Goretzka der Beste in einem starken Dreieck beim DFB

Confed Cup: Nach dem 3:2-Sieg gegen Australien

Goretzka der Beste in einem starken Dreieck beim DFB

Von Marcus Bark (Sotschi)

Deutschland zeigt beim Auftaktsieg im Confed Cup einige Schwächen, aber auch seine gute - rechte - Seite. Joshua Kimmich, Julian Brandt und vor allem Leon Goretzka überzeugen im Dreieck.

In der Defensive haperte es wieder mal. "Die Stabilität müssen wir uns erarbeiten. Das kann noch einige Trainingseinheiten dauerrn, vielleicht auch noch einige Spiele", sagte Julian Draxler. Der Kapitän war zum "Man of the match" ernannt worden, daher saß er kurz vor dem Bundestrainer auf dem Podium im Pressekonferenzraum.

Wäre Joshua Kimmich in der Kommission der FIFA gewesen, wäre die Wahl auf einen anderen Kollegen gefallen. "Für mich war Leon Goretzka heute der beste Spieler auf dem Platz. Was der für Wege in die Tiefe gegangen ist, wie viele Bälle der erobert hat", schwärmte der Münchner vom Schalker, auch einige Pässe seien klasse gewesen.

Es folgte die Aufzählung: "Das erste Tor leitet er ein, beim zweiten holt er den Elfmeter heraus, das dritte macht er selbst." Das Fazit, das Kimmich nach dem 3:2 gegen Australien in Sotschi über Goretzka zog, war bedenkenlos zu unterschreiben: "Für mich hat er ein Superspiel gemacht."

"Leon war heute sehr stark"

Joachim Löw stimmte in den Chor ein: "Leon war heute sehr stark." Der Bundestrainer hatte vor dem Confed Cup mehrmals gesagt, dass ihm wichtiger als Ergebnisse sei, "zwei, drei Spieler" in Russland zu sehen, die auch im Sommer 2018 bei der Weltmeisterschaft helfen.

Leon Goretzka galt schon vorher als aussichtsreicher Kandidat. Am Montag (19.06.17) spielte sich Julian Brandt in den Vordergrund. Der Leverkusener spielte auf der rechten Seite, immer nahe der Außenlinie. Da Kimmich das rechte Glied einer Dreierkette und Goretzka der rechte von zwei "Achtern" im offensiven Mittelfeld war, bildete das Trio oft das Dreieck, das Trainer am liebsten als geometrische Figur auf dem Feld sehen, falls die Winkel stimmen, in denen die Anspielstationen zum Passgeber stehen.

Erstes Länderspieltor

Bis zum 2:3 in der 56. Minute nach krassem Fehler von Torhüter Bernd Leno, das einen Bruch im deutschen Spiel bedeutete, passte es gerade auf der rechten Seite bestens. Mit einem sehr feinen Pass bediente Kimmich Goretzka, der mit einem konsequenten Abschluss sein erstes Tor für die Nationalmannschaft schoss. "Da dachten wohl auch die Australier, dass es dann eben heute so ist", sagte Goretzka über ein Gefühl, das sich in der 48. Minute bei allen Beobachtern breit machte.

"Wir hätten es danach konzentrierter und strukturierter zuende spielen müssen. Das ist uns nicht gelungen", sprach Goretzka die deutlich schwächere zweite Halbzeit an, die Kapitän Draxler auch auf die mangelnde Erfahrung des Kaders zurückführte.

An acht von 18 Torschüssen beteiligt

Es gibt noch einiges zu lernen - für Julian Brandt etwa, "dass er die Wege nach hinten mitmachen muss". Diesen Auftrag, den Löw dem Leverkusener mitgegeben hatte, erfüllte er zufriedenstellend. Allerdings schwanden auch früh die Kräfte, und als der Bundestrainer sah, dass seine Mannschaft in der Defensive noch ein bisschen mehr die Stabilität verlor, nahm er ihn nach 63 Minuten vom Platz.

"Es hat nicht alles geklappt, aber das ist normal, gerade in einem Auftaktspiel", sagte Brandt. Zum sechsten Mal im sechsten Turnier unter der Verantwortung von Bundestrainer Löw gewann die deutsche Mannschaft das erste Spiel. Es war trotz der vielen Wackler ein verdienter Sieg, was neben den Eindrücken auch die Zahlen belegen. Mit 18 Torschüssen verzeichnete die Auswahl des DFB doppelt so viele Torschüsse wie Australien, an acht davon war Goretzka beteiligt: vier gab er selbst ab, vier bereitete er vor.

Etwas verlegen

Der Schalker spielte etwas verlegen an einer Wasserflasche herum, als er mehrmals um die Bewertung seiner Leistung gebeten wurde. Schnell kam er dann immer wieder darauf zu sprechen, dass der Mannschaftserfolg im Vordergrund stehe. Immerhin packte er sein Urteil in eine Antwort nach der Perspektive. Die Frage war, ob die Leistung die Eintrittskarte für viele weitere Einladungen zur Nationalmannschaft gewesen sei: "Dafür reicht nicht ein gutes Spiel."

Stand: 20.06.2017, 06:00

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