CHIO - der Kampf ums Prestige

Springreiterin Laura Klaphake beim CHIO

Offizielle Eröffnung beim CHIO

CHIO - der Kampf ums Prestige

Bei der Eröffnungsfeier wird sich der CHIO in Aachen einmal mehr als größtes Reitturnier der Welt feiern. Doch auch der Klassiker in der Aachener Soers bekommt die globalen Veränderungen im Reitsport zu spüren.

Die besten Reiter, die meisten Pferde, das größte Prestige - die Eröffnungsfeier am Dienstag (16.07.2019) soll auch ein Signal an die Welt des Pferdesports sein, dass der CHIO das Maß aller Dinge im Turnierkalender ist. Mit seiner Größe, seiner Tradition, seinen verschiedenen Disziplinen und seinen enormen Zuschauerzahlen.

Sportdirektor Frank Kemperman sieht es ganz pragmatisch. "Dass die Reiter gerne kommen, hat auch mit dem Preisgeld zu tun", sagte Kemperman vor der offiziellen Eröffnungsfeier in Aachen. 1,879 Millionen Euro gibt es allein in den Spring-Wettbewerben zu verdienen.

CHIO beim Preisgeld nicht mehr Nummer eins

Allerdings ist das berühmteste Reitturnier der Erde, über viele Jahrzehnte auch das höchstdotierte, ausgerechnet beim Preisgeld nicht mehr die Nummer eins der Welt. Im vergangenen Jahr wurden beim letzten Turnier der Global Champions Tour in Prag 11,4 Millionen Euro ausgeschüttet - fast sechsmal soviel wie in Aachen.

"Das ist ein ganz anders Konzept", sagte Kemperman. "Da zahlt man erst Millionen in den Pott ein und bekommt das Geld später wieder zurück." Tatsächlich müssen die Teams der Millionen-Serie eine siebenstellige Gebühr zahlen, um teilnehmen zu dürfen. Kemperman betonte: "Wir wollen nur die Besten in Aachen, nicht die Reiter mit dem meisten Geld. Bei uns kann man sich keinen Startplatz kaufen. Aachen zu gewinnen ist sehr wertvoll - und dann kommt noch das Geld dazu."

Ehning fordert mehr Preisgeld

Dass Aachen beim Preisgeld überholt worden ist, wird von den Reitern begrüßt. "Eigentlich kann es doch nicht besser sein", sagte Marcus Ehning mit einem Augenzwinkern. Der Sieger des Großen Preises von Aachen 2018 betonte aber: "Mit dem ganzen Ambiente und den Zuschauern bleibt Aachen einmalig."

40.000 Zuschauer beim Reiten, das gibt es nur in Aachen. Eine Million Euro gibt es in diesem Jahr wieder im Großen Preis zu gewinnen. Gleichwohl wünscht sich Ehning eine höhere Dotierung in anderen Prüfungen wie dem Preis von Europa und dem Preis von Nordrhein-Westfalen, bei denen jeweils 100.000 ausgeschüttet werden. "Die sind so schwer wie woanders die Großen Preise", sagte Ehning: "Die Dotierung ist nicht entsprechend." Der 44-Jährige aus Borken war im Vorjahr der große Gewinner des CHIO, siegte mit der deutschen Nationalmannschaft auch im Nationenpreis.

Kein deutsches Turnier im Nations Cup

Bei diesem Wettbewerb mit acht Teams zeigen sich ebenfalls die Veränderungen in der Welt des Pferdesports. Seit 2014 gehört ausgerechnet der Turnierklassiker nicht mehr zur traditionsreichen Serie des Nations Cups. Hintergrund ist der Streit zweier Uhren-Hersteller: der eine ist Sponsor in Aachen, der andere finanziert den Nations Cup. "Es ist schon schade, dass ein Pferdeland wie Deutschland kein Turnier in der Serie hat", sagte Bundestrainer Otto Becker. "Ich bedauere das sehr."

CHIO - der Nationenpreis der Voltigierer Sportschau 14.07.2019 01:33:29 Std. Verfügbar bis 14.07.2020 Das Erste

Für den ersten Turnier-Höhepunkt am Donnerstagabend unter Flutlicht sei das jedoch nicht entscheidend: "Da ist immer volles Haus, das ist ein absolutes Highlight." Kemperman sieht in der Unabhängigkeit vom Nations Cup sogar einen Vorteil. "Wir können die besten Teams einladen, auch wenn sie nicht am Nations Cup teilnehmen", erklärte der CHIO-Sportdirektor. "Die Amerikaner kommen extra mit einem eigenen Flug, sie bringen die besten Pferde mit." Doch Kemperman weiß: "Es gibt auch Reiter, die reiten nur noch die Global Champions Tour."

dpa | Stand: 15.07.2019, 15:00

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