Denise Herrmann - Happy End zum Auftakt der Biathlon-WM

Denise Herrmann bei der Biathlon-WM in Östersund

Nach Silber in der Mixed-Staffel

Denise Herrmann - Happy End zum Auftakt der Biathlon-WM

Von Dirk Hofmeister, Östersund

Denise Herrmann gehört zu den erfahrensten Wintersportlerinnen. In Östersund erlebte sie jetzt bei der Biathlon-WM trotzdem eine doppelte - und durchaus emotionale - Premiere.

Seit zehn Jahren kennt sich Denise Herrmann in der ersten Liga der Langläufer oder Biathleten aus, 216 Mal stand sie bei (Langlauf- oder Biathlon)-Weltcups am Start, zwei Olympische Spiele mit einer (Langlauf)-Bronzemedaille liegen hinter ihr, drei Langlauf-Weltmeisterschaften - eigentlich ist die 30-Jährige ein alter Hase im Geschäft. Aber mit dieser neuen Situation muss sie erst mal klarkommen. Herrmann hat zum ersten Mal eine WM-Medaille gewonnen: Silber bei der Biathlon-WM in Östersund mit der Mixed-Staffel von Donnerstag (07.03.2019). "Das hat so eine große Bedeutung. Das ist so ein extrem starkes Gefühl", sprudelt es nach dem Rennen nur so aus ihr heraus.

Überraschend in Mixed-Staffel

24 Stunden zuvor wusste Herrmann noch nicht einmal, dass ausgerechnet die aus deutscher Sicht durchaus medaillenträchtige Mixed-Staffel ihr erstes WM-Rennen als Biathletin sein würde. Erst durch die infektbedingte Absage von Laura Dahlmeier rutschte sie ins Team. Und jetzt - Happy End gleich zum Auftakt. Mit dem ersten Wettkampf ans Ziel der Träume. Ganz schön viel am ersten WM-Tag für die Spätberufene.

In der Loipe eine Rakete, am Schießstand eine Schrotflinte

Denise Herrmann bei der Biathlon-WM in Östersund

Denise Herrmann - Zittern am Schießstand.

Erst im Alter von 27 Jahren fand Herrmann den Weg vom Langlauf zum Biathlon. Gleich in ihrem ersten Rennen im November 2016 gelang ihr ein Sieg im zweitklassigen IBU-Cup. Zwei Wochen später wurde sie in ihrem ersten Weltcup gute 18. im Sprint. Doch so steil ging es nicht weiter bergauf, denn Herrmann begleitet das gleiche Problem wie zuvor andere prominente Umsteigerinnen wie Miriam Gössner oder Evi Sachenbacher-Stehle: In der Loipe eine Rakete am Schießstand eher eine Schrotflinte. Herrmann legt regelmäßig die schnellste Laufzeit in den Schnee, verballert gute Platzierungen aber mit vielen Schießfehlern.

Zielscheibe in der Küche

"Manchmal ist es vielleicht ganz gut, sich vor einem Rennen nicht zu viele Gedanken machen zu können", lacht Herrmann auf die Frage nach ihrem Umgang mit der späten Nominierung für die Mixed-Staffel. Lernen, sich weniger Gedanken zu machen und den Kopf am Schießstand auszuschalten - das ist tatsächlich die große Herausforderung, vor der Herrmann immer wieder steht. Einer Challenge, der die fünffache deutsche Meisterin mit Akribie und Disziplin begegnet. Zu Beginn ihres Wechsels in den Biathlon hängte sie eine Zielscheibe in der heimischen Küche auf, um in jeder freien Minute das Zielen und den Umgang mit dem Gewehr trainieren zu können. "Mit viel Fleiß hat sie einen Sprung in der Schießtechnik gemacht", erklärte der frühere Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig eine deutliche Leistungsverbesserung in der Saison 2017/18. In diesem Winter gelang Herrmann mit Akribie nach Weihnachten eine Stabilisierung. "Ich arbeite täglich daran, mein Schießen besser zu machen", sagte sie Anfang Januar in Oberhof. Mit Erfolg. Lief Herrmann in den ersten drei Weltcups der Saison nicht einmal in die Top 15, schaffte sie es auf den fünf Stationen 2019 gleich sieben Mal und feierte zudem einen Weltcupsieg.

Plötzlich Mitfavoritin

Biathlon-WM, Medals Ceremony der Mixed-Staffel

Herrmann (2.v.l.) mit der WM-Silbermedaille und den Teamkollegen Vanessa Hinz, Arnd Peiffer und Benedikt Doll (v.l.n.r.).

Und nun auch WM-Silber. Gemessen an den Wünschen, die Herrmann beim Wechsel zum Biathlon äußerte ("Eine Olympiamedaille oder eine WM-Medaille"), ist sie am Ziel ihrer Träume angelangt. Doch an eine Abreise aus Östersund denkt Herrmann natürlich nicht. Denn die Chancen stehen sehr gut, dass der Staffel-Medaille ein Podestplatz in einem Einzelrennen folgt. Wie kaum ein anderer Ort liegt Östersund Herrmann. Dort feierte sie 2017 ihren ersten Weltcupsieg und durfte sogar kurz das rote Trikot der Sprintbesten tragen. "Es ist ein schönes Gefühl, wenn man an Orte zurückkehrt, an denen man Erfolge gefeiert hat", so Herrmann, die vor allem die hohe Schwierigkeit der Strecke lobt: "Ich liebe diese Runde." So zählt Herrmann beim Sprintrennen am Freitag (16.15 Uhr im Live-Ticker und live in Das Erste) plötzlich zu den Mitfavoritinnen. Vielleicht kommt sie damit ja genauso gut klar, wie mit ihrer späten Nominierung für die Mixed-Staffel.

Thema in: Sportschau live, 8.3.2019, ab 16.05 Uhr

Stand: 08.03.2019, 07:55

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