Deutsche Mixed-Staffel bei WM-Auftakt klar am Podest vorbei

Biathlon-WM - deutsche Mixed-Staffel nur auf Rang sieben Sportschau 10.02.2021 01:35 Min. Verfügbar bis 10.02.2022 Das Erste

Biathlon-WM

Deutsche Mixed-Staffel bei WM-Auftakt klar am Podest vorbei

Von Dirk Hofmeister

Die deutsche Biathlon-Mixed-Staffel hat zum WM-Auftakt die angepeilte Medaille verpasst. Gold holten sich die Top-Favoriten.

Die deutschen Biathleten haben im ersten Rennen der WM in Pokljuka die erhoffte Mixed-Staffel-Medaille als Siebte deutlich verpasst. Beim 4x7,5-Kilometer-Rennen in Slowenien liefen Erik Lesser, Arnd Peiffer, Denise Herrmann und Franziska Preuß am Mittwoch (10.02.2021) mit insgesamt elf Nachladern rund 30 Sekunden am Podest und um 1:04,9 Minuten am Sieg vorbei.

Norwegen siegt vor Österreich und Schweden

Gold holte sich Top-Favorit Norwegen mit Sturla Holm Laegreid, Johannes Thingnes Bö, Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Röiseland. Mit elf Nachladern (0 Strafrunden) verwies Norwegen Österreich (+ 27,0 Sekunden) und Schweden (+ 30,6 Sekunden) auf die Plätze. Die Österreicher schafften im Quartett David Komatz, Simon Eder, Dunja Zdouc mit nur zwei Nachladern und Silber eine kleine Überraschung. Für Schweden (8 Nachlader/0 Strafrunden) mit Sebastian Samuelsson, Martin Ponsiluoma, Linn Persson und Hanna Öberg sicherte Schlussläuferin Öberg Bronze knapp gegen die Ukrainerin Olena Pidruschna ab.

Gute Teilleistungen, zu viele Aussetzer - die Analyse der Mixed-Staffel Sportschau 10.02.2021 04:39 Min. Verfügbar bis 10.02.2022 Das Erste

Startläufer Lesser übergibt als Siebzehnter

Erik Lesser mit skeptischem Blick

Erik Lesser mit skeptischem Blick

Das deutsche Drama begann mit dem Startläufer. Bei Temperaturen um null Grad und Schneefall erwischte Erik Lesser nicht seinen besten Tag. Der Thüringer, in den bisherigen Staffeln der Saison ein Garant für solide Leistungen, leistete sich vier Nachlader und konnte läuferisch nicht mit den Top-Leuten mithalten. Mit einem Nachlader im Liegendanschlag konnte er sich noch in den Top Fünf halten, mit drei Nachladern Stehend fiel er aber auf Rang 15 zurück. Mit der nur 14.-besten Laufzeit unter den 27 Startläufern fiel Lesser bis zum ersten Wechsel auf Rang 17 zurück. Dabei verlor er auf der Strecke aber allein vom zweiten Schießen bis zum Wechsel 20 Sekunden auf die Spitze.

Mixed-Staffel - Rang sieben für das deutsche Team

Sportschau 10.02.2021 01:03 Min. Verfügbar bis 10.02.2022 ARD Von Philipp Weiskirch


Lesser: "Total traurig"

"Ich weiß nicht, womit ich zuerst unzufrieden sein soll. Ich bin total traurig über meine Leistung, und ich finde es sehr schade, dass da noch drei Leute nach mir dranhängen", sagte der Thüringer nach dem Rennen der Sportschau. "Bei einer Mixed-Staffel stellen alle Nationen ihre besten Leute auf. Ich gehörte da heute nicht dazu. Die Fehler auf der Strecke werde ich mit den Betreuern besprechen. Aber, egal, was auf der Strecke passiert, ein Nachlader Liegend und drei Stehend - das darf mir nicht passieren."

Die Medaillen-Mitfavoriten aus Frankreich und Norwegen gaben sich dagegen keine Blöße. Mit zwei und einem Nachlader übergaben der Franzose Emilien Jacquelin und Sturla Holm Laegreid aus Frankreich als Zweiter und Dritter, direkt hinter Überraschungsspitzenreiter Anton Smolski aus Belarus.

Peiffer holt auf

Arnd Peiffer auf der Strecke in Pokljuka

Arnd Peiffer auf der Strecke in Pokljuka

Arnd Peiffer wurde von Lesser mit 1:02 Minuten Rückstand auf die Spitze und 57 Sekunden aufs Podest auf die Strecke geschickt. Liegend blieb er fehlerfrei, Stehend musste der Niedersachse nur einmal nachladen. Mit der achtbesten Zeit seiner Gruppe war Peiffer zudem schneller unterwegs. Der Massenstart-Sieger von Hochfilzen konnte den Rückstand mit seiner Leistung immerhin etwas verkürzen. Als Zwölfter übergab er zwar mit 1:41 Minuten Rückstand auf die Spitze, der Rückstand aufs Podest betrug noch rund 45 Sekunden.

Peiffer: "Ich war schon etwas erschrocken"

"Ich habe versucht, mich auf meine eigene Leistung zu konzentrieren. Ich hatte nicht viele Möglichkeiten, Zeit gutzumachen. Ich denke, ich habe es ganz ordentlich gemacht", sagte Peiffer nach dem Rennen in der Sportschau, ergänzte dann aber nachdenklich: "Aber ich war schon etwas erschrocken, als ich den Rückstand auf eins bei der Übergabe gesehen habe Das ist mehr, als ich erwartet und erhofft hatte."

Ganz vorn setzte sich Norwegens Lauf-Dominator Johannes Thingnes Bö mit einem fehlerfreien Liegendanschlag an die Spitze. Mit seinem neuen Gewehr, das einen verkürzten Schaft hat, musste er Stehend zwar zweimal nachladen. Bei seinem Wechsel auf Tiril Eckhoff hatten die Top-Favoriten aus Norwegen aber schon knapp 40 Sekunden Vorsprung auf Verfolger Frankreich mit Quentin Fillon Maillet.

Herrmann kann Patzer nicht nutzen

Den Turbo warf dann Denise Herrmann als dritte deutsche Läuferin an. Bis zum Liegendanschlag war sie von Rang zwölf schon auf Rang acht nach vorn gelaufen und konnte den Platz mit einem schnellen und sicheren Schießen behaupten. Stehend konnte sie dann die Fehler der Konkurrenz nicht nutzen: Die Französin Anais Chevalier-Bouchet und die Russin Swetlana Mironowa mussten einmal und sogar zweimal in die Strafrunde.

Denise Herrmann

Denise Herrmann

Doch Herrmann brauchte alle drei Nachlader, um wieder auf die Strecke zu kommen. Statt in Podestnähe zu laufen, bieb das deutsche Team hinten drin. Herrmann übergab als Siebte mit 1:29 Minuten Rückstand auf die Spitze und etwa 30 Sekunden auf das Podest auf Franziska Preuß.

Herrmann: "Drei Nachlader leider nicht so optimal"

"Ich habe versucht, sehr offensiv und aggressiv ins Rennen zu starten. Ich hatte auch eine ganz gute Gruppe", sagte Herrmann nach dem Rennen zum ersten Teil ihrer Runde. "Ich fühle mich derzeit auch stehend ganz sicher und habe schnell geschossen, um Zeit gutzumachen. Die drei Nachlader waren leider nicht so optimal, beim dritten habe ich dann auch etwas gezittert. Auf der Schlussrunde wollte ich noch aufholen, war muskulär aber schon etwas fest. Die Strecke war heute besser als gestern, die Stockspur war aber sehr weich, da sind auch einige Stöcke gebrochen."

Mixed-Staffel in Pokljuka - die Stimmen Sportschau 10.02.2021 04:20 Min. Verfügbar bis 10.02.2022 Das Erste

Ganz vorn zeigte Tiril Eckhoff ein solides Rennen. Im Vergleich zu einigen Staffel-Zittereinlagen mit Strafrunden machte Eckhoff mit je zwei Nachladern Liegend und Stehend einen guten Wettkampf. Anders als Herrmann konnte Eckhoff die Patzer der Konkurrenz nutzen und übergab mit fast 40 Sekunden Vorsprung an Norwegens Schlussläuferin Marte Olsbu Röiseland.

Drei Nachlader für Preuß

Franziska Preuß nach ihrem Einsatz in der Mixed-Staffel

Franziska Preuß nach ihrem Einsatz in der Mixed-Staffel

Franziska Preuß, die die deutsche Frauen-Staffel zuletzt zweimal als Schlussläuferin auf das Podest geführt hatte, ging beherzt auf die Strecke und konnte sich mit einem Nachlader Liegend auf Rang fünf verbessern. Als Sechste kam sie zum letzten Schießen, fiel dort mit zwei Nachladern aber weiter zurück und überquerte das Ziel letztlich als Siebte. "Man gewinnt in der Staffel zu viert und man verliert in der Staffel zu viert", sagte Preuß, nachdem sie abgeschlagen ins Ziel gelaufen war. "Ich wollte aggressiv ins Rennen gehen und habe auch den Anschluss nach vorn gesehen. Leider ist es am Schießstand nicht so aufgegangen, wie ich es mir vorgestellt habe. Läuferisch ist es mir aber ganz gut gegangen, das nehme ich jetzt mit in den Sprint."

Preuß: "Wir bauen Erik jetzt auf"

Zum Auftritt von Lesser, mit dem Preuß 2020 in Antholz zu Silber in der Single-Mixed-Staffel gelaufen war, sagte Preuß: "Wir bauen Erik jetzt auf, zum Glück ist er so ein Charakter, der das schnell abschütteln kann. So etwas hat jeder von uns schon erlebt, keiner nimmt jemandem da etwas übel."

Röiseland lief die norwegische Staffel mit einem Nachlader Liegend und trotz drei Nachladern Stehend sicher zum Sieg. Beim letzten Anschlag hatte Röiseland bereits 50 Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz - sie hätte sich sogar eine Strafrunde leisten können. Im Kampf um die Plätze zwei und drei hatten die Österreicherin Lisa Theresa Hauser mit einem Nachlader Stehend und die fehlerfreie Hanna Öberg aus Schweden die besten Nerven und die schnellsten Beine.

Doll über WM-Vorbereitung: "Lief optimal" Sportschau 10.02.2021 01:48 Min. Verfügbar bis 10.02.2022 Das Erste

Stand: 10.02.2021, 16:21

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