Die Finals - Erfolgsformat mit ungewisser Zukunft

Maskottchen Jule (l.) und Christina Schwanitz (r.) in Berlin.

Nach den Finals 2019 in Berlin

Die Finals - Erfolgsformat mit ungewisser Zukunft

Von Jo Herold

"Großartig", "mega-mega-gut", "bitte wiederholen" - das Urteil der beteiligten Sportler über die Finals 2019 in Berlin war eindeutig. 3.300 Athleten hatten um 202 deutsche Meisterschaften gekämpft, der Zuschauerzuspruch war gewaltig. Doch wie geht es weiter mit "Mini-Olympia"?

"Ich habe daran vorher nicht geglaubt. Ich hoffe, dass das Zukunft hat", sagte Olympiasieger Ronald Rauhe, nachdem er die Titel im Einer-Kajak und im Mixed mit Sabrina Hering-Pradler erkämpft hatte. 178.000 Zuschauer waren vor Ort, am Samstag und Sonntag hatten jeweils mehr als zwei Millionen Zuschauer die insgesamt fast 20 Stunden Live-Übertragung im Fernsehen verfolgt. Hinzu kamen noch einmal etliche Stunden Live-Sport im Internet.

"Dieses Deutsche-Meisterschafts-Hopping war grandios, schade, dass es das nicht schon zu meiner Zeit gegeben hat", sagte der frühere Diskus-Weltklassewerfer Robert Harting. "Ich habe vor meinem Wettkampf den ganzen Tag Sport schauen können", sagte Sprinterin Gina Lückenkemper, "mir hat es echt Spaß gemacht. Ich denke, das ist ein Modell für die Zukunft."

Berliner Finals überzeugen auf ganzer Linie Morgenmagazin 05.08.2019 01:43 Min. Verfügbar bis 05.08.2020 Das Erste

Unklare Zukunft trotz großer Begeisterung

Zukunft - ein wichtiges Stichwort im Zusammenhang mit den Finals. "Für kommendes Jahr gibt es noch keine Pläne", sagt Hagen Boßdorf, Koordinator der Finals. Insgesamt fünf Städte hätten die Austragung der Finals 2019 besucht, um sich die Durchführung anzuschauen, so Boßdorf weiter. Welche das gewesen seien, wollte er nicht sagen. Allerdings: "Es gab Überlegungen, die Finals in Braunschweig und Wolfsburg stattfinden zu lassen, aber das wurde wieder verworfen."

Berlin jedenfalls will die Finals erneut austragen: "Bei allen Wettkämpfen habe ich eine sensationelle Stimmung und riesige Sportbegeisterung erlebt", erklärte Innensenator Andreas Geisel, "die Finals waren großartig, ein voller Erfolg und eine tolle Werbung für unsere Sportmetropole."

Rhein-Ruhr-Region: ein Kandidat

Ein Kandidat könnte die Rhein-Ruhr-Region sein, die bereits die Veranstaltung der Universiade 2025 im Visier hat. Ein Event, das 2017 13.000 Sportler angezogen hatte. Da auch eine Bewerbung um die Olympischen Spiele 2032 für Düsseldorf und Umgebung im Gespräch ist, wäre eine Veranstaltung wie die Finals eine erste größere Probe auf dem Weg zum Mega-Event '32.

Doch die mediale Übertragung 2020 wird vermutlich nicht in ARD und ZDF zu sehen sein: "Wir müssen das Personal bündeln, damit wir das hier hinbekommen", hatte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky vor Beginn der Veranstaltung gesagt, "hunderte Mitarbeiter sind im Einsatz, um starke Bilder zu liefern." Doch genau das sei im kommenden Jahr das Problem: "Das schaffen wir zwischen Fußball-EM und den Olympischen Spielen nicht. Aber für das Jahr darauf kann ich mir eine Wiederholung vorstellen, zumal auch die beteiligten Verbände und die Athleten zufrieden waren", so Balkausky.

Einige Sportarten fehlten

Aus Termingründen waren einige Sportarten nicht vertreten, ihr Vorbereitungs- bzw. Wettkampfkalender hatte dies nicht zugelassen. "Die Weltverbände müssen mitspielen und einen gemeinsamen WM-Block wie im Wintersport festlegen, dann können wir auch gemeinsame deutsche Meisterschaften sinnvoller als Qualifikation für den Höhepunkt durchführen", sagte beispielsweise Geschäftsführer Michael Müller vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV).

Einig sind sich die Athleten jedoch, dass die Finals in ihrer jetzigen Form wiederholt werden müssen: "Die Finals sind genau das, was der deutsche Sport braucht. Die Stimmung hat uns nach vorne gepeitscht, und ich kann nur bitten, das alles zu wiederholen." Das "Ob" ist eindeutig, doch beim "Wie" gibt es derzeit noch wenig Konkretes.

Stand: 05.08.2019, 12:40

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