Biathlon: Geschichte und Disziplinen

Massenstart Damen Biathlon-WM - Marie Dorin Habert und Laura Dahlmeier

Vom Militärsport zum Publikumsmagneten

Biathlon: Geschichte und Disziplinen

Einst maßen sich Soldaten im Skilaufen und Schießen, heute begeistert Biathlon die Massen. Die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Disziplinen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Biathlon ist so alt wie das Skilaufen selbst. Wie Höhlenzeichnungen beweisen, gehen Menschen seit mehr als 5.000 Jahren mit Ski und Waffen auf die Jagd. Laut der Internationalen Biathlon Union (IBU) liegen dort die Wurzeln des Biathlonsports. Der erste historisch belegte Wettkampf fand 1767 statt, schwedische und norwegische Grenzsoldaten maßen sich im Skilaufen und Schießen.  

Die Militärsportart

Die militärische Tradition spiegelte sich auch bei den ersten Olympischen Winterspielen in Chamonix (1924) wieder. Dort wurden die Zweikämpfer zu einem Demonstrationswettbewerb eingeladen und liefen dabei unter der Bezeichnung "Militärpatrouille". Auch in den Verbandsstrukturen stand man dem Militär nahe, 1953 gründete sich der Biathlon-Verband unter dem Dach des Internationalen Verbands für Modernen Fünfkampf (UIPM). 1958 wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen. In Saalfelden gingen die Männer über die 20 Kilometer an den Start; im Unterschied zu heute wurde damals noch mit Großkaliber geschossen.

Der Weg zum Publikumsmagneten  

Von da an wandelte sich die Biathlon-Szene stetig. 1966 fiel im französischen Grenoble die erste olympische Entscheidung in der Staffel. Neun Jahre später fanden die letzten Weltmeisterschaften mit Großkaliber statt, und von da an wurde mit Kleinkaliber auf die ersten mechanischen Scheiben geschossen. 1984 in Chamonix trugen die Frauen ihre erste Weltmeisterschaft aus, damals noch getrennt von den Männern. Seit 1989 gibt es gemeinsame Titelkämpfe, 1992 in Albertville war für die Frauen dann auch olympische Premiere. In den 1990er-Jahren kamen neue Wettkampfformen wie Verfolgung und Massenstart hinzu. 1997 trennte sich die seit vier Jahren bestehende Internationale Biathlon-Union (IBU) endgültig von den Modernen Fünf-Kämpfern. 2005 gab es den ersten WM-Titel für eine gemischte Staffel aus je zwei Frauen und Männern. 2019 in Östersund erlebt die jüngste Erfindung, die Single-Mixed-Staffel ihre Premiere. Damit werden nun bei Weltmeisterschaften 12 Wettkämpfe ausgetragen.

Die Disziplinen - Einzel

Die Männer gehen seit 1958 bei einer WM im Einzel über die 20-Kilometer-Distanz an den Start. Geschossen wird dabei, wie bei allen Wettbewerben, auf 50 Meter entfernte Scheiben, deren Durchmesser beim Stehendanschlag 11,5 Zentimeter und beim Liegenschießen 4,5 Zentimeter beträgt. Geschossen wird vier Mal je fünf Schuss, Fehler werden im Unterschied zu allen anderen Disziplinen nicht mit einer Strafrunde, sondern mit einer Strafminute geahndet. Die Frauen laufen den Einzel in seiner jetzigen Form seit 1989. Die Strecke beträgt 15 Kilometer, geschossen wird wie bei den Männern viermal.

Staffel

Der ersten Staffelwettbewerb für Männer bei einer WM gab es 1965, ein Jahr später wurde er in seiner heutigen Form über 4 x 7,5 Kilometer eingeführt. Im Unterschied zum Einzel wird nur zweimal geschossen, erst liegend, dann stehend. Bei Fehlschüssen hat der Sportler drei Reservepatronen zur Verfügung. Sollten dann noch Scheiben stehen bleiben, geht es in die Strafrunde. Die Frauen laufen die Staffel in ihrer jetzigen Form über 4 x 6 Kilometer seit 2003. Zuvor war ein wenig experimentiert worden, erst als 3x5-Kilometer-Staffel, später als 4x7,5 Kilometer-Rennen.

Sprint

1974, bei der WM im damals sowjetischen Raubitschy bei Minsk, wurde erstmals eine kürzere Strecke gelaufen, der Sprint. Beim Sprint wird nur zweimal geschossen, die Laufdistanz beträgt zehn Kilometer. Ein Schießfehler wird wie in der Staffel und den später dazugekommenen Disziplinen mit einer Strafrunde von rund 150 Metern geahndet. Die Sportler brauchen für eine Runde zwischen 20 und 30 Sekunden. Der Sprint stand auch bei der Frauen-WM-Premiere 1984 im Programm. Damals noch als sehr kurzes Rennen über 5 Kilometer. Seit 1989 sind es 7,5 Kilometer.

Verfolgung

Seit 1997 ist die Verfolgung im WM-Programm. Sie wurde für Männer und Frauen zugleich eingeführt. Für die Männer geht es über 12,5 Kilometer, für die Frauen über 10 Kilometer. Die Starter nehmen dabei die Zeitrückstände aus dem Sprint mit, wobei der Schnellste als Erster in die Loipe geht. Geschossen wird vier mal, erst zwei mal liegend, dann zwei mal stehend.

Massenstart

Der Massenstart ist die jüngste Einzeldisziplin im Biathlon. Bei der WM gibt es ihn seit 1999 und bildet seitdem den Abschluss einer WM. Dabei laufen 30 Athleten gleichzeitig los, vier Schießeinlagen und 15 Kilometer (Männer) bzw. 12,5 Kilometer (Frauen) sind zu absolvieren. Das Starterfeld setzt sich zusammen aus den 15 Besten im Weltcup und allen Medaillengewinnern der laufenden WM. Aufgefüllt wird dann mit allen weiteren, die bei der WM in Sprint, Verfolgung und Einzel die meisten Punkte gesammelt haben.

Mixed-Staffel

Die gemischte Staffel aus je zwei Männern und Frauen wurde 2005 innerhalb eines Weltcups zum ersten Mal als WM ausgetragen und ist seit 2007 im regulären WM-Programm integriert. Mit dieser Disziplin sollten auch jenen Nationen eine Chance auf eine Staffel-Medaille gegeben haben, die nicht genügend gute Athleten für eine Männer- oder Frauenstaffel haben. Gelaufen wird sie wie eine normale Staffel, d.h., die Strecke für die Frauen beträgt sechs Kilometer, die der Männer 7,5 Kilometer.

Single-Mixed-Staffel

Dieser Wettbewerb erlebt 2019 in Östersund seine WM-Premiere. Zu einer Staffel, besser einem Team, gehören je eine Frau und ein Mann. Einer von beiden (zumeist die Frau) läuft 4 Runden a 1,5 Kilometer, der oder die andere 5 Runden a 1,5 Kilometer. Bei der WM beginnen die Frauen mit einer 1,5-km-Runde, schießen dann liegend, laufen wieder 1,5 Kilometer, schießen stehend und übergeben dann sofort an die Männer. Die tun das gleiche, übergeben noch einmal an die Frauen, die nach zwei Runden wieder an die Männer. Diese müssen dann nach ihrem letzten Schießen noch eine weitere, insgesamt fünfte Runde drehen, ehe sie ins Ziel kommen. Geschossen wird nach den Regeln von Staffeln, also mit Reservepatronen. Einziger Unterschied: die Strafrunde ist nur 75 Meter lang.

Thema in: Wintersport im Ersten, ab 07.03..2019

red | Stand: 04.03.2019, 16:29

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