Ballsportarten Morgenmagazin 08.12.2020 01:58 Min. Verfügbar bis 08.12.2021 Das Erste

Einen Team-Testpool, durch den die NADA befugt wird, ganze Mannschaften während Trainingseinheiten zu testen, gibt es im Volleyball, Handball und Basketball derzeit nicht. Die Einführung von Team-Testpools sei nur möglich in Kooperation mit den jeweiligen Profiligen, die eine "vollumfängliche Finanzierung" des Dopingkontrollprogramms gewährleisten müssten, wie die NADA nun schreibt.

Auch die Sportpolitik hatte den Druck auf die betroffenen Verbände im Zuge der ARD-Recherchen erhöht."Der Forderung der NADA nach Übernahme des Team-Test-Pool-Systems kann ich mich ausdrücklich anschließen", sagte Dagmar Freitag (SPD), die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, dem ARD-Morgenmagazin.

Freitag betonte, dass der Ausschuss kontrolliere, "ob die Spitzenverbände ihren oder unseren Ansprüchen nachkommen, die wir an eine glaubwürdige Dopingbekämpfung stellen". Eine "glaubwürdige Dopingbekämpfung" müsse "im ureigensten Interesse" der Spitzenverbände liegen. Sie erwarte, dass die Verbände in diesem Sinne "Einfluss auf ihre Ligen nehmen" und "dass im Bereich der Mannschaftssportarten Maßnahmen ergriffen werden, um dieses System zu optimieren".

In Bezug auf die gegenwärtigen Beschränkungen von Trainingskontrollen sagte die NADA-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann der ARD-Dopingredaktion: "Das ist eine gewisse Ausrechenbarkeit, weil wir uns hier nur auf einen bestimmten Kreis von Spielern fokussieren können." Die Unberechenbarkeit der Kontrollen außerhalb des Wettkampfes sei für die NADA bislang eingeschränkt, "da wir nur die Möglichkeit haben, Athleten, die dem deutschen Kadersystem angehören und in einem Testpool eingeordnet werden, außerhalb von Wettkämpfen zu kontrollieren."

Ungeachtet dessen verwies Gotzmann auf das Kontroll-Instrument der Wettkampftests: "Grundsätzlich hat die Nationale Anti-Doping-Agentur die Möglichkeit, bei Wettkämpfen in Deutschland alle Spielerinnen und alle Spieler zu kontrollieren." Doch auch dort bestehen große Lücken. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der NADA bei 21 Spielen Kontrolleure vor Ort gewesen – von insgesamt 340 möglichen Partien. Das bedeutet: 94 Prozent der Spiele fanden unbehelligt von NADA-Kontrollen statt.

Stand: 08.12.2020, 17:15

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