Aufstiege, Dramen, Sprüche - das war die Biathlon-WM

Aufstiege, Dramen, Sprüche - das war die Biathlon-WM

Von Dirk Hofmeister, Östersund

Die Biathlon-WM ist Geschichte und bot faustdicke Überraschungen, "Eier", Dramen am Schießstand und ganz viel Herzlichkeit. Ein Rückblick von "A" bis "Z" in Bildern.

Biathlon-WM 2019, Östersund, A bis Z

A - Awesome:
"You look awesome today" - "Du siehst heute super aus" oder "Don‘t worry, be happy" - "Sei nicht traurig, sei glücklich". So sieht schwedische Gastfreundschaft aus. Wie schön, dass man beim täglichen Weg ins Stadion an das Positive im Menschen erinnert wurde.

A - Awesome:
"You look awesome today" - "Du siehst heute super aus" oder "Don‘t worry, be happy" - "Sei nicht traurig, sei glücklich". So sieht schwedische Gastfreundschaft aus. Wie schön, dass man beim täglichen Weg ins Stadion an das Positive im Menschen erinnert wurde.

B - Birger:
In der Aussprache klingt das dann so etwa wie "Birijee". Oder so. Maskottchen der WM, überall präsent. Für ein Monster viel zu niedlich. Dabei ist Birger tatsächlich einem Monster nachempfunden. Oder vielmehr dem Sohn des Monsters aus dem See "Storsjön" in Östersund. Zu Schwedens "Nessie" soll es mehr als 400 Augenzeugenberichte geben. Bei der Biathlon-WM haben sich aber nur die Plüsch-Versionen gezeigt.

C - Champion der WM:
Bei den letzten Weltmeisterschaften haben Martin Fourcade und Laura Dahlmeier dominiert. Aber 2019 in Östersund? Klar, die Norweger liegen im Medaillenspiegel klar vorn. Johannes Thingnes Bö hat bei sieben Wettkämpfen fünf Medaillen gewonnen – da er die Saison aber bisher so dermaßen dominiert hat, dürften ihm die zwei fehlenden Medaillen eher als Schwäche ausgelegt werden.

D - Dauerbrenner:
Apropos Johannes Thingnes Bö, Spitzname "Dauerbrenner". Sieben WM-Rennen gab es in Östersund, bei allen sieben dabei der Norweger. Diesen Dauerstress nahmen sonst nur wenige andere Sportler auf sich. Landsfrau Marte Oslbu Roeiseland zum Beispiel, oder die beiden Schweden Hanna Öberg und Sebastian Samuelsson, der Italiener Lukas Hofer, die Ukrainerin Anastasiya Merkuschina. Insgesamt sechs Athleten von 191 liefen das Gesamt-Programm. Ein dickes: Respekt!

E - Eier:
Die dicksten Eier von allen hatte nach Aussage von Erik Lesser aber jemand anderes: und zwar Benedikt Doll im Staffelrennen der Männer. Wir erinnern uns: Letztes Schießen. Neben Doll der Dominator der vergangenen Jahre, Martin Fourcade. Wer gewinnt das Duell um Rang zwei. Doll, Lieblingsanschlag nicht gerade das Stehendschießen, räumt die Scheiben mit einem Nachlader ab. Fourcade muss zweimal in die Strafrunde. Das deutsche Team holt Silber, Frankreich geht komplett leer aus. Erik Lesser: "Der Benni hat heute gezeigt, wer die dicksten Eier hat." Das lassen wir mal so stehen.

F - Fahne, verflixte:
Zu jedem modernen Helden gehört natürlich auch ein Slapstick-Anteil. Den lieferte Doll beim Zieleinlauf nach. Das sichere Silber feiernd, verhedderte er sich in der Deutschlandfahne, die ihm ein Fan gereicht hat. "Der Fehler lag im Grundmaterial", rechtfertige sich Doll später und zeigte sich trotzdem erleichtert. "Immerhin habe ich schwarz-rot-gold" richtig herum gehalten.

G - Gold:
Das meiste Gold hat - Ja, Norwegen.

H - Häuser:
Gar nicht langweilig war die Unterbringung der deutschen Athleten organisiert. Statt sich in den raren Hotels zu zwängen, kamen die deutschen Athleten, Betreuer und auch Köche in insgesamt fünf Privathäusern unter. Die eigentlichen Besitzer waren während der WM ausgezogen. Arnd Peiffer und Erik Lesser wohnten beispielsweise in einem Elternzimmer. Laura Dahlmeier und Franziska Hildebrand jeweils in Kinderzimmern. "Schon ganz nett, was einem so für Spielzeug entgegen kommt, wenn man die Schubladen aufmacht", berichtete Laura Dahlmeier.

I - Italienisches Finale:
Im kommenden Jahr findet die Biathlon-WM im italienischen Antholz statt. Und – wie passend, am letzten WM-Tag von Östersund gewannen zwei Italiener. Dorothea Wierer und Dominik Windisch siegten im Massenstart – und machten damit gleich mal deutlich, wohin die Reise 2020 bei der Heim-WM gehen soll.

J - Jubel:
Viel Jubel im deutschen Team. Zwei Weltmeister mit Denise Herrmann und Arnd Peiffer, zwei zweite Plätze mit der Mixed- und der Männer-Staffel sowie drei dritte Plätze durch Laura Dahlmeier und Denise Herrmann. Könnte auch unter S wie "starke Bilanz" stehen.

K - Kuzmina:
Anastasija Kuzmina schafft es immer wieder, die Biathlonwelt zu überraschen. Olympiasiegerin ist sie bereits, zweifache Gewinnerin der kleinen Kristallkugel, Gesamt-Weltcup-Zweite. Einen WM-Titel hatte die 34-jährige in Russland geborene Slowakin aber noch nicht im Schrank. Bis Östersund - hier siegte sie gleich im ersten Rennen, dem Sprint. "Ich wusste, dass das dieser Wettkampf meine einzige Chance sein sollte. Diese musste ich nutzen." Das tat sie - und kam in den weiteren Wettkämpfen abgeschlagen ins Ziel.

L - Lisa:
Auch unter O wie Oje zu finden. Lisa Theresa Hauser – einer der Pechvögel der WM. Die Österreicherin machte im Sprint das Rennen ihres Lebens und hatte die Medaillen im Visier. Stehend schoss sie fehlerfrei, aber auf die falschen Scheiben. In den fünf Strafrunden vergoss sie bittere Tränen. In der Staffel passierte ihr dann das nächste Missgeschick, als sie nach dem Schießen über ihre Ski stolperte und wichtige Sekunden verlor. Es war einfach nicht die WM von Lisa Theresa Hauser.

M - Medals Plaza:
Oder auch: Fest in norwegischer Hand. Oder auch: Stimmungsvoll. Zumindest, wenn es eine der drei Medaillen für Schweden gab. Die Medaillen wurden etwa zwei Kilometer vom Stadion entfernt  vor dem Rathaus von Östersund vergeben. Mit Live-Musik und einem Catwalk. Party an jedem Wettkampftag. Die Medaillenzeremonie selbst wurde mit traditionellen Elementen z.B. der Sami-Kultur flankiert. Bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad durchaus herzerwärmend.

N - Nej! Nej! Nej! Nej!:
Die Veranstalter versprachen laut WM-Werbespruch "Jeden Tag ein neues Drama". Und tatsächlich lieferten die Gastgeber in den ersten Tagen Dramen am Fließband. Besonders tragisch die Verfolgung der Frauen: Mona Brorsson läuft mit großem Vorsprung zum letzten Schießen und lässt vier Scheiben stehen. Statt Gold gibt es Tränen und einen abgeschlagenen siebten Rang. Am Tag darauf titelte die Tageszeitung "Aftonbladet" ganz groß: "Nein! Nein! Nein! Nein!" Brorsson war die tragische Heldin der WM. Doch mit Silber in der Staffel ein paar Tage später gab es ein Happy End für die 28-Jährige.

O - Oje:
Von diesen Oje-Momenten gab es noch mehr bei der WM. Die US-amerikanische Frauen-Staffel zum Beispiel, die bis zum letzten Wechsel an der Überraschung schnuppert, und sich dann am Schießstand komplett rausschießt. Oder die Österreicherin Lisa Hauser, die auf die falschen Scheiben schießt. Oje auch bei Johannes Thingnes Bö und Hanna Öberg. Bö läuft im Verfolgung als Erster an den Schießstand beim letzten Schießen, Öberg in der Staffel. Doch beide können ihre Nerven nicht im Zaun halten und müssen nachladen oder sogar in die Strafrunde. Oje, die Goldmedaille ist futsch. Immerhin: Beide laufen noch zu Silber.

Ö - Öberg:
Sie erlöste die Schweden bei der Heim-WM und ist mit 23 bereits ein Superstar. Einzel-Olympiasiegerin Hanna Öberg wurde in Östersund auch Weltmeisterin.

P - Pichler:
Oder auch liebevoll "Coach Wolfgang" genannt. Wolfgang Pichler übernahm das schwedische Team in der Saison 2016/2017 – und führte das blau-gelbe Team erst zu vier Olympiamedaillen und bei der Heim-WM zu drei WM-Medaillen. Nach der Saison sollte für den 64-Jährigen eigentlich Schluss sein, er wollte sich zurückziehen, endlich mal wieder Tischtennis spielen. Große Erleichterung bei den Schweden, dass der Ruhpoldinger nun doch nicht ganz aufhört. Beratend will er den Schweden weiterhin zur Seite stehen. Die nächste WM kann kommen.

R - Rücktritt:
Im nacholympischen Jahr sind Rücktritte nicht so häufig. Anastasija Kuzmina tritt aber beispielsweise zurück, sie will sich mehr der Familie widmen. Oder auch Rosanna Crawford. Die Kanadierin, die es 2018 in Ruhpolding mal auf das Podest schaffte, bestritt als Schlussläuferin der WM-Staffel ihr letztes Rennen. Der Abschied wurde noch im Ziel gefeiert – natürlich mit Schampus.

S - Spritze:
Nicht. Euer. Ernst? So der erste Gedanke. Und auch der zweite. Und die folgenden. Die WM-Region Jämtland hat während der Titelkämpfe mit einem Textmarker in Spritzenform für sich Werbung gemacht. Filzstifte, die wie Spritzen aussehen. In Zeiten der Dopingaufklärung um Seefeld. Muss man nicht verstehen.

Sch - Schnee:
Sie wollen Mitte März bis zu den Knien in Schnee versinken? Sie werden Östersund lieben.

T - Touristen:
Oder genauer, sportliche WM-Touristen. Athleten, die sich für die WM qualifiziert haben, aber nicht zum Einsatz kommen. Gibt es in vielen Teams, im deutschen Team reiste Karolin Horchler mit an, durfte aber dann doch nicht ran. Was hat sie stattdessen getan? Trainiert, für Zimmerkollegin Denise Herrmann auch schon mal die Waffe geputzt, bei Siegerehrungen für Stimmung gesorgt. "Sie hat sich sehr mannschaftsdienlich verhalten", lobte Bundestrainer Mark Kirchner. "Das gab es auch schon mal anders", fügte er hinzu, wollte aber nicht verraten, wen er damit meinte.

U - Unten ohne:
Wir wussten ja schon immer, dass Kameramänner und – frauen die eigentlichen Helden im Fernseh-Business sind. Stundenlang eine Zehn-Kilo-Kamera auf der Schulter, bei Regen und Schnee draußen, und sich dann noch von Zuschauern, Betreuern oder Fotografen beschimpfen lassen, dass man im Weg rumsteht. Das alles reicht diesem tschechischen Kameramann aber nicht. Egal wie kalt es draußen ist, kurze Hose ist Pflicht.

Ü - Überraschungen:
Wer vor der WM den Namen von Dmytro Pidtrutschni fehlerfrei buchstabieren konnte, hat jetzt einen Wissensvorsprung. Der Ukrainer ist Verfolgungs-Weltmeister. Genauso überraschend wie der Bulgare Wladimir Iljew Vize-Weltmeister im Einzel wurde. Beide Namen gehören jetzt zum Basispaket "Angeberwissen für Biathlonfans".

V - Verlierer I:
Ein Buchstabe, zwei große Verlierer. Der Franzose Martin Fourcade hat zum ersten Mal seit 2010 bei einer WM keine Medaille geholt. Ein ganz neues Gefühl für den Dominator der vergangenen Jahre. Und auch …

V - Verlierer II:
… Kaisa Mäkäräinen fährt ohne Edelmetall nach Finnland zurück. Die Gesamt-Weltcupsiegerin der vergangenen Saison wurde in Östersund ihrem Ruf treu, dass die keine Frau für Großveranstaltungen ist. Bei bisher 13 Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen gewann die laufstarke 36-Jährige bisher nur drei WM-Medaillen. In Östersund kam keine neue dazu.

W - Wachablösung:
Zugegeben, das ist etwas zugespitzt formuliert. Aber haben wir bei der WM eine Wachablösung bei den deutschen Biathlon-Frauen gesehen? Denise Herrmann sammelte einen gesamten Medaillensatz, die frühere deutsche Überfrau Laura Dahlmeier lief "nur" zweimal zu Bronze. Die beiden dritten Plätze sind für Dahlmeier nach ihren vielen verletzungsbedingten Rückschlägen in dieser Saison in jedem Fall ein großer Erfolg. Kann die 25-jährige Dahlmeier in der neuen Saison zu alter Stärke zurückfinden? Oder übernimmt die bereits 30-jährige Herrmann nun das Zepter? Ein Cliffhanger, der bereits jetzt Lust auf die neue Saison macht.

Y - Youngsters:
Ok, das passt jetzt nicht ganz, aber finden Sie mal ein Wort mit Y. Genauer müsste es natürlich Neulinge heißen, aber das N war ja schon besetzt .Vier WM-Neulinge durften im deutschen Team erstmals zur WM. Drei kamen zum Einsatz – und eine wurde sogar zur erfolgreichsten WM-Starterin. Denise Herrmann, vor zweieinhalb Jahren noch Langläuferin, lief zu Gold, Silber und Bronze. Roman Rees feierte Staffel-Silber. Und auch Philipp Nawrath dürfte zufrieden sein, er wurde im Sprint starker Zwölfter und im Massenstart 15. Nur Karolin Horchler musste zuschauen. Für sie sei aber bereits die WM-Quali ein großer Erfolg gewesen, sagte sie.

Z - Zwanzig Zwanzig:
Oder auch 2020. Die WM 2020 findet in Antholz statt. Mit einem Maskottchen, das wegen seines Namens schon viel Spott einstecken musste. Dabei liegt doch auf der Hand, dass mit „Bumsi“ das Geräusch beim Treffen der Kugeln auf die Schießscheiben gemeint ist.

Stand: 18.03.2019, 08:19 Uhr

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