Biathletin Denise Herrmann: "Steil ist geil"

Denise Herrmann über Druck, die Staffel und ihre bisherigen Leistungen Sportschau 19.02.2021 07:38 Min. Verfügbar bis 19.02.2022 Das Erste Von Jonas Schützeberg, Christoph Nahr und Uri Zahavi

Biathlon-WM

Biathletin Denise Herrmann: "Steil ist geil"

Von Jonas Schützeberg und Uri Zahavi

Das deutsche Frauen-Team ist bei der Biathlon-WM noch ohne Medaille geblieben. Vor allem die sonst so laufstarke Denise Herrmann haderte mit der Höhe Pokljukas und ihren Beinen. Das soll sich ändern, auch durch den Griff zu einer besonderen musikalischen Waffe.

Das Lächeln ist zurückgekehrt, Denise Herrmann ist gut drauf. Geduldig beantwortet sie beim Interviewtermin am letzten Ruhetag der Biathlon-WM Frage um Frage. Das ist bei der sächsischen Stimmungskanone normalerweise nichts Bemerkenswertes. Gute Laune ist eines ihrer Markenzeichen. Doch in den vergangenen Tagen war das manchmal anders. Die 32-Jährige wirkte niedergeschlagen, müde und ein wenig ratlos.

"Mir hat es den Hahn komplett abgedreht"

Ihre Muskulatur, "ihr großes Kapital" wie sie selbst sagt, wollte nicht mehr so richtig. "Auf der letzten Runde im Sprint habe ich es schon gemerkt", erinnert sie sich zurück: "In der Verfolgung hat es mir dann komplett den Hahn abgedreht."

Dass es bei offenbar leerem Akku in dem Rennen noch zu einem Top-Ten-Platz reichte, ist dann schon fast sensationell. Die körperliche Plätte führt Herrmann auch auf die Wettkampfstätte auf der Pokljuka zurück, denn die Hochebene liegt auf 1.350 Metern. Die Unterkunft des deutschen Teams wiederum, ein idyllischer Bauernhof im Dörfchen Zasip, liegt knapp 800 Meter tiefer. "Das macht es schon schwieriger", konstatiert sie.

Techno-Trance und Oktoberfest-Schlager

Motivationsprobleme hingegen sind bei der Sportsoldatin nicht zu erkennen. Der Kopf spielt mit, vor allem auch dank ihrer besonderen Waffe: "Steil ist geil" - eine etwas andere Musikzusammenstellung. Ein Mix aus deutschen Schlagern, Oktoberfesthits und harten Elektro-Sounds. "Es kommen immer ein paar neue Titel hinzu, da sind wir im Frauenteam offen. Auch die Männer haben mal einen Schlager mit verrückten Texten in Petto", erklärt Herrmann. Aber nicht jeder findet auch einen Platz in der besonderen Playlist.

Gute Erinnerung an schwere Strecken

Einer der gut ausgewählten Neuzugänge ist "Moonlight Shadow", doch nicht Mike Oldfields Pop-Rock-Klassiker aus dem Jahr 1983. Ein paar mehr Beats und Bässe dürfen es schon sein. Denise Herrmann lässt sich viel mehr von einem Techno-Trance-Cover aus dem Jahr 2012 antreiben.

"Ich komme da in eine positive Angriffsstimmung. Bei guter Musik versuche ich mit Erinnerungen Emotionen zu assoziieren. 25 Minuten dauert die Fahrt hoch zur Pokljuka, die muss man gut nutzen. Da sind mittlerweile alle angefixt und die Stimmung steigt im Auto", sagt Denise Herrmann grinsend und ergänzt: "Das hat schon letztes Jahr bei der WM in Antholz gut geklappt."

Damals gewann sie zweimal Silber, der Schlager-Hit "Hurra die Gams" hatte sie in der vergangenen Saison zu den Medaillen getrieben. Auch hier auf der Pokljuka, als sie beim Weltcup den Einzelwettkampf gewann. Auch wenn sie sich in den vergangenen Tagen schwer getan hat, eigentlich mag sie die anspruchsvollen Strecken in Slowenien.

"Wir sind bereit für die Challenge"

Doch diese WM läuft bislang nicht wie erhofft für die Verfolgungs-Weltmeisterin von 2019. Gut, dass Herrmann die kürzere Distanz in der Staffel am Samstag entgegen kommt. Als ehemalige Langläuferin liegen ihr Sprint-Disziplinen. "Sechs Kilometer sind gut", sagt sie und lacht: "Im Sprint habe ich die Medaille noch knapp verpasst, jetzt greifen wir an. Klar wird es ein hartes Stück Arbeit, aber wir sind bereit für die Challenge."

Mit "Gönn dir" zurück zum Erfolg

Ihr Saison-Hit 20/21 ist übrigens "Gönn dir" von der Band Schokkverliebt. Mit der Staffel würde sich Denise Herrmann am Samstag nur allzu gern mal wieder "gönnen". Und wenn Herrmanns Muskulatur nach drei Tagen Wettkampfpause wieder mitspielt, dann stehen die Chancen gut für eine Medaille.

Richtig Vollgas konnte sie im Training nach den harten Rennen nicht geben. Aber: "Man darf auch nicht Nichts machen. Man muss schon in Schwung bleiben." Genau diesen will sie nun ins finale WM-Wochenende mitnehmen.

Dann wird sie sicherlich auch wieder richtig "steil" gehen, denn die erste Medaille für die deutschen Frauen bei diesen Weltmeisterschaften wäre schon eine ziemlich "geile" Sache.

Stand: 20.02.2021, 09:10

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