Es stimmt im deutschen Fußball - auch ohne Titel

Kommentar nach dem Gewinn des Confed Cups

Es stimmt im deutschen Fußball - auch ohne Titel

Von Marcus Bark (St. Petersburg)

Deutschland ist Europameister bei der U21 und gewinnt den Confed Cup mit einer Mannschaft, die kaum älter ist. Das zeigt, wie gut die Ausbildung bei den Vereinen und im DFB ist. Es weckt aber möglicherweise auch überzogene Erwartungen. Ein Kommentar.

Joachim Löw liest, was so geschrieben wird, und er hört, was so gesagt wird. Über ihn, über seine Nationalmannschaft und über den deutschen Fußball. Er wusste daher genau, was kommen würde. Wenn Deutschland mit einer jungen Mannschaft ohne die geschonten Stars den Confed Cup gewinnt und die U21 Europameister wird, dann muss sich daraus zwangsläufig die Favoritenrolle für die Weltmeisterschaft 2018 ergeben.

Mit dieser Rolle freundet sich der Bundestrainer an. Sie ist natürlich, seitdem 2006, spätestens 2008, klar wurde, dass der deutsche Fußball aus den Versäumnissen der 1990er Jahre gelernt und die Ausbildung zum Berufsfußballer erfolgreich reformiert und vorangetrieben hatte.

Sechs, sieben Favoriten bei der WM 2018

Schon am Tag vor dem Finale in St. Petersburg steuerte Löw der Euphorie entgegen, die abzusehen war. Die jungen Spieler seien erst am Anfang. Jetzt beginne die Arbeit. Sie müssten von Talenten zu Weltklassespielern werden. Er nahm sogar die Namen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo in den Mund. Er übertrieb bewusst, genau wie mit dem Satz: "Wer Weltmeister werden will, muss fast Übermenschliches leisten."

Diese These überhöht Fußballer auf eine Weise, die nicht angebracht ist, da der populärste Sport sich auch in Deutschland immer weiter von seiner Basis entfernt. Aber Löw wollte mit der Behauptung vermutlich auf etwas ganz Anderes hinaus. Weltmeister im kommenden Jahr wird eine Mannschaft, die auf einem ähnlich hohen Niveau wie fünf, sechs, sieben andere Mannschaften ist. An einem schlechten Tag kann eine solche Mannschaft unter dem Druck der Favoritenrolle auch an einem Außenseiter scheitern. Vor drei Jahren wäre das fast gegen Algerien passiert.

Es ist eng an der Spitze

Ein Aus im Achtelfinale hätte den deutschen Fußball erschüttert. Das Campo Bahia wäre Manager Oliver Bierhoff um die Ohren geflogen, die ganze Arbeit in Frage gestellt worden. Dabei ist diese Arbeit nicht an 90 oder 120 Minuten Spielzeit zu messen. Der Deutsche Fußball-Bund leistet in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball Liga - rein auf die sportliche Entwicklung im Profibereich bezogen - glänzende Aus- und Fortbildungsarbeit. "Die Basis stimmt", sagte Löw nach dem Finalsieg in St. Petersburg zurecht.

Ein Aus im Viertelfinale gegen Frankreich oder Italien bei der WM 2018 kann jederzeit passieren - das wäre aber kein Zeichen eines generellen Problems. Es ist sehr eng an der Spitze. Das zeigen schon die Ergebnisse aus den Endspielen, mit denen Deutschland die WM, die EM bei der U21 und den Confed Cup gewann: 1:0, 1:0, 1:0.

Stand: 03.07.2017, 09:30

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