Lockerungen im Amateursport: Kinder sollen Vorrang haben

Alfons Hörmann: "Hoffen jetzt, in die Öffnungsmaßnahmen integriert zu werden" Sportschau 01.03.2021 10:15 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 Das Erste

Lockerungen im Amateursport: Kinder sollen Vorrang haben

Von Michael Buchartz

Noch liegt der Breitensport in Deutschland zu großen Teilen brach. Doch die Diskussion um eine Öffnungsperspektive läuft. Wie sollte der Corona-Lockdown beendet werden?

Millionen Amateursportler wollen möglichst bald wieder ihrem Hobby nachgehen. Vor der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch (03.03.2021) werden die Rufe nach einer Öffnungsperspektive daher lauter. Die Sportministerkonferenz (SMK) hat einen Stufenplan verabschiedet, der auch der Sportschau vorliegt. Er soll als Grundlage der Beratungen dienen.

Wie ist der Stand der Dinge?

Fast 25 Millionen Menschen in Deutschland, knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung, sind Mitglieder in rund 90.000 Sportvereinen. Aktuell gleicht Deutschlands Sportlandschaft aufgrund unterschiedlicher Regelungen einem Flickenteppich.

DOSB-Präsident Hörmann

In den meisten Bundesländern ist "Sport alleine, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand" im Freien wieder erlaubt. "Wir sind hocherfreut, dass erste kleine Öffnungen umgesetzt wurden", erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann im Sportschau-Interview.

Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Man muss aufgrund der Infektionswege von Covid-19 den Sport unterscheiden. Neben vielen verschiedenen Sportarten lässt er sich in drei große Bereiche einteilen:

Kontakt versus Nicht-Kontaktsport: Die erste große Unterscheidung betrifft den sensiblen Bereich des Kontaktes. Rund 15 Minuten enger Umgang ist laut Virologen nötig, um sich mit Covid-19 zu infizieren. Das wird bei vielen Sportarten erreicht, die Körperkontakt brauchen.

Individualsport versus Mannschaftssport: Die zweite große Unterscheidung betrifft Sportarten, die einzeln, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand ausgeführt werden können und denen, die in Mannschaften stattfinden. So ist es für einen einzelnen Golfer leichter, nicht mit Menschen in Kontakt zu kommen, als für den Fußballer, der 21 Gegner oder Kollegen um sich hat.

Outdoor versus Indoor: Da sich Coronaviren auch über sogenannte Aerosole in der Luft verbreiten, ist eine Unterscheidung der Spielorte ebenfalls notwendig. Hier liegt der Vorteil bei den Sportstätten unter freiem Himmel. In Hallen dagegen halten sich Aerosole deutlich länger und verflüchtigen sich nicht so schnell. Daher stuft das Robert Koch-Institut (RKI) Zusammentreffen im Freien beim Infektionsrisiko als gering ein, in Innenräumen als hoch.

Was fordern die Sportverbände?

"Wir brauchen einen klaren Stufenplan, wie ihn die SMK in Zusammenarbeit mit dem DOSB verabschiedet hat", sagt Hörmann. Kinder und Jugendliche sollen für die Wiederaufnahme dabei Vorrang haben. Auch die fünf größten Mannschaftssportverbände - Fußball, Basketball, Eishockey, Handball und Volleyball - sehen die Zeit für Öffnungen gekommen.

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Ein Ausweg im Seniorenbereich scheint der Zugang zu Sportstätten gegen Vorlage einer Impfung oder eines negativen (Selbst-)Tests sein. DOSB-Präsident Hörmann plädiert in den kommenden Wochen und Monaten für eine Debatte über die "Einbindung von Tests und Impfungen in die Öffnungsstrategie."

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Was sagt die Politik?

Die Minister für Sport haben für die kommenden Beratungen ein Modell in sechs Stufen für Kinder und Jugendliche entwickelt und als Grundlage an die Ministerpräsidenten sowie die Bundesregierung weitergegeben. Die Jüngsten sollen deshalb den Vorrang bekommen, weil sie Sport für ihre langfristige Entwicklung brauchen.

In dem Papier heißt es im ersten Schritt: "Rückkehr zur organisierten Sportausübung ohne Kontakt in an die Infektionslage angepassten Gruppengrößen auf ungedeckten Sportanlagen." Heißt im Klartext: Kinder und Jugendliche sollen bald wieder in Gruppen im Freien trainieren dürfen. Die Sportminister nennen dafür keine konkreten Daten oder Inzidenzzahlen.

Was kann man erwarten?

Am Flickenteppich dürfte sich wenig ändern. Denn Festlegung und Umsetzung von Sportregeln ist Ländersache - alleine das bedeutet Unterschiede. Zudem können Kommunen noch weitergehende Regeln für die stadteigenen Vereine und Anlagen festlegen.

Da sich die SMK und die Sportverbände bereits auf einen Stufenplan geeinigt haben, darf man erwarten, dass zumindest für Kinder- und Jugendtraining Lockerungen kommen.

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Stand: 02.03.2021, 10:27

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