Sieg beim Confed Cup - erstaunlich titelreif

1:0 im Finale gegen Chile

Sieg beim Confed Cup - erstaunlich titelreif

Von Marcus Bark (St. Petersburg)

Deutschland gewinnt erstmals den Confed Cup und zeigt im Finale, dass es wichtig ist, mehrere Stile spielen zu können. Bundestrainer Joachim Löw ist "megastolz" aufgrund der Titelreife seiner Mannschaft.

In den ersten Reihen des schmucklosen Presseraums stank es wie in einer Kneipe um fünf Uhr morgens. Marc-André ter Stegen, der zum Spieler des Spiels gewählt worden war, und der Bundestrainer hatten ein paar Sätze gesagt, als die Partygesellschaft hinterrücks dazu stieß. Bier und Schampus wurden verspritzt, immerhin blieben die Haare trocken.

"Er klebt", sagte Löw, als er den Pokal später vom Podium nahm, von einigen Journalisten Applaus bekam und wie ein Triumphator in die Menge winkte: "Danke, danke." Alle Rechnungen des Trainers waren aufgegangen. Seine in den Jahren zuvor hochbelasteten Stars gratulierten via Twitter aus dem Urlaub oder von der heimischen Couch, sowohl die U21 wie auch die A-Nationalmannschaft gewannen trotzdem den Titel.

Ein Scherz mit Bedacht

"Ich bin megastolz", sagte Löw, der ein weiteres Ziel erreicht sah: "Jeder Spieler ist jetzt auf einem besseren Stand als vor dem Turnier." Er schob extra voraus, dass es nur ein Scherz sei, als er sagte: "Wir müssen jetzt überlegen, welchen Spieler wir von zu Hause dazunehmen."

Aber die Botschaft war durchaus mit Bedacht ausgesprochen. Der Bonus, den die geschonten Stars haben, kann schnell aufgebraucht sein. Löw: "Wir haben Alternativen geschaffen."

Kimmich eine feste Größe, Werner ist einer für die "Neun"

Der Confed Cup mit seinen fünf Spielen, vier Siegen und einem Unentschieden, bestätigte viele Vermutungen. Etwa die, dass Joshua Kimmich schon jetzt eine feste Größe in der Mannschaft ist, an der sich andere ausrichten. Ter Stegen ist der erste Ersatz für Manuel Neuer, auch das hatte sich abgezeichnet. Leon Goretzka hat das Talent, die Dynamik, die Auffassungsgabe, um für die WM 2018 ein Kandidat für die Startelf zu sein.

Das Turnier brachte aber auch einige neue Erkenntnisse. So hat die deutsche Mannschaft in Timo Werner einen Stürmer, der auf der klassischen Position des "Neuners" spielen kann, obwohl er gar kein klassischer "Neuner" ist. Die Versuche mit Marco Reus, Mario Götze und sogar Mesut Özil in der vordersten Position können beendet werden.

Es passte mit Werner so gut, weil er statt Flanken Unterstützung aus der Nähe bekam, von den beiden Offensiven hinter ihm, den beiden eingerückten Julian Draxler und Lars Stindl, und auch dem nach vorne orientierten "Sechser" Goretzka.

Dreierkette während des Turniers etabliert

Das Finale gegen Chile ging Löw wieder in einem 3-4-2-1-System an, das sich beim Turnier bewährte. Vor allem weil - meistens - Stindl sich darin flexibel bewegte, sodass sich oft auch ein 3-4-1-2 ergab. Die Grundformation und die vorsichtige Taktik brachten erneut eine deutsche Elf hervor, die von ihrem ansonsten gewohnten Streben nach dominantem Spiel abwich.

Chile setzte um, was Trainer Juan Antonio Pizzi angekündigt hatte. Der Südamerikameister griff früh und aggressiv an, postierte bei geordnetem Aufbau bis zu fünf Spieler auf der Höhe der deutschen Fünferkette. Im Raum fand sich oft noch zumindest ein Spieler, der den Pass aus Verteidigung oder Mittelfeld an die noch Offensiveren weitergeben sollte.

Tor nach erfolgreichem Muster

Das war mutig und stellte die Auswahl des DFB wie schon im Gruppenspiel vor enorme Probleme. Deutschland blieb aber geduldig und behielt den Plan bei, Chiles Spielaufbau in die Mitte zu lenken, dort in Überzahl den Ball zu gewinnen und zu kontern. Auch wenn Marcelo Diaz den Ballverlust gegen Werner vor dem entscheidenden Treffer von Stindl leicht hätte vermeiden können, zeigte sich beim Tor dieses erfolgreiche Muster.

Chile kam zwar im Verlauf des Spiels auf 21:8 Torschüsse und 61:39 Prozent Ballbesitz, aber Joachim Löw lag richtig mit seiner These, dass Deutschland nach der Führung die hochwertigeren Chancen nach Kontern hatte und so ein zweites Tor hätte nachlegen können.

Deutschland ist immer noch die beste Mannschaft der Welt

Auf die Spielweise des Gegners zu reagieren, wird häufig noch als ein Zeichen der Schwäche gewertet. Der deutschen Mannschaft brachte es aber sogar einen Titel, denn wie schon im Gruppenspiel verzweifelten die Chilenen, die stur an ihrem Plan festhielten, zusehends daran, gegen den engen Verbund der DFB-Auswahl anzurennen.

Im bierdurchnässten Hemd stellte der Bundestrainer mit einem Genuss fest, als habe er einen vorzüglichen Rotwein vor sich: "Arturo Vidal hatte ja gesagt, dass Chile mit einem Sieg die beste Mannschaft der Welt sei. Deutschland ist immer noch die beste Mannschaft der Welt."

Stand: 03.07.2017, 05:30

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