Peiffer schließt Frieden mit dem "verdammten Einzel"

Östersund, Einzel

Biathlon-WM

Peiffer schließt Frieden mit dem "verdammten Einzel"

Von Nicole Hornischer, Östersund

Spätestens nach der Heim-WM 2012 in Ruhpolding hatte Arnd Peiffer mit dem Einzel noch eine Rechnung offen. Sieben Jahre später schließt der 31-Jährige in Östersund Frieden "mit dem verdammten Einzel".

Arnd Peiffer hadert noch immer mit der verpassten Goldchance, damals 2012 in Ruhpolding: "Das haben alle vergessen - außer mir." Was war passiert? Der Harzer lag nach dreimal Null im Einzel auf Medaillenkurs. Peiffer hätte sich sogar einen Fehlschuss im letzten Schießen leisten können - die Goldmedaille wäre ihm ziemlich sicher gewesen. Doch er ballerte zweimal daneben und landete "nur" auf dem siebten Platz. "Beim Biathlon liegen Erfolg und Misserfolg sehr nahe beieinander", resümiert der bald 32-Jährige.

Jetzt genießt Peiffer den Triumph im Einzel um so mehr. "Der Titel bedeutet mir viel, weil ich jetzt endlich Frieden mit dem verdammten Einzel geschlossen habe". Der letzte deutsche WM-Erfolg im Einzel liegt 20 Jahre zurück: Sven Fischer sicherte sich damals die Goldmedaille im finnischen Konthiolahti.

Die Bilder zum Biathlon-Einzel-Goldlauf von Arnd Peiffer

Einzel der Männer, Biathlon-WM in Östersund

Am Ende des Abends musste Arnd Peiffer dann nur noch eine kleine Runde drehen, ...

Am Ende des Abends musste Arnd Peiffer dann nur noch eine kleine Runde drehen, ...

... mit Goldmedaille, einem breiten Grinsen ...

... und dem Jubel der gesamten Mannschaft am Abend auf der Medals Cermony.

Zur Überraschung nicht nur von Weltcup-Gesamtsieger Johannes Thingnes Bö, der erneut leer ausging.

Bö wurde mit drei Strafminuten nur Neunter.

Peiffer, der bisher im Einzel noch nie etwas gewinnen konnte, zielte dagegen ganz genau und legte ...

... die neuntbeste Zeit in die schwere Strecke von Östersund.

Der Lohn, erst die Blumen bei der Flowers Ceremony und am Abend dann die Goldmedaille.

Während Peiffer bereits Sprint-Olympiasieger und mehrfacher Weltcupsieger war, sorgte der Mann hier links mit der Silbermedailler sogar für eine echte Sensation. Der Bulgare Vladimir Iljew hatte bisher einen fünften Platz als beste Karriereleistung auf der Uhr. In Östersund ...

... lief er mit einer couragierten Leistung und nur einem Fehler auf Rang zwei.

Und auch den drittplatzierten Tajei Bö hatten sicher nur wenige auf dem Zettel. Bö war zwar 2011 schon einmal Einzel-Weltmeister, seither in dem Wettkampf aber eher glücklos.

Lange auf eine Medaille hoffen konnten auch die Gastgeber, hier im Bild Peppe Fleming.

Sebastian Samuelsson lag nach einem Fehler Liegend lange auf Bronzekurs, ehe ihn Bö um gut 25 Sekunden auf Rang vier verwies.

Noch größer die Enttäuschung bei Martin Fourcade, der mit vier Fehlern nur 39. wurde. Selbst bei einem fehlerfreien Schießen hätte es für den Dominator der vergangenen Jahre nur zu Platz fünf gereicht.

Dafür schafften es neben Peifer noch zwei weitere Deutsche in die Top 15. Benedikt Doll wurde mit drei Strafminuten Zehnter.

Erik Lesser kam mit zwei Fehlern auf Rang 11.

Im Ziel war Lesser einer der ersten Gratulanten von Peiffer.

"Eigentlich verabscheue ich die Strecke in Östersund"

Der Sieg von Fischer war damals nicht so überraschend, der von Peiffer jetzt schon. Denn der 31-Jährige hat bislang über die 20 Kilometer noch keinen Podestplatz eingefahren. Sein bestes Result war eben jener siebte Platz bei der WM in Ruhpolding. Und jetzt der Sieg im Einzel - ausgerechnet in Östersund: "Eigentlich kann man sagen, ich verabscheue den Einzel in Östersund, denn die Strecke ist echt undankbar. Aber man muss es ja nicht immer lieben, um eine gute Leistung zubringen", schmunzelt er.

Peiffer - "die Maschine"

Auch seine Team-Kollegen freuen sich über Peiffers Erfolg: "Dass einer vom Team durchgkommen ist, ist spitzenmäßig. Ich nenn' ihn immer Maschine, weil er im Rennen immer das Beste herausholt", sagt Benedikt Doll, der mit drei Schießfehlern Zehnter wurde. Und auch der elftplatzierte Erik Lesser, der angeblich 50 Euro auf einen Sieg Peiffers gewettet hatte, gönnt seinem Zimmerkumpel den Sieg. "Er arbeitet so hart an sich".

Arnd Peiffer, 2011 (Archiv)

Auch beim WM-Sprint-Sieg 2011 in Chanty-Mansijsk trug Peiffer die Startnummer 24.

Für Peiffer selbst war es nach den Sprintsiegen bei der WM 2011 und Olympia 2018 der dritte große Erfolg in einem Individualrennen. In Östersund gewann er bereits Silber mit der Mixed-Staffel.

Stand: 13.03.2019, 20:01

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