Infektionsschutzgesetz - Entsetzen im deutschen Sport

Hörmanns Appell an die Politik: "Geben Sie dem Sport eine Chance" Sportschau 16.04.2021 01:06 Min. Verfügbar bis 16.04.2022 Das Erste

Neue Corona-Auflagen sorgen für Ärger

Infektionsschutzgesetz - Entsetzen im deutschen Sport

Von Olaf Jansen

Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz, das so schnell wie möglich in Kraft treten soll, könnte es wieder leer werden auf deutschen Sportanlagen. Die Sportverbände sind entsetzt.

Steigt die Inzidenz über 100, ist es erst einmal wieder vorbei mit dem gemeinsamen Sport. Es ist dann nur noch kontaktloser Individualsport erlaubt: Allein, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts. So sieht es das neue Infektionsschutzgesetz des Bundes vor, das so schnell wie möglich in Kraft treten soll.

Nachdem in einigen Bundesländern in den vergangenen Wochen - gerade für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren - von Sportvereinen wieder gemeinsame funktionierende Sportaktivitäten organisiert werden konnten, droht jetzt also der Rückschritt: Teamtraining und Gruppensport sollen wieder rigoros eingeschränkt werden.

"Dramatischer Bewegungsmangel wird verschärft"

Als erstes reagierte der Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB) öffentlich und kritisierte: "Wir verkennen nicht den Ernst der Lage. Aber es ist einfach völlig unverständlich, warum Kinder bis 14 Jahre einerseits von den allgemeinen Kontaktbeschränkungen ausgenommen werden und es ihnen gleichzeitig verboten wird, dass sie zusammen und unter Anleitung Sport treiben", erklärte LSB-Präsident Stefan Klett.

DOSB: "Kinder müssen aus Bewegungslosigkeit befreit werden"

Daraufhin reagierte auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und fordert in einem Brief an die Vorsitzenden der Regierungsfraktionen, bei den Beratungen des Infektionsschutzgesetzes Sport im Freien für Kinder und Jugendliche weiter zuzulassen.

"Die Gesellschaft insgesamt und insbesondere die Kinder und Jugendlichen müssen endlich aus der inzwischen über ein Jahr anhaltenden Bewegungslosigkeit befreit werden. Mit Hilfe der bestehenden und bewährten Konzepte des Sports sowie der vielen Engagierten vor Ort können und müssen wir nun zeitnah sicher und verantwortungsvoll wieder starten", forderte DOSB-Präsident Alfons Hörmann in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition.

Eine Ansteckungsgefahr existiere so gut wie nicht, Kinder würden immer dicker. Grundsätzlich überständen Menschen, die regelmäßig Sport treiben, Infektionen wie Covid-19 besser als Menschen mit Bewegungsmangel. Er knüpfte damit an den "Hilferuf" von DOSB-Vizepräsident Andreas Silbersack an, der am Mittwoch im Sportausschuss den drohenden Verlust einer ganzen Generation beschrieben hatte.

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert

NRW-Mann Klett kritisiert derweil das offensichtliche Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Sport - vor allem im Freien - als eher unbedenklich einstufen: "Fast täglich berichten Wissenschaftler über die dramatischen Folgen des Bewegungsmangels in der Corona-Pandemie. Dieser Zustand würde sich durch die jetzigen Formulierungen im Infektionsschutzgesetz noch verschärfen", so Klett weiter. Auch führende Aerosolforscher hatten zuletzt in einem offenen Brief verdeutlicht, dass Übertragungen im Freien äußerst selten seien und nie zu Clusterinfektionen führten, wie das in Innenräumen zu beobachten sei.

NRW als Vorbild für den Bund?

Die LSB-Führung setzt sich deshalb erneut dafür ein, Sport im öffentlichen Raum und auf offenen Sportanlagen unverändert zu erlauben. Die nordrhein-westfälische Coronaschutzverordnung ermöglicht derzeit - bei einem regionalen Inzidenzwert bis 100 - den Sport für Kinder bis einschließlich 14 Jahre in 20er-Gruppen und bei einem Inzidenzwert von über 100 zumindest in 10er-Gruppen. "Diese Regelung hat sich bewährt und nach unseren Informationen auch nicht zu Clusterinfektionen geführt", sagt Klett.

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Stand: 16.04.2021, 11:45

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