Drei Viertel der Deutschen lehnen bevorzugte Impfung von Spitzensportlern ab

Eine Konstruktion der Olympischen Ringe in Tokio

Corona

Drei Viertel der Deutschen lehnen bevorzugte Impfung von Spitzensportlern ab

Drei von vier Deutschen sind dagegen, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer großer internationaler Sportveranstaltungen bevorzugt eine Corona-Schutzimpfung erhalten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des WDR-Magazins Sport inside.

73 Prozent sind der Meinung, ein solcher Vorschlag gehe in die falsche Richtung. Für 24 Prozent geht er hingegen in die richtige Richtung. Dabei lehnen Menschen aller Altersgruppen den Vorschlag überwiegend ab. Unter Frauen (78 Prozent) ist diese Ablehnung höher als unter Männern (67 Prozent).

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Auch Mehrheit der Olympia-Kandidaten und Ethikrat gegen Bevorzugung

Auch die große Mehrheit der deutschen Kandidaten für die Olympischen Spiele in Tokio plädiert dafür, Sportler nicht zu bevorzugen und die bundesweit vorgesehene Reihenfolge bei den Corona-Impfungen einzuhalten. Das hat eine in den vergangenen zwei Wochen durchgeführte Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter rund 1700 potenziellen Olympia-Teilnehmern ergeben, teilte der DOSB am Freitag (05.02.2021) mit. Von den 676 Athleten, die vollständig ausgefüllte Antworten abgaben, befürworten 73 Prozent die bislang festgelegte Impf-Reihenfolge. Lediglich 18 Prozent wünschen sich eine andere Priorisierung.

Auch aus Sicht des Deutschen Ethikrates ist eine bevorzugte Impfung von Profisportlern, die an den Olympischen Spielen oder anderen internationalen Meisterschaften teilnehmen, nicht vertretbar. "Profisportler haben aus sich selbst heraus im Vergleich zu den Hochrisikogruppen deutlich geringere Risiken und setzen sich selbst auch nicht für andere Risiken aus. Deswegen würde ich sagen, dass Profisportler nicht unter diese Priorisierungsregeln fallen und man da nicht eine Art von Sonderausnahme machen sollte", sagte die Vorsitzende des Ethikrates Alena Buyx am Donnerstag (04.02.2021) in Berlin.

IOC-Mitglied entfachte die Diskussion

Die Diskussion entfacht hatte Anfang des Jahres Richard Pound, das dienstälteste Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der Kanadier sagte gegengenüber "Sky News", eine Bevorzugung von Athletinnen und Athleten beim Zugang zum Impfstoff sei "der realistischste Weg", um an den wegen der Pandemie bereits um ein Jahr verschobenen Olympischen und Paralympischen Spielen festzuhalten, die in nicht einmal einem halben Jahr in Tokio starten sollen. Mit einem öffentlichen Aufschrei rechne er deshalb nicht, so Pound.

In Thomas Weikert sprang ihm vor wenigen Tagen ein deutscher Sportfunktionär zur Seite. Der Tischtennis-Weltpräsident sagte der dpa: "Wir reden von 10.000 Athleten und einer Vielzahl von Betreuern, die auf jede Menge Länder verteilt sind." Ein Problem daraus zu konstruieren halte er für "überzogen".

Die Sommerspiele seien von großer Bedeutung - nicht nur für die Sportler, "sondern ganz klar auch für die Weltbevölkerung, die Medien oder für Arbeitsplätze." Er sehe weniger Probleme in der Existenz als eher in der Verteilung von Impfstoff, deshalb glaube er, "dass man das rechtfertigen kann - gegenüber den gerechtfertigten Argumenten kranker, älterer Mitmenschen oder dem Pflegepersonal".

DOSB äußert sich bislang zurückhaltend

Die Spitzen von IOC und DOSB äußern sich zu diesem Thema bislang deutlich zurückhaltender. IOC-Präsident Thomas Bach betonte im Januar, zunächst hätten Risikogruppen Vorrang und es werde keine Impfpflicht für Athletinnen und Athleten geben. Gleichwohl bekräftigte er den Wunsch, dass möglichst viele Olympioniken sich vor Antritt ihrer Reise nach Japan impfen lassen. Jüngst rief das IOC alle 206 Nationalen Olympischen Komitees schriftlich dazu auf, Gespräche mit der jeweiligen Regierung aufzunehmen.

Auch die UEFA, die an der Fußball-Europameisterschaft im Sommer festhalten möchte, hält sich aus der Diskussion um mögliche bevorzugte Impfungen von Spielern bislang heraus.

Frage im Wortlaut und Untersuchungsanlage

Die Frage im Wortlaut:

"Aktuell wird diskutiert, unter welchen Bedingungen trotz Corona große internationale Sportveranstaltungen stattfinden können. Hierzu gibt es den Vorschlag, teilnehmende Sportler und Teams bei Corona-Impfungen vorzuziehen und vor den Wettkämpfen bevorzugt zu impfen. Geht dieser Vorschlag aus Ihrer Sicht eher in die richtige oder eher in die falsche Richtung?"

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl / Dual Frame (Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)
Disproportionaler Ansatz (West/Ost 70:30)
Erhebungsverfahren: Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl: 1.003 Befragte
Erhebungszeitraum: 01. bis 02. Februar 2021

Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen;
Sonntagsfrage mit separater Gewichtung
Schwankungsbreite: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte

Durchführendes Institut: infratest dimap

* bei einem Anteilswert von fünf Prozent
** bei einem Anteilswert von 50 Prozent

red | Stand: 05.02.2021, 05:00

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