Biathleten nach Seefeld-Skandal zwischen Entsetzen und Erleichterung

Vor der Biathlon-WM in Östersund

Biathleten nach Seefeld-Skandal zwischen Entsetzen und Erleichterung

Von Dirk Hofmeister, Östersund

Der Dopingskandal der Nordischen Ski-WM legt auch über die Biathlon-WM in Östersund einen Schatten. Die Reaktionen der Sportler schwanken zwischen Schock, Wut und Erleichterung. Auf die WM in Östersund habe der Seefeld-Skandal aber einen positiven Effekt.

Laura Dahlmeier war "brutal schockiert", Denise Herrmann zeigte sich "erschüttert", und Schwedens Medaillenhoffnung Sebastian Samuelsson schwankt zwischen "Wut, Empörung und Traurigkeit". Die Biathlon-WM hat schon weit vor ihrem ersten Wettkampf das erste Aufregerthema - und zwar kein sportliches: Der Dopingskandal rund um die WM in Seefeld bewegt auch die Biathlon-Welt.

Herrmann: "Wie in einem schlechten Film"

"Das erschüttert die ganze Szene", erklärte Dahlmeier am Mittwoch (06.03.2019) am Rande des Trainings in Östersund. Herrmann fühlte sich "wie in einem schlechten Film. Theoretisch davon zu hören und dann die Bilder zu sehen. Das sind zwei Paar Schuhe", so die Sächsin über den Langläufer Max Hauke, der bei der Nordischen Ski-WM mit einer Bluttransfusion im Arm erwischt wurde.

Johannes Thingnes Bö befürwortet Razzien

Entsetzen und Erleichterung - so die beiden hauptsächlichen Reaktionen der Biathleten auf den Skandal von Seefeld. Entsetzen über den Skandal. Erleichterung über den Erfolg im Kampf gegen Doping. Herrmann sieht in der Festnahme von mittlerweile sechs Langläufern und zwei Radprofis "ein gutes Zeichen". Es sei gut, dass es in Zusammenarbeit mit der Polizei zu Festnahmen gekommen sei. Norwegens Langlaufstar Johannes Thingnes Bö sieht in den Razzien wie zuletzt in Seefeld sogar die einzige Möglichkeit, Dopingsünder zu entlarven. "Das ist der neue Weg, um die Betrüger zu erwischen. Es ist eine gute Prozedur, weil sich nun niemand mehr sicher sein und die Polizei in jedem Moment an der Tür klopfen kann", sagte der 25-Jährige am Mittwoch im ARD-Hörfunk.

Pichler: "So dumm kann keiner sein"

Razzien wie in Seefeld wird es in Östersund nicht geben. Weil Schweden kein vergleichbar strenges Anti-Doping-Gesetz hat. Und, so ist sich Schwedens Nationaltrainer Wolfgang Pichler sicher, "weil niemand so dumm sein wird, nach Seefeld gedopt hierher zu kommen. Hier ist kein guter Platz, um einen Dopingsünder zu finden. So dumm kann keiner sein."

Dahlmeier: "Wir sind absolut sauber"

Samuelsson, der sich in der Vergangenheit wiederholt gegen Doping im Biathlon ausgesprochen hat, hofft für Östersund, "dass die Betrüger jetzt richtig nervös sind und richtig schlecht schlafen." Dass die deutschen Athleten gut schlafen, beteuert Dahlmeier: "Wir sind absolut sauber." Das glaubt auch Pichler: "In Deutschland verlierst Du alles, wenn Du dopst. Du verlierst einen Haufen Geld. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland gedopt wird." Für sein schwedisches Team geht er sogar noch einen Schritt weiter: "Wir haben in Schweden noch nie einen Dopingfall gehabt, Für alle meine Athleten lege ich meine Hand ins Feuer."

Stand: 06.03.2019, 14:58

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