Deußer und Ahlmann: Spannendes Comeback beim CHIO

Daniel Deußer (l.) und Christian Ahlmann beim Weltcup-Finale in Göteborg im April 2019

Springreiten beim CHIO in Aachen

Deußer und Ahlmann: Spannendes Comeback beim CHIO

Von Volker Schulte (Aachen)

Gut zwei Jahre lang hat die deutsche Springreit-Equipe auf zwei ihrer Leistungsträger verzichten müssen. Doch jetzt sind Daniel Deußer und Christian Ahlmann zurück, geben am Donnerstag (18.07.19, Livestream ab 19.10 Uhr, WDR Fernsehen live ab 20.15 Uhr) beim CHIO-Nationenpreis erstmals wieder gemeinsam an den Start - sehr zur Freude von Bundestrainer Otto Becker.

Er hatte lange darum gekämpft, die "verlorenen Söhne", wie er Ahlmann und Deußer nannte, in sein Team zurückzuholen. "Ich halte denen die Tür auf bis zum Schluss."

Beim CHIO ist das Team Deutschland zuletzt auch in dezimierter Besetzung gut klargekommen, hat dreimal in Folge gewonnen. 2016 war Ahlmann noch dabei, 2017 und 2018 verzichteten er und Deußer jedoch auf einen Start, weil sie die geforderte Athletenvereinbarung nicht unterschreiben wollten.

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Im vergangenen Jahr sorgte ein junges, unerfahrenes Team mit Simone Blum (30 Jahre), Laura Klaphake (25) und Maurice Tebbel (25) für einen Überraschungserfolg beim CHIO, sammelte viele Sympathiepunkte beim Publikum.

Klaphake derzeit keine Kandidatin

Trotzdem sieht ARD-Kommentator Carsten Sostmeier angesichts der Rückkehr kein Konfliktpotenzial. "Man muss ja froh sein, wenn die Arrivierten wieder gut genug sind, um auf dem Spielfeld dabei zu sein." Denn Klaphake ist derzeit keine Kandidatin für den Nationenpreis, sie muss sich nach dem Verkauf ihres Erfolgspferds "Catch me if you can" erst wieder zurückkämpfen.

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Und ein Blick auf die Weltrangliste verdeutlicht die Kräfteverhältnisse: Dort ist Deußer als Vierter bester Deutscher vor Routinier Marcus Ehning (10.) und Ahlmann (12.). Erst jenseits von Platz 30 folgen Philipp Weishaupt, die länger verletzte Weltmeisterin Blum und Ludger Beerbaum, der aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist. Die nächsten Deutschen kommen erst ab Platz 75, den Christian Kukuk innehat. Tebbel folgt erst auf Platz 127, er wird beim CHIO-Nationenpreis die Rolle des Ersatzreiters einnehmen. Deußer, Ahlmann, Blum und Ehning bilden das deutsche Team.

Becker kann also wieder auf zwei seiner Besten zurückgreifen: beim CHIO und vor allem wohl auch bei Olympia 2020 in Tokio. Dort können Ahlmann und Deußer ihre Erfahrung einbringen: 2016 haben sie gemeinsam mit Ludger Beerbaum und Meredith Michaels-Beerbaum Bronze geholt. Für Ahlmann war es nach 2004 bereits die zweite olympische Bronzemedaille.

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Olympia 2020 als Anreiz

Die Aussicht auf einen weiteren Olympiastart war sicher auch ein Anreiz für die Rückkehr. "Olympia ist das 'must have', davon träumen sie", sagt Sostmeier. Also haben Ahlmann und Deußer den Streit mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) beigelegt, zumindest vorerst. Die beiden Reiter hatten sich seit 2017 geweigert, die Athletenvereinbarung zu unterschreiben - die FN setzt dies für einen Platz in der Nationalmannschaft voraus. Ahlmann und Deußer kritisierten unter anderem, dass Reiter im Falle eines Dopingvorwurfs keine Möglichkeit haben, vor ein ordentliches Gericht zu ziehen.

Dieser Punkt bleibt bestehen, aber an anderen Stellen ist das zur FN gehörige Deutsche Olympia-Komitee für Reiterei (DOKR) den Reitern offenbar entgegengekommen. Für 2019 werden Strafen ausgesetzt, "wenn Behandlungen der Pferde nicht korrekt in den Behandlungsbüchern notiert sind", sagte FN-Geschäftsführer Dennis Peiler. Bisher mussten Reiter bei Ungereimtheiten im Behandlungsbuch eine Geldstrafe zahlen, im Wiederholungsfall bis zu 500 Euro.

Langjährige Streitigkeiten mit der FN

Der Haussegen zwischen Ahlmann und Deußer sowie der FN hängt schon seit Jahren schief. Der Verband war Ende der Nuller-Jahre hart gegen die beiden vorgegangen, als ihnen verbotene Medikation vorgeworfen wurde. FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau meinte später zwar, dies sei der schwerste Fehler seiner Amtszeit gewesen. Doch bei Ahlmann und Deußer wirkte das Geschehen noch lange nach.

"Hoffentlich ist das Thema jetzt erledigt", sagt Sostmeier. "Ich glaube, dass sich beide aufeinander zubewegt haben. Wir müssen da jetzt den Ball einfach auch ruhen lassen. Die sollen jetzt mal reiten, das sind tolle Sportler." Zumindest Deußer hat seine Qualitäten schon wieder eingebracht, bei seinen zwei Nationenpreis-Einsätzen seit der Unterschrift unter der Athletenvereinbarung blieb er ohne Abwurf. Ahlmann hat sich noch etwas länger Bedenkzeit genommen, er reitet beim CHIO erstmals wieder für Deutschland.

Olymp der Reiter: Rund um den CHIO Heimatflimmern 12.07.2019 44:00 Min. UT AD Verfügbar bis 12.07.2020 WDR Von Ulrike Brincker

Stand: 17.07.2019, 14:50

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