Laura Dahlmeier - Bronze, das sich wie Gold anfühlt

Siegerehrung nach Sprint der Frauen, Biathlon-WM Östersund

Dahlmeier läuft trotz Erkältung aufs WM-Podest

Laura Dahlmeier - Bronze, das sich wie Gold anfühlt

Von Dirk Hofmeister, Östersund

Fast schon saß Laura Dahlmeier im Flieger nach Hause. Nach einem neuerlichen Infekt bei der WM in Östersund stellte Deutschlands Biathlon-Superstar alles infrage. Zum Glück blieb Dahlmeier in Schweden und ging im Sprint an den Start.

Wenn eine siebenfache Weltmeisterin, Weltcup-Gesamtsiegerin und zweifache Olympiasiegerin eine weitere WM-Bronzemedaille gewinnt, dann ist das ... nun ja, nichts sonderlich Herausragendes. Für Laura Dahlmeier, WM-Überfliegerin 2017 und Olympia-Superstar 2018, ist WM-Bronze im Biathlon-Sprint 2019 "eine Bronzemedaille, die sich wie Gold anfühlt."

Unfall, Schwäche, Infekte

Und das ist tatsächlich kein Understatement. Für Dahlmeier ist allein schon der WM-Start ein Erfolg, die WM-Medaille schien zeitweise aussichtlos weit entfernt. Denn hinter Dahlmeier liegt eine Saison voller Verletzungen, Infekte und Enttäuschungen. Angefangen von einem Mountainbike-Unfall im Sommer, über ein Schwächesyndrom zu Saisonbeginn, bis zu Infekten im neuen Jahr - dem größten Talent im deutschen Biathlon blieb in diesem Winter nichts erspart.

"Was ist das jetzt wieder für eine Lektion?"

Der jüngste Rückschlag ereilte die 25-Jährige Anfang der Woche in Schweden: "Ich bin hier in Östersund aus dem Flieger gestiegen und habe einen brutalen Husten bekommen", schildert Dahlmeier. Es folgte die Absage der Mixed-Staffel und viele Fragezeichen: "Ich habe in den letzten Tagen am meisten an mir gezweifelt. Ich habe gedacht, ich schaffe diesen Kurs nicht." Zweifel. Unsicherheit. Angekratztes Selbstvertrauen. "Ich bin in diesem Jahr vor so viele Herausforderungen gestellt worden. Ich habe mich gefragt: Was ist das jetzt wieder für eine Lektion, die ich lernen muss? Warum werde ich jetzt wieder krank?", so Dahlmeier.

Entscheidung erst am Morgen des Sprints

Laura Dahlmeier beim Sprintrennen

Laura Dahlmeier beim Sprintrennen - noch nicht in Lauf-Bestform

Die Entscheidung, überhaupt im Sprint an den Start zu gehen und nicht vorzeitig von den Titelkämpfen abzureisen, sei erst am Freitagmorgen nach Rücksprache mit den Ärzten gefallen. Dass die 14-fache WM-Medaillengewinnerin auf dem Weg zu ihrer zwölften WM-Medaille in Serie noch längst nicht in ihrer Bestform ist, zeigte sich in der Loipe. Die laufstarke Partenkirchnerin schaffte auf der anspruchsvollen Strecke nur die 17.-beste Laufzeit, sicherte sich die Medaille aber mit fehlerfreiem Schießen.

Einerseits Bett - andererseits Lieblingsrennen

Diese Medaille ist nach der Vorgeschichte des Winters "etwas ganz ganz besonderes". Dahlmeier konnte es in den zahlreichen Interview nach dem Rennen gar nicht oft genug betonen. Folgen jetzt weitere Medaillen, vielleicht sogar Siege? In den weiteren WM-Rennen ist Dahlmeier schließlich Titelverteidigerin von 2017? "Aktuell fühle ich mich so, dass ich mich lieber ins Bett verkriechen und gar nichts machen möchte", sagte sie. Einerseits. Andererseits ist die am Sonntag (10.03.2019, ab 13.45 Uhr im Live-Ticker) anstehende Verfolgung das absolute Lieblingsrennen von Dahlmeier. "Ich mag diese Wettkämpfe Frau gegen Frau", betonte Dahlmeier in der Vergangenheit mehrfach. In keinem anderen Rennen feierte Dahlmeier so viele Siege. Mit der Vorgeschichte dieser Saison würde sich sicher auch dort eine Bronzemedaille wie Gold anfühlen.

Biathlon-WM - die Sprint-Analyse mit Laura Dahlmeier Sportschau 08.03.2019 05:20 Min. Verfügbar bis 08.03.2020 Das Erste

Biathlon-WM - die Siegerehrung des Damen-Sprints Sportschau 08.03.2019 09:56 Min. Verfügbar bis 08.03.2020 Das Erste

Stand: 08.03.2019, 22:56

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