Kamerun - Der Champion ohne große Namen

Deutschlands Gegner beim Confed Cup

Kamerun - Der Champion ohne große Namen

Von Marcus Bark (Sotschi)

Die bekannten Namen fehlen im Kader Kameruns für den Confed Cup. Aber das war auch schon beim Afrika Cup so, den die Mannschaft des belgischen Trainers Hugo Broos überraschend gewann.

Die offiziellen Regularien der FIFA empfehlen für den Confed Cup eine Spielfläche von 7.140 Quadratmetern. Als sich die Nationalmannschaft Kameruns vor dem Abschlusstraining locker die Bälle zupasste, nutzte sie knapp 50 Quadratmeter auf dem schmalen Streifen vor den Ersatzbänken. Erst nach dem kurzen Pfiff von Hugo Broos betraten die Spieler das eingekreidete Feld.

Der 65 Jahre alte Belgier ist der Nationaltrainer der Lions indomptables, der Unbezähmbaren Löwen, die am Sonntag (25.06.17) im abschließenden Gruppenspiel des Confed Cups auf Deutschland treffen und einen Sieg benötigen, um ins Halbfinale zu kommen.

Unbefangener Trainer gesucht

Nachdem der kamerunische Verband im Oktober 2015 Volker Finke entlassen hatte, suchte er über eine Stellenanzeige auf der eigenen Homepage einen Nationalttrainer. Mit fünf Bewerbern wurden dann Gespräche geführt. Broos war keiner der Kandidaten, erhielt aber trotzdem den Job. Dabei kam ihm zugute, dass er über keinerlei Erfahrung in Afrika verfügte, wie Broos im Interview mit der Sportschau sagte. Unbefangen sollte er sein.

Die heimischen Medien waren äußerst skeptisch. Broos - dieser Name war ihnen unbekannt, auch wenn er mit den Topklubs in Belgien Meistertitel gewonnen und als Spieler an der Weltmeisterschaft 1986 teilgenommen hatte.

Disziplinfan reift zum Helden

Der Start für Broos war schwierig, auch weil ihm immer mehr der bekannten Spieler absagten. Andere Kandidaten siebte er selbst aus, weil die vermeintlichen Stars die Disziplin vermissen ließen.

Disziplin - dafür steht Broos in erster Linie, wie auch die Szene vor dem Abschlusstraining zeigte. Robuste Spieler, die taktisch gut geordnet, läuferisch stark und willensstark den Gegner ermüden und nerven, danach sucht der Belgier aus. Seitdem er überraschend im Februar 2017 überraschend den Afrika Cup gewann, ist er vom skeptisch beäugten Europäer ohne Bezug zu Kamerun zum Helden geworden.

Hoffnungen ruhen auf Aboubakar

MIt nahezu dem identischen Kader, mit dem er in Gabun den kontinentalen Titel holte, reiste Broos zum Confed Cup nach Russland. Dem 0:2 gegen Chile folgte ein enttäuschendes 1:1 gegen Australien. Kamerun muss gegen den Weltmeister mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen, um ins Halbfinale einzuziehen.

Die Hoffnungen ruhen auf Vincent Aboubakar, der bei Besiktas in Istanbul spielt und mit einem späten Treffer im Finale gegen Ägypten für den Triumph beim Afrika Cup sorgte. Broos hält zudem viel von Christian Bassogog. Der 21 Jahre wechselte nach dem Turnier in Gabun vom dänischen Klub Aalborg BK in die chinesische Superliga zu Henan Jianye. Broos hatte ihm dazu geraten, auf Geld zu verzichten und in Europa die sportliche Karriere voranzutreiben. So weit reichte sein Einfluss dann aber doch nicht.

Stand: 25.06.2017, 13:00

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