Hat das Biathlon-Einzel eine Zukunft?

Einzel der Männer, Biathlon-WM in Östersund

Hat das Biathlon-Einzel eine Zukunft?

Von Dirk Hofmeister, Östersund

Arnd Peiffer hat jetzt seinen Frieden mit dem Biathlon-Einzel-Rennen gefunden. Doch ist die Wettkampfform noch zeitgemäß? Beim Weltverband feilt man bereits an knackigeren Formaten.

Entweder man mag ihn - oder eben nicht, den Einzel-Wettkampf im Biathlon. Die 15 oder 20 Kilometer sind die längste und anstrengendste Strecke im Weltcup, bei WM und Olympia. Johannes Thingnes Bö mochte den Wettkampf nicht sonderlich - bis er 2018 Olympiasieger wurde. Arnd Peiffer konnte am Mittwoch (13.03.2019) Frieden schließen "mit diesem verdammten Einzel". Und von Norwegens früherem Superstar Emil Hegle Svendsen ist die Aussage überliefert: "Jungs können einen Sprint gewinnen. Den Einzel gewinnen nur echte Männer."

Wunsch nach kurzen und knackigen Formaten

Der Einzel ist die traditionsreichste Disziplin im Biathlon - aber ist er auch noch zeitgemäß? Felix Bitterling, Sportdirektor des Weltverbands IBU, berichtet von Verhandlungen mit übertragenden Fernsehstationen zu Veränderungen der Wettkampfformen. "Der Wunsch wird an uns herangetragen, dass die Rennen so kurz und kompakt wie möglich sind. Innerhalb einer Stunde soll alles erledigt sein", so der Berchtesgadener. Am besten noch im Massenstart. Zudem müssten für den längsten Biathlon-Wettkampf lange Strecken präpariert werden - was in Zeiten des Klimawandels für Veranstalter durchaus eine Herausforderung sein könnte.

"Keine Bestrebungen, uns vom Einzel zu trennen"

"So hat Biathlon begonnen. Wenn man das erste Rennen wegstreicht, das wäre schon schade", spricht sich Arnd Peiffer, frischgebackener Einzel-Weltmeister von Östersund, für eine Beibehaltung des Formats aus. Und auch Bitterling erteilt Fragen nach einer möglichen Streichung des Formats eine klare Absage: "Im Weltverband gibt es keine Bestrebungen, uns vom Einzelrennen zu trennen. Für uns ist wichtig, zu unseren Traditionen zu stehen."

Kurz-Einzel als Notvariante

Dennoch feilt man an Anpassungen. Seine überraschende Weltcuppremiere fand im Februar ein Kurz-Einzel. Weil es in Canmore Temperaturen um Minus 20 Grad hatte, liefen die Männer 15 statt 20 Kilometer und die Frauen 12,5 statt 15 Kilometer, für einen Schießfehler gab es statt einer Strafminute nur 45 Strafsekunden. Tagessieger Johannes Thingnes Bö zeigte sich begeistert vom angepassten Format. Bitterling erklärt, dass diese Kurzform auch künftig nur eine Notvariante sein werde.

Neue Rennen: Super Sprint und ...

Dafür werden zwei weitere, knackigere, Formate getestet. Der Super Sprint und der Massenstart 60. Der Super Sprint ist geteilt in Qualifikation und Finale. In der Quali laufen die Athleten drei 1-Kilometer-Runden mit je einem Liegend- und einem Stehendanschlag und je einem Nachlader, die Strafrunde ist 75 statt 150 Meter kurz. Aus der Quali schaffen es 30 Starter ins Finale, das dann im Massenstart gelaufen wird, wieder mit drei 1-Kilometer-Runden, einmal stehend und einmal liegend. "Da geht es komplett ums Risiko", verrät Bitterling. Ein erster Test im IBU-Cup sei bereits positiv verlaufen.

... Massenstart 60

Der Massenstart 60 feiert in diesen Tagen beim IBU-Cup im italienischen Martell seine Premiere. "Wir versuchen hier, die besten Qualitäten aus dem Verfolger und dem Massenstart zusammenführen", so Bitterling. Startberechtigt sind die zehn Besten der IBU-Cup-Wertung. Weitere 50 qualifizieren sich über einen Sprint-Wettkampf am Tag zuvor. Die 60 Athleten laufen aber keine Verfolgung mit den Zeitabständen des Sprints sondern gehen gleichzeitig an den Start.

WM-Premiere der Single-Mixed-Staffel am Donnerstag

Wann und ob die beiden neuen Formate in den Weltcup aufgenommen werden, sei noch nicht absehbar. "Wir haben aber gerade Diskussionen über eine Neugestaltung des Saisonauftaktes. Da kann es auch mal schnell gehen", so Bitterling. Bei der WM in Östersund steht indes am Donnerstag eine Premiere an. Erstmals werden in der Single-Mixed-Staffel WM-Medaillen vergeben.

Stand: 14.03.2019, 10:04

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