Biathlon-WM in Pokljuka: Zwei silberne Lichtblicke

Biathlon-WM: Abschließende Ernüchterung Sportschau 21.02.2021 04:04 Min. Verfügbar bis 20.03.2022 Das Erste Von Christian Dexne

Bilanz der Biathlon-WM in Pokljuka

Biathlon-WM in Pokljuka: Zwei silberne Lichtblicke

Von Jonas Schützeberg und Uri Zahavi

Viel Schnee, keine Zuschauer, nur zwei deutsche Medaillen: Die Corona-WM auf der Pokljuka bot Diskussionsstoff. Während es norwegische Festspiele wurden, steht dem deutschen Team viel Arbeit bevor. Abseits des Sports ging das Hygienekonzept in Slowenien auf.

Auch am finalen Wettkampftag wollte es einfach nicht so richtig laufen. Sinnbildlich für die deutsche WM war Benedikt Dolls Auftritt beim Interview nach dem Massenstart in der Mixed-Zone. Schon an seinem Gang war die Unzufriedenheit der vergangenen beiden Wochen abzulesen. Sein 23. Platz zum Abschluss - ernüchternd. "Man trainiert doch so viel und am Ende kommt so wenig dabei rum", sagte der 30-Jährige.

Historisch schlechte erste Woche

Die Aussage passt ins Bild. Wenn sich Erik Lesser am zweiten Wettkampftag bereits fragte, warum er Teil der WM-Mannschaft sei, dann ist das ein cooler, selbstkritischer Spruch - zeigt aber auch schonungslos auf, dass irgendetwas nicht stimmte. Der Thüringer sollte zur tragischen Figur dieses Großereignisses werden und bei all seinen Starts enttäuschen. 

Biathlon-WM in Pokljuka - nicht die Wettkämpfe des Erik Lesser Sportschau 22.02.2021 01:32 Min. Verfügbar bis 22.02.2022 Das Erste

Die erste Woche des deutschen Teams war historisch schlecht. Während die Frauen, vor allen Dingen die starke aber etwas glücklose Franziska Preuß, immer wieder knapp an den Medaillen vorbeischlitterten, liefen die Männer ihrer Form hinterher. Körperliche Probleme beklagten einige im gesamten Team "Mir hat’s im Einzel komplett den Hahn abgedreht", beschrieb Denise Herrmann ihren körperlichen Zustand.

Arnd Peiffer: "Ist der Ruf erst ruiniert…"

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert", sagte Arnd Peiffer nach dem Einzel. Es war ein Rennen, was sich so wunderbar als Wendepunkt dieser WM geeignet hätte. Offenbar befreit von jeglichem Druck und - nach den gezeigten Leistungen - wahrscheinlich auch von zu großer Erwartungshaltung, traf der Niedersachse 20 Mal am Schießstand und holte Silber, die erste deutsche Medaille. Doch so einfach ist es halt nicht.

Nach enttäuschender Single-Mixed- und Männer-Staffel folgte die der Frauen. Sie wurde aus deutscher Sicht das Highlight dieser WM. Franziska Preuß sicherte im Zielsprint Silber - endlich passte alles zusammen. Die Gefühle, die im Anschluss aus dem Team herausbrachen, waren überwältigend. Es war einer von zwei Lichtblicken einer medaillentechnisch ansonsten dusteren WM für den DSV. "Man sieht, wie hoch die Trauben hängen", konstatierte Bundestrainer Mark Kirchner. Diese WM hat gezeigt: momentan zu hoch für die Deutschen.

Video - Silber im Endspurt für die deutsche Biathlon-Frauen Sportschau 20.02.2021 04:34 Min. Verfügbar bis 20.02.2022 Das Erste

Tirl Eckhoff dominiert die WM

Die Norwegerin Tiril Eckhoff überquert die Ziellinie des Verfolgungs-Rennens.

Wenn die Medaillen vergeben wurden, kam man an einem Namen nur schwer vorbei. Die Biathlon-Königin auf der Pokljuka heißt Tiril Eckhoff. Sechs Medaillen hat die Norwegerin gewonnen, darunter vier goldene: "Es war eine unglaubliche WM. Ich hatte einen Traum, aber es ist viel besser geworden. Ich wollte eine individuelle, eine Goldmedaille gewinnen, jetzt ich bin überglücklich."

Norwegen hat diese Titelkämpfe geprägt wie keine andere Nation. Von 28 möglichen Medaillen gingen 14 an das Mutterland des nordischen Skisports. Unangefochten gewannen die Skandinavier den Medaillenspiegel vor Frankreich und Schweden. Deutschland belegte in dieser Wertung mit zwei Medaillen den sechsten Platz.

"Von diesem Hexenkessel lebt Biathlon"

Der männliche Star heißt Sturla Holm Laegreid. Mit dem Sieg im abschließenden Massenstart gewann der junge Norweger seine vierte Goldmedaille: "Mir macht einfach alles Spaß. Ich habe die ganze Zeit nach vorn geschaut, um noch mehr Rennen zu gewinnen. Von mir aus könnte die WM ewig weitergehen."

Sturla Holm Laegreid, Einzel-Weltmeister 2021

Sturla Holm Laegreid, Einzel-Weltmeister 2021

Schon fast routiniert hängte sich Laegreid bei der letzten Siegerehrung die Goldmedaille selbst um den Hals - in Corona-Zeiten kein ungewohntes Bild mehr. Dass keine Zuschauer dabei waren, hat ihm wenig ausgemacht, er kennt es nicht anders. Sein Weltcup-Debüt hat er vergangene Saison gegeben, als es schon keine Fans mehr im Stadion gab.

Ganz anders empfand das Vanessa Hinz: "Mir fehlen die Emotionen. Ich bin froh, dass wir noch laufen können, wünsche mir aber, dass die Zuschauer schnell zurückkommen. Von diesem Hexenkessel lebt der Biathlon-Sport."

Stimmung vom Band, Zuschauer an der Wand

Bis kurz vor dem WM-Start hatten sie auf der Pokljuka noch mit 500 Fans am Tag geliebäugelt, doch letztendlich gab es die im Hochinzidenzgebiet Slowenien nur von der LED-Wand, immerhin per Livestream zugeschaltet. Stimmung hatten sie im Stadion trotzdem, allerdings vom Band. Stadionsprecher Bojan und Kabinen-DJ Ziga saßen in einer kleinen Sprecherbox oberhalb des Schießstandes und beschallten mit Jubelgeräuschen per Knopfdruck die Arena. 

Video - Peiffers Träume enden beim letzten Schießen Sportschau 21.02.2021 03:24 Min. Verfügbar bis 21.02.2022 Das Erste

Die dünne Corona-Blase hat gehalten. Kein Athlet wurde positiv auf das Virus getestet, einzig ein paar Betreuer und Journalisten sind an Covid-19 erkrankt. Das Kontrollsystem war streng, aber deswegen auch erfolgreich, alle vier Tage wurde getestet.

Auch der Herr der Schüsse, Renndirektor Borut Nunar aus Slowenien, war zufrieden mit den Titelkämpfen, die für ihn eine Heim-WM bedeuteten: "Ich war schon 2001 dabei, bei der ersten WM auf der Pokljuka. Ich bin sehr stolz auf mein ganzes Team, alle haben hart gearbeitet, und auch das Wetter war wunderschön." Und das war es wirklich, mehr als zweieinhalb Meter Schnee verwandelten das Biathlon-Stadion und die gesamte Hochebene in ein Winter-Wunderland. Es waren perfekte Bedingungen auf den Loipen für dieses Großereignis.

Biathlon - Das war die WM auf der Pokljuka

Sportschau 22.02.2021 02:25 Min. Verfügbar bis 22.02.2022 ARD Von Philipp Weiskirch


Heim-WM in Oberhof 2023

Die Biathlon-WM endete mit der Übergabe des symbolischen Staffelstabes, kein großes Tamtam, kein Feuerwerk. Bei der kleinen, sehr dezent gehaltenen Abschlusszeremonie im Stadion wünschte Gastgeberland Slowenien dem Nachfolger Deutschland und Austragungsort Oberhof im Jahr 2023 viel Erfolg. Ein Heimspiel also für die DSV-Athletinnen und Athleten - es bleibt zu hoffen, dass das Ergebnis dann ein anderes wird als in diesem Jahr.

Stand: 22.02.2021, 10:00

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