Aerosolforscher: Sport draußen ungefährlich - Verbände fordern Öffnung

Schild zeigt durchgestrichenen Fußballspieler udn Schriftzug CORONA

Aerosolforscher schreiben offenen Brief

Aerosolforscher: Sport draußen ungefährlich - Verbände fordern Öffnung

Von Olaf Jansen

Aerosolforscher mahnen: Die Gefahr einer Corona-Infektion liege in geschlossenen Räumen, nicht draußen. Die Amateursport-Verbände haben reagiert - sie fordern sofortige Sportplatz-Öffnungen.

Mit ihrem offenen Brief an die Bundesregierung hat die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) für viel Aufsehen gesorgt. Die Vereinigung kritisiert in diesem Brief Corona-Maßnahmen wie die Sperrung von Spazierstrecken oder das Verbot, sich in Parks zu treffen. Das Coronavirus werde im Freien nur "äußert selten" übertragen und führe nie zu Clusterinfektionen, heißt es in dem Brief, der am Sonntag (11.04.2021) veröffentlicht wurde.

Die Vereinigung kritisiert, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchung, die schon lange bekannt seien, bislang nicht in den Maßnahmenkatalog der Politik einfließe. Die Gefahr lauert "DRINNEN", wird im Brief in extra großen Lettern betont.

Kein Grund mehr, Sport im Freien zu untersagen?

Tatsächlich sind sich die meisten Experten darin einig, dass es sehr unwahrscheinlich ist, sich im Freien anzustecken. Gerhard Scheuch forscht seit langem auf dem Gebiet der Aerosole. In der ARD-Sendung "livenachneun" sagte Scheuch, draußen sei die Gefahr "überhaupt nicht gegeben. Wenn man draußen ist und sich an der frischen Luft bewegt, dann ist die Gefahr bei null."

Ganz besonders hellhörig dürfte in diesem Zusammenhang der Amateursport werden. Denn im Grunde bedeutet das nichts anderes als: Es gibt wenig wissenschaftlich belegten Grund, Sport im Freien weiter zu verbieten, wenn gewisse Auflagen wie Abstandsmaßnahmen eingehalten werden.

DFB: "Amateurfußball ist Teil der Lösung"

Dr. Rainer Koch, zuständiger DFB-Vizepräsident sagt gegenüber der Sportschau: "Die Ausführungen der Gesellschaft für Aerosolforschung bestärken uns einmal mehr in der Haltung und Position, die wir seit Monaten klar vertreten: Die Angst vor dem Amateurfußball als Corona-Treiber ist unbegründet. Das Infektionsrisiko auf dem Spielfeld unter freiem Himmel ist nach allen bisherigen Erkenntnissen und Untersuchungen minimal. Der Amateurfußball ist kein pandemisches Problem, sondern fester Teil der Lösung."

Sportbund Sachsen: "Sport im Freien unter Vereinsaufsicht möglich machen"

Und Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen erklärt: "Dieser offene Brief der Aerosolforscher unterstreicht ja das, was wir schon lange sagen: Öffnet die Sportplätze und gebt unseren Vereinen die Möglichkeit, Amateursportlern jeder Altersklasse - zumindest im Freien - wieder ihren Sport zu ermöglichen. Die Vereine haben ihre Konzepte entwickelt und sind in der Lage, das Verhalten ihrer Sportler zu lenken, zu beobachten und auch zu kontrollieren."

Und er ist der Meinung: "Auch die Nachvollziehbarkeit der Kontakte der Teilnehmer ist durch eine disziplinierte Öffnungsstrategie eher gewährleistet. Je länger eine vereinsbasierte sportliche Betätigung unterbunden wird, desto größer sind die zu erwartenden gesundheitlichen Schädigungen und Langzeitwirkungen."

DLV-Arzt warnt: "Nicht unkontrolliert Sport zulassen"

Interessanterweise teilt ausgerechnet ein Arzt aus dem Sportbereich diese eher entwarnende Einschätzung der wissenschaftlich arbeitenden Kollegen nur zum Teil. So findet Andrew Lichtenberg, Arzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes: "Natürlich würde ich mich als Mediziner aus dem Sportbereich auch freuen, wenn angesichts solcher Untersuchungsergebnisse die Sportplätze wieder für alle geöffnet würden. Die Menschen brauchen den Sport - physisch und psychisch."

Er warnt gegenüber der Sportschau aber auch: "Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die neuen bislang bekannten Mutanten des Virus aggressiver sind und die Infektionsgefahr bei jüngeren Leuten gestiegen ist. Das muss also sehr ernst genommen werden, und man kann jetzt nicht einfach alles öffnen und laufen lassen. Es müssen nach wie vor dringend die erforderlichen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln eingehalten werden."

Stand: 12.04.2021, 15:30

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