Alexander Loginow - Weltmeister an einem denkwürdigen Tag

Biathlet Alexander Loginow bei der Presse-Konferenz nach seinem WM-Sieg in Antholz am 15.02.2020

Biathlon-WM in Antholz

Alexander Loginow - Weltmeister an einem denkwürdigen Tag

Von Jonas Schützeberg und Uri Zahavi (Antholz)

Alexander Loginow heißt der neue Sprint-Weltmeister der Biathleten. Eigentlich ein Grund zur Freude für den Russen, doch die Stunden nach dem Rennen hatten wenig von Feierstimmung. Die Skepsis war zu groß gegenüber dem einstigen Dopingsünder. Es war noch ein langer Weg für Alexander Loginow von der Ziellinie bis zum Erhalt der Goldmedaille zwischen Athleten, Journalisten-Meer und Skitunneln des Antholzer WM-Stadions.

Der Kopf hing nach unten, die Sonnenbrille verdeckte seine Augen. Mit schnellen Schritten ging der neue Sprint-König der Biathleten durch die Mixed-Zone, den Interview-Bereich der Journalisten hinter der Ziellinie. Alexander Loginow beantwortete keine einzige Frage, ließ Kamera um Kamera hinter sich. Es hatte den Anschein, der frisch gekürte Weltmeister wolle einfach nur weg.

Es war ein denkwürdiger Tag für die Biathlon-Welt, eine Geschichte, die sich wohl kaum einer hätte ausmalen können. Noch am Morgen hatte die Internationale Biathlon Union (IBU) den russischen Staffel-Olympiasieger von 2014, Jewgeni Ustjugow, nachträglich für zwei Jahre gesperrt. Das bedeutet: Teilt das Internationale Olympische Komitee die Entscheidung der IBU, könnten die Russen die Goldmedaille in der Herren-Staffel verlieren und das deutsche Quartett würde sechs Jahre später doch noch Olympiasieger.

Loginow hat nicht mehr viele Anhänger im Biathlon-Lager

Gut sechs Stunden später krönte sich ein Russe und ehedem überführter Dopingsünder zum neuen Weltmeister. Alexander Loginow hat seine zweijährige Sperre abgesessen, viele Anhänger hat er seit seiner Rückkehr nicht mehr im Starterfeld der Biathleten. "Es ist traurig, wenn ein ehemaliger Doper Weltmeister wird. Aber so sind eben die Regeln des Biathlon-Verbandes. Ich finde es ist trotzdem ein schlechtes Zeichen, nach einer gewonnenen Goldmedaille keine Interviews zu geben, das gehört sich nicht", sagte der Norweger und wohl derzeit beste Biathlet Johannes Thinges Bö.

Als ob an diesem Tag nicht schon genug Brisanz in der Antholzer Luft lag, gewann ausgerechnet der Franzose Martin Fourcade die Bronzemedaille. Loginow und Fourcade sind bekanntlich keine Freunde. Unvergessen bleibt der verweigerte Handschlag des Franzosen und das Verlassen der Siegerehrung bei der WM in Hochfilzen 2017, als die russische und die französische Mixed-Staffel gemeinsam auf dem Podium standen. Diesen Handschlag gab es heute. Noch im Stadion gratulierte Fourcade dem neuen Weltmeister. Soweit, so friedlich.

Pressekonferenz mit den Biathleten Martin Fourcade, Alexander Loginow und Quentin Fillon Maillet (von links nach rechts) nach Loginows WM-Sieg in Antholz am 15.02.2020

Pressekonferenz mit Alexander Loginow

Loginow: "Ich lade alle ein, bei meiner täglichen Routine zuzuschauen."

Bei der anschließenden Pressekonferenz musste sich Alexander Loginow aber den Fragen der Journalisten stellen. Er saß auf seinem Stuhl, den Kopf in eine Hand gestützt, umringt von den anderen beiden Medaillen-Gewinnern Fillon Maillet und Fourcade und den Blitzen der Fotokameras. So viele Medienvertreter waren in den Tagen der WM noch bei keiner Pressekonferenz erschienen.

Loginow wirkte klein auf seinem Stuhl, antwortete kurzsilbig und ausschließlich auf russisch. Vor allem die norwegische Presse kritisierte ihn scharf. Auf die Frage, wie oft er kontrolliert würde und wie man ihm jemals wieder vertrauen solle, antwortete der Weltmeister: "Ich hatte in dieser Saison bereits 14 bis 16 Dopingkontrollen. Meine Frau und ich haben uns vor kurzem eine neue Wohnung gekauft. Ich lade alle ein, mir bei meiner täglichen Routine zuzuschauen und zu sehen, dass ich sauber bin." Dem folgte ein Lachen und ein zustimmendes Nicken der russischen Journalisten.

Fourcade: "Immer wenn es um Doping geht, erwarten alle, dass ich laut werde."

So schnell wie er zu Beginn den Raum betreten hatte, verließ er ihn auch wieder, gefolgt von den russischen Kameras. Einzelinterviews gab er auch anschließend keine. Das sei besser für seinen Kopf, um sich auf die Wettkämpfe zu fokussieren, hatte er zuvor erklärt. Bei Martin Fourcade löst das Unverständnis aus: "Ich bin gegen Doping und ich finde es extrem wichtig drüber zu reden, das sind wir auch unseren Kindern schuldig. Aber meinen Mund möchte ich heute gern einmal schließen."

Für Fourcade war es kein einfacher Tag. Er selbst war sehr zufrieden mit seinem Rennen, doch fast jeder Journalist wollte eine Aussage von ihm zum Sieg von Loginow und wie sich der Russe unter den Athleten wieder Vertrauen aufbauen könne. Er saß als einziger Athlet noch lange nach der offiziellen Pressekonferenz hinter dem Tisch, der ihn von den Journalisten trennte und beantwortete die Masse der Fragen.

"Immer wenn es um das Thema Doping geht, erwarten alle, dass ich laut werde, weil alle wissen, wie sehr mir das Thema weh tut. Um die Frage freundlich zu beantworten: Es hilft, wenn man spricht und nicht still bleibt, wenn man sich den Fragen der Journalisten stellt und nicht nur auf russisch antwortet, auch wenn man englisch versteht und etwas sprechen kann. Das wäre sicher ein richtiger Schritt", erklärte ein sichtlich bewegter Fourcade, der letztendlich doch nicht komplett stumm bleiben konnte.

Deutsche Athleten setzen auf Unschuldsvermutung

Auch wenn Alexander Loginow schon einmal gedopt hat, aktuell gilt für fast alle Sportler die Unschuldsvermutung. "Ich gehe davon aus, dass er jetzt sauber ist und regelmäßig kontrolliert wird", sagte Olympiasieger Arnd Peiffer wenige Minuten nach seinem eigenen Rennen. Fest steht, der Russe ist am Sonntag der Gejagte in doppelter Hinsicht. Als erster Starter wird er ins Verfolgungsrennen gehen, 59 Athleten werden versuchen ihn zu stellen. Und sicherlich werden auch das Interesse und die Skepsis der Journalisten nach dem heutigen Ergebnis nicht geringer.

Peiffer zu Loginow: "Wir müssen davon ausgehen, dass er sauber ist" Sportschau 15.02.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 15.02.2021 Das Erste

Doll zu Loginow-Sieg: "Wenn er sauber gearbeitet hat, kann man es ihm zusprechen" Sportschau 15.02.2020 00:32 Min. Verfügbar bis 15.02.2021 Das Erste

Stand: 15.02.2020, 19:03

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