BDB-Präsident Thomas Pütz kritisiert Krasniqi-Team

BDB-Präsident Thomas Pütz

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BDB-Präsident Thomas Pütz kritisiert Krasniqi-Team

Das Urteil zum WM-Kampf zwischen Dominic Bösel und Robin Krasniqi erhitzt die Gemüter. Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), war als Supervisor vor Ort. Er kann den Frust des Unterlegenen verstehen, dessen Verhalten im Nachgang ist für ihn aber der eigentliche Skandal. Von Betrug könne keine Rede sein.

Die Ankündigung von Robin Krasniqi und seinem Team notfalls gerichtlich gegen das Punktrichterurteil des WM-Kampfes zwischen ihm und Dominic Bösel vorzugehen, stößt bei Thomas Pütz auf absolutes Unverständnis. "Ich weiß nicht, wo das hinführen soll, wenn jeder, der nach Punkten verloren hat, zum Gericht geht. Ich weiß auch gar nicht, welches Gericht er da anrufen will. Das ist alles emotional bedingt. Ich hoffe, dass sich die Wogen da glätten werden und das Robin Krasniqi sich den Kampf noch einmal anschaut", sagt der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, unter dessen Lizenz beide Kämpfer antreten, im Gespräch mit "Sport im Osten".

Dass nun die Rede von Betrug ist, sei für ihn viel problematischer: "Der wahre Skandal ist doch, dass ein Boxer sich hinstellt und sagt er wäre betrogen worden. Es war kein Betrug - nie im Leben!" Die Punktrichter würden nun teilweise in den sozialen Medien bedroht und beleidigt. "Das ist unter der Gürtellinie und hat nichts mehr mit Sport zu tun", so Pütz weiter.

Es war kein Betrug - nie im Leben! Thomas Pütz | BDB-Präsident

Pütz sieht Bösel knapp vorne

Pütz findet es schade, dass bei dem ganzen Trubel im Nachgang, in Vergessenheit gerät, "dass es ein toller Kampf war. Da jetzt so etwas daraus zu machen, da habe ich kein gutes Gefühl. Ich war selbst vor Ort und bin der Meinung Robin Krasniqi hat den Kampf knapp verloren. Aber das sieht eben jeder anders. Ich habe mit vielen Fachleuten gesprochen, einige hatten auch Krasniqi vorne, andere haben ein Unentschieden gesehen."

Das 115:114, 116:112, 114:115-Punkturteil für Bösel sei vertretbar, auch wenn dies für Krasniqi unbefriedigend sei. "Die Punktrichter haben den Kampf so gewertet, wie sie ihn in der Situation wahrgenommen haben und weder für Bösel noch für Krasniqi irgendwelche Sympathien oder Antipathien", erklärt Pütz. Er selber war als Supervisor für den Weltverband IBO vor Ort und habe den Kampf für sich auch mitgepunktet: "115:114 oder 115:113 für Bösel geht voll in Ordnung. Das gefällt vielleicht dem Krasniqi-Lager nicht, ist aber meine Sichtweise."

Es ist kein Fehlurteil oder Skandalurteil. Der Skandal ist das, was jetzt daraus gemacht wird. Thomas Pütz | BDB-Präsident

Wertungssystem müsse überdacht werden

Dass unterschiedliche Wertungen zu Stande kommen, erklärt Pütz mit dem Wertungssystem im Profiboxen. "Durch das 10-Point-Must-System müssen sie eine Runde immer 10 zu 9 für einen Boxer geben. In Ausnahmefällen geht auch 10-10, aber eigentlich soll man sich für einen Boxer entscheiden. Jeder Runde wird einzeln bewertet, dann muss der Punktrichter seinen Kopf freimachen und die nächste Runde bewerten."

Durch die unterschiedlichen Positionen der Punktrichter an den Ringseiten und der damit verbundenen Sichtrichtung könne es zu verschiedene Wertungen kommen. Deswegen gäbe es auch drei Punktrichter. Pütz selbst sei kein Fan dieses Wertungssystems und habe auf Conventions der Weltverbände bereits Neuerungen ins Gespräch gebracht. Letztlich legen aber die Weltverbände die Regeln für einen Weltmeisterschaftskampf fest.

In voller Länge: Der WM-Kampf Robin Krasniqi vs. Dominic Bösel 01:02:10 Std. Verfügbar bis 15.10.2022

Pütz: Krasniqi-Seite gießt Öl ins Feuer

Laut Pütz habe es im Nachgang eine weitere Auswertung des Kampfes gegeben, dabei seien die Schläge und Treffer beider Boxer gezählt worden. "Krasniqi war absolut der aktivere Mann, darüber braucht man nicht reden. Wenn ich aber zehnmal aufs Tor schieße und nur fünfmal treffe und der andere macht sechs Tore mit sechs Schüssen, dann hat der gewonnen. Und die besseren Treffer, das habe ich auch noch einmal von drei Leuten auswerten lassen, kamen definitiv von Bösel." Deswegen sei das auch kein Skandalurteil. Da habe es viele andere im Boxen gegeben, wie etwa Axel Schulz gegen George Foreman im Jahr 1995.

Die besseren Treffer kamen definitiv von Bösel. Thomas Pütz | BDB-Präsident

Nun die Ringrichter zu kritisieren, findet Pütz unangebracht: "Man kann unterschiedlicher Auffassung sein. Dass Krasniqi sagt, er habe den Kampf nach seinem Gefühl gewonnen, ist ok. Dass dann aber von Betrug und Box-Mafia gesprochen wird, ist der Wahnsinn. Das finde ich schlimm, das macht mir Angst." Nach seiner Ansicht gieße die Krasniqi-Seite Öl ins Feuer, was letztlich auch zu den Bedrohungen gegen die Punktrichter führte.

BDB wartet nun ab

Auch die Kritik an der Zusammenstellung des Kampfgerichtes weist Pütz zurück: "Man kann nicht sagen, dass ein Punktrichter betrügt, nur, weil er aus demselben Dorf kommt. Da hängt ja die Argumentation in sich schon. Das stört mich am meisten, dass das Krasniqi-Lager behauptet, sie wären vom Verband und den Kampfrichtern betrogen worden. Diese Art und Weise gefällt mir nicht. Es gehört schon viel dazu, so etwas zu unterstellen. Damit tut man dem Sport keinen Gefallen."

Natürlich habe Krasniqi das Recht, Protest gegen das Urteil einzulegen, findet Pütz, glaubt aber, das dabei "nichts bei rauskommen wird. Wenn das Mode machen würde, wären wir ja nur vor Gericht." Der weitere Verlauf der Sache obliegt nun dem Weltverband IBO. "Der BDB ist nicht Herr des Verfahrens!"

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rho

MDR | Stand: 15.10.2021, 14:01

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