Chiles Eduardo Vargas - das große Fragezeichen

Confed Cup

Chiles Eduardo Vargas - das große Fragezeichen

Von Robin Tillenburg

Für die chilenische Nationalmannschaft ist Eduardo Vargas nicht erst seit dem Confed Cup ein ganz wichtiger Baustein. Bei seinen Vereinen sieht das meist anders aus. Aber warum?

Für den Gegner der DFB-Elf im Endspiel des Turniers in Russland hat der Stürmer in 75 Einsätzen herausragende 34 Tore erzielt und ist damit der drittbeste Torschütze von "La Roja" - aller Zeiten. Nur Ikone Marcelo Salas (37) und sein aktueller Teamkollege Alexis Sanchez (38) weisen mehr Treffer auf als der 27-Jährige. Dabei bringt es Sanchez auf 110 Länderspiele - Vargas' Quote ist also noch besser.

Nur in Chile lief es wirklich

Bundesligakenner und vor allem Fans der TSG 1899 Hoffenheim werden sich angesichts dieser Zahlen und der Leistungen von Vargas beim aktuellen Turnier die Augen reiben. In seinen 30 Einsätzen für die TSG waren es ganze zwei Treffer, die ihr Sechs-Millionen-Neueinkauf vom SSC Neapel in eineinhalb Spielzeiten vom Sommer 2015 bis Januar 2017 erzielte.

Nun könnte man meinen: Hoffenheim und der temepramentvolle, schnelle Angreifer, der so gerne Ferrari fährt - das passte einfach nicht. Tat es auch nicht. Doch tatsächlich sind die 30 Pflichtspiele, die Vargas für die Kraichgauer absolvierte, der zweithöchste Wert seiner gesamten Klubkarriere. 76 waren es noch für den Club Universidad de Chile, wo ihm stolze 30 Treffer und 17 Vorlagen gelangen. Es folgte der Wechsel nach Neapel, danach Leihen nach Brasilien, Spanien und England, ehe die TSG ihn verpflichtete und im Winter 2017 immerhin erneut für sechs Millionen Euro an Tigres UANL nach Mexiko abgab.

Nirgendwo wurde der Torschützenkönig der Copa America 2015 und 2016 so glücklich wie in der Heimat und eben vor allem bei der Nationalmannschaft. "Eduardo ist ein Spieler, der viel Vertrauen und Zuneigung braucht. Er merkt, wenn man schlecht über ihn redet", meinte Landsmann Arturo Vidal zuletzt.

Abstiegskampf mit den Klubs

Wer die Auftritte des nur 1,74 m großen, aber physisch starken Angreifers beim Confed Cup anschaut, kann tatsächlich nur staunen: Schnell, dribbelstark, mannschaftsdienlich, robust und mit einem tollen Schuss ausgestattet - wäre sein Lattentreffer im Gruppenspiel gegen Deutschland im Tor gelandet, er hätte das Zeug zum Treffer des Turniers gehabt.

Und dann steht da seine Klub-Bilanz von 235 Spielen und 54 Treffern. Es gibt sicherlich noch schlechtere Quoten, doch seine bereits acht Profistationen zeigen, dass weder Vargas selbst noch die Verantwortlichen seiner Vereine so richtig glücklich mit der Zusammenarbeit waren.

Sicherlich war auch Pech dabei: Sowohl in Hoffenheim als auch bei den Queens Park Rangers stand etwas überraschend Abstiegskampf auf dem Programm - da kann es auch nicht so gut laufen wie in einer Nationalmannschaft, die in den letzten Jahren eine echte Blütezeit erlebt hat und wohl noch nie so gut war wie aktuell. Doch trotzdem steht die Frage im Raum, warum Vargas seine unbestritten großen Möglichkeiten auf Vereinsebene so selten nutzt.

Nicht so sehr im Fokus

Es ist wohl tatsächlich so wie Vidal sagt: Vargas muss "gestreichelt" werden, darf nicht groß in der Kritik stehen und braucht die Nähe zur Heimat, wo er sich durch den Fußball aus der Armut hochgearbeitet hat. Zwar gibt es auch in Chile TV-Experten und ehemalige Spieler, die seine Rolle als Stammspieler in der Landesauswahl in Frage stellen, weil er im Vereinsfußball keine Erfolge feiert, doch der Fokus der Öffentlichkeit liegt eher auf Vidal, Sanchez oder Torhüter Claudio Bravo.

Damit sich das ändert, müsste Vargas nun in Mexiko nach schleppendem Start bei den Tigres doch noch den Durchbruch schaffen - oder die Chilenen am Sonntagabend eben zum Sieg beim Confed Cup oder zumindest danach zur WM schießen. Die letzten beiden Möglichkeiten scheinen wahrscheinlicher.

Stand: 01.07.2017, 08:30

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