Froböse: "Erleben Bewegungsmangel-Pandemie"

Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln

Großer Fehler mit wohl großen Folgen.

Froböse: "Erleben Bewegungsmangel-Pandemie"

Der Sport- und Präventionsexperte Ingo Froböse hält das stark eingeschränkte Sporttreiben von Kindern und Jugendlichen für einen großen Fehler mit wohl großen Folgen.

"Ich finde es höchst problematisch, dass der Sport, der sonst immer mit großer gesundheitlicher Relevanz verbunden wurde, aktuell in eine Ecke gedrängt wird", sagte der Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule in einem am Freitag (16.04.2021) veröffentlichten Interview mit dem Onlineportal "dfb.de": "Die Politik sagt, es sei gefährlich, in der aktuellen Situation Sport zu treiben. Dadurch leidet der Sport unter einem Image- und Attraktivitätsverlust. Das macht mir große Sorge."

Gesundheitssystem in den kommenden Jahren komplett überlastet

Die Zahlen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die aus Nichtaktivität in den letzten Jahren immer größer geworden sei, sei schockierend. "Das ist für mich als Sport- und Präventionsexperte erschreckend. Denn hier ist eine viel größere Pandemie unterwegs als die, die wir gerade bekämpfen", sagte Froböse: "Wir erleben eine Bewegungsmangel-Pandemie mit gravierenden Folgen." Das werde das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren komplett überlasten: "Das heißt, wir verschärfen aktuell mit der vorherrschenden Pandemie akut andere chronische Erkrankungen."

Psychische Folgen für die Kinder

Sorgen bereiten ihm auch die psychischen Folgen für die Kinder durch eingeschränkten oder keinen Sport im Verein. "Meine Alarmglocken schrillen schon ganz lange", sagte Froböse: "Ich habe immer erkannt, dass Bewegung eben deutlich mehr ist und das Ansteckungsrisiko bei organisierter Bewegung, wie es im Sportverein super stattfinden kann, gegen Null tendiert."

Eine große Last aufgebürdet

Mit der Schließung der Sportstätten würde den jungen Menschen eine große Last aufgebürdet, die sie später auszubaden hätten. "Dementsprechend sollten die Alarmglocken in der ganzen Nation schrillen", betonte Froböse: "Die Politik sagt immer: Jetzt muss was passieren. Aber gehandelt wird kaum. Ich habe das Gefühl, dass die Bedürfnisse der Gesellschaft nicht akzeptiert werden."

dpa | Stand: 16.04.2021, 13:45

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