Boston Celtics vs. Golden State Warriors NBA Finals: Der große Abend von Bostons "Big Three"

Stand: 10.06.2022 15:42 Uhr

Steph Curry traf wie immer zuverlässig. Klay Thompson spielte endlich wieder stark. Dennoch verloren die Golden State Warriors das dritte NBA-Finalspiel in Boston klar. Das lag an einem Celtics-Trio, dem Historisches gelang.

Von Heiko Oldörp

Der Hallensprecher brüllte "JayyyyTeeeee!!!!" in sein Mikro und die 19.156 Zuschauer im ausverkauften TD Garden sprangen jubelnd auf. Denn dieser "JayyyyTeeeee", der mit bürgerlichem Namen Jayson Christopher Tatum heißt, hatte knapp sechs Minuten vor Spielschluss den Vorsprung der Boston Celtics gegen die Golden State Warriors auf elf Punkte (107:96) ausgebaut.

Es war eine Aktion der Art "Ihr-könnt-mich-nicht-stoppen". Tatum stand knapp zwei Meter hinter der Dreier-Linie. Dann trat er an, umdribbelte energisch Steph Curry, sprang Richtung Korb, legte den Ball von seiner linken in die rechte Hand, flog auch noch am vor ihm stehenden Draymond Green vorbei und ließ den Ball über seine Finger ins Netz rollen. Das alles dauerte drei Sekunden. Es waren drei Sekunden Basketball-Perfektion.

Boston gelingt alles, Golden State nichts

Und es war die erste von vier Aktionen innerhalb von 69 Sekunden, an denen die wichtigsten fünf Akteure des Spiels beteiligt waren. Und in denen klar wurde, dass wohl nur die Celtics diese Begegnung gewinnen würden. Denn in diesen 69 Sekunden klappte bei ihnen einfach alles - und bei den Gästen nichts. Nach Tatums Korbleger warf Curry einen Dreier. Das tat er oft an diesem Abend - und sechsmal war er dabei auch erfolgreich gewesen. Doch dieser Versuch misslang.

Auf der Gegenseite wiederum traf Bostons Spielmacher Marcus Smart nach Pass von Tatum seinen Dreier-Versuch, die Celtics führten somit 110:96. Und als dann Klay Thompson aus Nahdistanz für die Warriors scheinbar sicher auf 98:110 verkürzen wollte, kam plötzlich Bostons Jaylen Brown angeflogen und blockte den Versuch. Wieder sprangen die Zuschauer begeistert auf - unter ihnen auch Paul Pierce.

Brown mit 17 Punkten im Auftakt-Viertel

Er saß im ersten Celtics-Finalheimspiel seit 2010 in grün-weißer Vereins-Jacke am Spielfeldrand. Bei Bostons bislang letztem Titelgewinn im Jahr 2008 war Pierce der Kapitän. Und er bildete damals zusammen mit Kevin Garnett und Ray Allen "The Big Three". In der dritten Finalpartie hatten die Celtics mit Tatum (26 Punkte, 6 Rebounds, 9 Assists), Brown (27/9/5) und Smart (24/7/5), erneut "Drei Große". Brown übernahm zu Beginn das Kommando, steuerte 17 Zähler zur 33:22-Führung nach dem ersten Viertel bei. "Er hat uns geführt, wir sind ihm gefolgt", sagte Smart, als er kurz nach Mitternacht mit Sonnenbrille zur Pressekonferenz kam. Er selbst und Tatum hatten vor allem im Schlussabschnitt ihre besten Szenen.

Brown, Tatum und Smart schafften in diesem wichtigen Spiel gar etwas, das seit dem Los-Angeles-Lakers-Trio Magic Johnson, Kareem Abdul-Jabbar und Michael Cooper in den Finals 1984 keinen drei Teamkollegen mehr gelungen war. Jeder kam auf mindestens 20 Punkte, fünf Rebounds und fünf Assists. "Da sind wir ja in großartiger Gesellschaft", meinte Tatum und forderte, auf diese Leistung aufzubauen. Zugleich mahnte er, sich "nicht zu sehr darüber freuen", sondern den Fokus auf die Vorbereitung für Spiel vier zu legen und vorbereitet zu sein.

Thompson fast so perfekt wie einst

Bei den Gästen zeigte Klay Thompson seine beste Partie der Finalserie. Der Distanzschütze, der 941 Tage wegen eines Kreuzbandrisses und eines Achillessehnenrisses gefehlt hatte und erst im Januar sein Comeback gab, galt im Vorfeld der Endspiele als große Unbekannte. Was darf von ihm erwartet werden? Kann er womöglich schon an seine herausragende Form der drei siegreichen Finals 2015, 2017 und 2018 herankommen? Zumindest einigermaßen?

Erstmals seit 2010 gab es in Boston wieder ein Finals-Spiel in der NBA. Die Celtics nutzten dies für einen Sieg gegen die Golden State Warrios.

Nachdem Thompson in den ersten beiden Partien nur auf elf und 15 Punkte gekommen war, spielte er diesmal stark. Einige seiner Würfe waren so geschmeidig, dass sie an seine Perfektion vor den schweren Verletzungen erinnerten. Thompson traf fünf Dreier, sammelte 25 Zähler. Und auf Curry (31 Punkte) war ohnehin Verlass. Doch im Schlussviertel konnten beide trotzdem nicht verhindern, dass die Celtics von 93:89 auf 116:100 davonzogen.

Lockdown-Defensive macht den Unterschied

Das wiederum lag an der starken Verteidigung der Gastgeber. "Wir haben uns auf unsere Lockdown-Defensive verlassen können", stellte Celtics-Trainer Ime Udoka zufrieden fest. Thompson traf gar nicht mehr, Curry nur noch einmal. Dass zudem Draymond Green, der "Pitbull" der Warriors-Abwehr, vier Minuten vor Spielschluss nach seinem sechsten Foul vom Parkett musste, erschwerte die Sache zusätzlich.

Die Celtics haben ihre imposante Serie ausgebaut und auch ihr siebtes Spiel nach einer vorangegangenen Niederlage gewonnen. "Noch zwei Siege", brüllte Al Horford beim Interview nach Spielschluss und gab den Fans somit die Steilvorlage. "Two more wins", grölten sie beim Verlassen der Arena minutenlang.

Am Freitag hat Boston erneut Heimrecht. Doch die Warriors haben bislang ebenfalls gezeigt, dass sie ein verlorenes Spiel gut wegstecken können. Auch sie haben das Parkett noch nicht zweimal nacheinander als Verlierer verlassen. Diese Bilanz müssen sie am Freitag verteidigen.