Confed Cup - Löw rückt erfolgreich von seinem Stil ab

Confed Cup: Nach dem 1:1 gegen Chile

Confed Cup - Löw rückt erfolgreich von seinem Stil ab

Von Marcus Bark (Kasan)

Beim Unentschieden gegen Chile zeigt sich, dass auch bei dem als Testlauf angesehenen Confed Cup das Ergebnis grell in den Vordergrund rücken kann. Die deutsche Nationalmannschaft rückte von ihrem Stil ab und gewann einen wertvollen Punkt.

Bundestrainer Joachim Löw genießt den Spaziergang an der Promenade entlang. Er würde ganz gerne noch eine knappe Woche lang das Schwarze Meer auf der einen und den Kaukasus auf der anderen Seite sehen.

In Sotschi ist das möglich. Am frühen Freitag erreichte die deutsche Mannschaft die Olympiastadt von 2014 wieder, nachdem sie am Abend zuvor 1:1 gegen Chile gespielt hatte. "Es wäre schon erstrebenswert, die Gruppe zu gewinnen", sagte Löw anschließend. Dann würde seine Mannschaft am Donnerstag (29.06.2017) in Sotschi zum Halbfinale antreten.

Klarer Erfolg für den Gruppensieg

Ein möglichst klarer Sieg gegen Kamerun muss her, falls Chile zeitgleich am Sonntag (17 Uhr) gegen Australien gewinnen sollte. Vielleicht reicht nicht mal der, vielleicht scheidet die Auswahl des DFB sogar mit einer Niederlage aus.

Schon ein Punkt würde Deutschland sicher ins Halbfinale bringen, als Gruppenzweiter würde aber erneut eine Reise ins gut 2.000 Kilometer entfernte Kasan anstehen. Eine Niederlage gegen Chile hätte die Chance auf den Gruppensieg verbaut.

Chile mit viel Wucht

Zu Beginn sah es danach aus, als würde Deutschland der Wucht des Gegners Tribut zollen müssen. Der Bundestrainer hatte seine Mannschaft ganz anders als beim Auftaktsieg gegen Australien auf den Platz geschickt. Die Fünferkette zog sich bei Ballbesitz weit zurück, davor bildeten vier Spieler eine weitere Kette.

Dieses sehr vorsichtige Konstrukt, das vom Stil Löws der vergangenen Jahre deutlich abwich, hatte zunächst einige Mühe. Kritisch wurde es, wenn eine nur aus den Innenverteidigern Matthias Ginter (von rechts), Shkodran Mustafi und Niklas Süle bestehende Dreierkette das Spiel aufbauen sollte. Die Chilenen stellten das Trio zu, Arturo Vidal riegelte die Passwege ins Zentrum ab, auf den Außen waren Joshua Kimmich und Jonas Hector zu weit vorgerückt, um eine Option für ein flaches Anspiel zu sein.

Der Fehlpass von Mustafi vor dem frühen 0:1 war zwar mehr einer Konzentrationsschwäche als dem Pressing des Gegners geschuldet, aber dieses aggressive und intensive Anlaufen setzte der deutschen Mannschaft doch sehr zu.

Löw schwärmt vom Ausgleich

Etwa eine halbe Stunde dauerte es, bis ein offeneres Spiel entstand. Beim Ausgleich kurz vor der Pause wurde dann zum ersten Mal der Plan Löws umgesetzt. "Wir haben unser Tor wunderschön herausgespielt, das war ein Paradebeispiel für einen Konter aus einer bedrängten Situation heraus. Das war klasse“, schwärmte Löw vor allem über Emre Can. Der spielte den schönen Steilpass auf Hector, dessen präzise Hereingabe Lars Stindl nach engergischem Sprint zu seinem zweiten Tor des Turniers über die Linie drückte.

Der Bundestrainer war stolz auf seine Mannschaft, dass sie in der zweiten Halbzeit deutlich mehr Kontrolle über das Spiel hatte. "Es war taktisch höchst anspruchsvoll. Wir haben das klasse gemacht, mit höchster Disziplin", so Löw. Den letzten der zehn Torschüsse gaben die Chilenen in der 63. Minute ab.

Bevor Löw nun am Sonntag (25.06.2017) gegen Kamerun in seinem 150. Spiel als Bundestrainer den 100. Sieg anstrebt, sorgte er im 149. für eine Premiere. Er verzichtete auf eine Auswechslung, obwohl das Tempo eines Timo Werner das Spiel vielleicht bereichert hätte in einer Schlussphase, in der sich auch die Chilenen mit dem einen Punkt anfreundeten.

Keine Wechsel - Löw hat seine Gründe

"Ich hatte nicht das Gefühl, dass jemand stark abgebaut hat. Die Organisation hat soweit gestimmt, in der zweiten Halbzeit hatte Chile keine Chance. Ich hatte sogar das Gefühl, dass wir noch etwas mehr zuzusetzen hatten“, begründete Löw seine Weigerung, einen frischen Spieler zu bringen.

Für ihn stand am Ende doch das Ergebnis über dem Lerneffekt und dem Versprechen, möglichst allen Spielern gleich lange Einsatzzeiten zu bieten. Von den nur 18 Feldspielern des Kaders bleiben Kerem Demirbay, Benjamin Henrichs, Marvin Plattenhardt und Amin Younes ohne Minute auf dem Feld.

Der Bundestrainer wird sich beim Spaziergang am Schwarzen Meer darüber Gedanken machen, ob sich das gegen Kamerun ändert.

Stand: 23.06.2017, 10:33

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