7.000 Punkte - Basketballer Paulding muss warten

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7.000 Punkte - Basketballer Paulding muss warten

Von Christian Görtzen

Rickey Paulding ist beim Basketball-Bundesligisten Baskets Oldenburg eine Legende. Beim 86:89 gegen Alba Berlin am Sonntagabend verfehlte der 38-Jährige die magische Marke von 7.000 Punkten. Noch 13 Punkte fehlen.

Den Namen des Gegners erarbeitet er sich mehr, als dass er ihn frei heraus benennen könnte. "Bamberg, nicht wahr? Ja, doch, die waren es", sagt Paulding im Telefongespräch mit dem NDR. Viel mehr gibt seine Erinnerung nicht preis. Es ist, zugegeben, auch schon lange her - geradezu Ewigkeiten für einen Sport wie Basketball, in dem gerne mal Verträge für die Dauer von nur zwölf Monaten abgeschlossen werden.

Sechs Punkte - rückblickend wie ein Aufbruch

Besagte Partie am 7. Oktober 2007 wäre heute mit Sicherheit in der Vereinschronik der Baskets Oldenburg keine Erwähnung wert, wenn am ersten Spieltag der Bundesligasaison 2007/2008 bei den Niedersachsen nicht ein kurz zuvor aus Frankreich gekommener Profi amerikanischer Herkunft seine ersten Punkte erzielt hätte. Sechs waren es an der Zahl. Sie besaßen zwar keinen gewinnbringenden Einfluss, die Partie in Franken ging mit 55:57 verloren.

Im Rückblick aber erscheinen sie wie der Aufbruch zu etwas Großem. Es waren die ersten zaghaften Schritte auf dem Weg zum "Siebentausender" in der Liga-Historie - dem Erreichen von 7.000 Punkten. Nach Rechnung der Baskets - die BBL pflegt die Statistik nicht allzu sorgsam - steht Paulding nach dem 86:89 am Sonntagabend gegen Alba Berlin bei 6.987 Punkten. 13 Punkte steuerte Paulding gegen die Berliner bei. Noch einmal 13 fehlen.

Fällt die Marke in Frankfurt?

Dass der 38 Jahre alte Baskets-Kapitän als Zweiter nach dem Ex-Braunschweiger Mike Jackel diesen Gipfel erklimmen wird, sofern er fit bleibt, dürfte sicher sein. Es bleibt nur die Frage, wann das geschehen wird. Die nächste Chance bietet sich am 21. November in Frankfurt.

Paulding: Bloß nicht zu viel nachdenken

"Der Ewige", wie sie ihn in Oldenburg nennen, begegnet dieser Aussicht mit großer innerer Ruhe. "Wenn du zu viel darüber nachdenkst, würde es zusätzlichen Druck erzeugen. Dann wird jedes Spiel stressig. Es ist besser, einfach die Spiele zu spielen. Und wenn es passiert, dann passiert es", sagt der 1,96-Meter-Mann mit der Trikotnummer 23.

Und überhaupt: Den perfekten Zeitpunkt habe die Corona-Pandemie weggewischt. "In einer perfekten Welt wäre es schön gewesen, das vor den Fans zu schaffen - also am Sonntag gegen Berlin. Aber nun, ohne Fans, macht es keinen allzu großen Unterschied, ob es nun zu Hause dazu kommt oder auswärts."

Pauldings Vertrag läuft bis 2022

Der noch immer flinke Enddreißiger, der auf den Positionen Shooting Guard und Small Forward wirbelt, hätte in jedem Fall weitaus mehr an Applaus verdient gehabt, als es die Auswirkungen des Virus zulassen. Paulding und die Baskets Oldenburg - das gehört längst zusammen. 13 Jahre besteht diese Verbindung nun schon. 15 sollen es mindestens werden, hat er doch im Februar seinen Vertrag beim deutschen Meister von 2009 und BBL-Pokalsieger von 2015 bis zum Sommer 2022 verlängert.

"Wenn Rickey aufhört, wird es Tränen geben"

Ehrungen sind dem Amerikaner, der Grünkohl zu seinen Lieblingsspeisen zählt, schon einige zuteil geworden - etwa das riesige Graffiti in unmittelbarer Nähe der Oldenburger Arena, auf dem ihm zu Ehren in großen Lettern "Pauldingburg" zu lesen ist.

Dazu die Liebe der Fans, die Peter Mydla, zweiter Vorsitzender des Fanclubs "Flying Moins", auf Nachfrage gerne bestätigt: "Rickey hat eine ganz schön große Bedeutung für den Club. Wenn er irgendwann aufhört, wird es Tränen geben bei vielen Fans. Manche von ihnen sagen, dass sie nur für Rickey zu den Spielen kommen."

Und Lobeshymnen gibt es auch vom Trainer. Mladen Drijencic sagte vor einiger Zeit, er danke jeden Morgen Gott dafür, dass er Rickey Paulding in seinem Team habe. Paulding dazu: "Es ist gut, dort zu sein, wo man erwünscht ist. Das hat dazu geführt, dass ich nicht nach einem anderen Club gesucht habe. Ich habe ja alles hier. Es ist besonders und ein gutes Gefühl, dass der Coach so hinter einem steht, zu 100 Prozent."

Oldenburg für die Familie "schnell ein Zuhause"

Ein wichtiger Baustein für seine Vereinstreue sei für ihn als Vater von drei Kindern gewesen, "dass es sich für mich und meine Familie in Oldenburg schnell wie ein Zuhause angefühlt hat". Dass es nun aber schon 13 Jahre geworden sind, erstaunt selbst Paulding. "Hätte mir jemand im Sommer 2007 so etwas vorhergesagt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Vor meinem Wechsel zu Oldenburg war ich in Europa ja nur jeweils eine Saison bei den Clubs", sagt er.

Was nach der Karriere kommt? "In jedem Fall etwas mit Basketball. Vielleicht arbeite ich später als Profi-Trainer - oder gerne als Jugendtrainer, hoffentlich in Oldenburg", antwortet Paulding, der sich aber zunächst noch als Spieler auf dem Feld als treffsicher erweisen möchte.

7.000-Punkte-Marke "ein Meilenstein für mich"

Natürlich, das räumt er ein, sei das Erreichen der 7.000-Punkte-Marke etwas, worauf er stolz sei. "Das ist ein Meilenstein in meiner Karriere. Es ist eine Freude für mich, dass ich ein Teil der Geschichte sein werde und dass ich dies meinen Kindern zeigen kann, wenn sie mich später einmal danach fragen sollten", erklärt er.

Den ersten Platz in der "ewigen Scorerliste der BBL" hält Jackel mit 10.789 Punkten. Ein paar Jahre Zeit müsste Paulding also noch investieren. So zwei bis drei, oder? "Dafür müsste es sicherlich ein bisschen mehr sein", sagt Paulding. Und dann lacht er.

Dieses Thema im Programm:
NDR 2 Sport | 15.11.2020 | 23:03 Uhr

NDR | Stand: 16.11.2020, 09:16

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