Corona-Lockdown für den Amateursport - die Basis leidet

Mehr als Joggen geht aktuell kaum: eine Joggerin auf einer ausgewiesenen Laufstrecke

Corona-Lockdown für den Amateursport - die Basis leidet

Von Michael Buchartz

Unter den knapp 25 Millionen Aktiven der Sportvereine ist die Diskussion um ein Leben zwischen Corona-Lockdown und -Lockerungen vor allem eines: emotional.

Vereine und Amateursportler an der Basis hoffen seit Monaten auf eine Berücksichtigung des Breitensports bei den Lockerungsschritten aufgrund der Corona-Pandemie. Gebetsmühlenartig verweisen sie immer wieder auf bestehende, gut ausgearbeitete Hygienekonzepte und die überragende gesellschaftliche Bedeutung des Sports. Sie befürchten Folgen für Vereine und deren aktiven Mitglieder.

Tischtennisspieler Fuchs: "Ohne Sport gehe ich kaputt"

Beim Tischtennisclub Dormagen beispielsweise ist die Situation schwierig. Spieler Tobias Fuchs berichtet vom Alltag ohne den kleinen weißen Ball: "Es fehlt einfach etwas, was von nichts anderem aufgefangen werden kann. Ich bin auf Joggen umgestiegen, denn ganz ohne Sport gehe ich kaputt. Ich brauche eine Kompensation für den Alltag." Eine Aussage, die viele Amateursportler wohl so unterschreiben würden.

Geschäftsführer des TTC Dormagen: Daniel Rabiega

Geschäftsführer des TTC Dormagen: Daniel Rabiega

"Wir sind gut durch den ersten Lockdown gekommen und haben dann viel Zeit in ein Hygienekonzept investiert", sagt Klub-Geschäftsführer Daniel Rabiega aus Sicht des Vereins. Das habe erstaunlich gut funktioniert und "nie seien die Sportgeräte so sauber gewesen wie durch das ständige Reinigen". Der zweite Lockdown kam und die Probleme gerade im Jugendbereich häuften sich.

Einige Abgänge waren coronabedingt im Verein zu verzeichnen. Nun wurde zudem die Saison durch den Westdeutschen Tischtennis-Verband abgebrochen und annulliert. Einen Neustart im Spielbetrieb gibt es im Tischtennis frühestens Ende des Sommers. 

Soziale Bindung und Gemeinschaft fehlen

Im Volkssport Fußball hoffen die Verbände noch auf eine Wertung. Dennoch leiden viele Sportler oder Schiedsrichter unter der andauernden Pandemie. Sportsoziologe Gunter Gebauer erklärt: "Wenn jemand Sport treibt, gerade im Mannschaftssport, dann fehlt diese soziale Bindung und der Austausch mit Gleichgesinnten. Beim Sport kommt man sich schnell näher. Das gibt auch ein Gefühl von Befreiung. Aktuell sehen wir eher eine Ermüdung."

Diese Ermüdung kennt auch Fußballer und Schiedsrichter Alexander Passerah vom Essener Klub SC Werden-Heidhausen, vor allem am Spieltags-Sonntag. "Am Anfang war es auch 'okay', dass man mal paar Wochen nicht auf den Platz konnte, aber jetzt fehlt komplett der Rhythmus. Da bleibe ich auf einmal sonntags bis 12 Uhr liegen", berichtet er von seiner Lockdown-Erfahrung.

Sportsoziologe Gebauer: "Sport vereint viele Menschen und das fehlt gerade" Sportschau 28.02.2021 01:28 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 Das Erste

Fußballtrainer Doy: "Wieso nicht wie im Frühjahr?"

Mark Doy vom MFC Lindenhof 08 kritisiert, dass nicht einmal Training möglich ist: "Im Frühjahr ging es doch auch mit verschiedenen Gruppen, kontaktlos oder auf mehrere Tage aufgesplittet. Wieso jetzt nicht? Duschen und Umziehen kann man sich auch zuhause, das ist kein Weltuntergang."

Doy ist als Spieler und Trainer aktiv und fühlt sich von der Regierung schlicht "vergessen". Es sind Aussagen, die zeigen, wie emotional unter den Aktiven das Ausüben ihres Hobbys gesehen wird – und wie sehr es fehlt.

Hoffnung für Kinder und Jugendliche

Inzwischen haben die Politik, vor allem die Sportministerkonferenz, dies registriert. Ein Stufenplan wurde an die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung als Grundlage für die kommenden Beratungen weitergereicht. Dieser soll zumindest Kindern und Jugendlichen nach und nach Sport wieder ermöglichen.

Denn der Druck wächst. Virologe Hendrick Streeck sprach zuletzt aus, was viele Betroffene denken: "Auch in Zeiten von Mutationen kann ein Dauer-Lockdown nicht die einzige Lösung sein."

Die Sportministerkonferenz macht Hoffnung auf solches kontaktloses Training bei Kindern

Die Sportministerkonferenz macht Hoffnung auf solches kontaktloses Training bei Kindern

Tischtennis-Vertreter Rabiega: "Sport sollte berücksichtigt werden"

An die Regierung hat Tischtennis-Fachmann Rabiega klare Forderungen: "Der Sport hat eine wichtige gesellschaftliche Rolle und muss daher auch entsprechend berücksichtigt werden." Zudem brauche es eine langfristige Perspektive. Es bringe nichts, wenn der nächste Lockdown "hinter der nächsten Ecke" lauert.

Auch Fußballer Passerah gibt die Hoffnung nicht auf: "Bei uns sind im Herbst in der Liga bei 117 Partien ganze zwei aufgrund von Corona ausgefallen. Das zeigt doch deutlich, dass wir mehr Lockerungen verantworten können."

Stand: 02.03.2021, 10:27

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