Fünf sportliche Erkenntnisse aus dem NBA-Restart

Fred VanVleet (Mitte) kämpft gegen Jae Crowder um den Ball

Raptors wieder stark, Wizards fehlt Substanz

Fünf sportliche Erkenntnisse aus dem NBA-Restart

Von Robin Tillenburg

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist: Das Corona-Konzept der NBA-"Bubble" funktioniert offenbar. Nur deshalb ist es überhaupt möglich, das Sportliche in der nordamerikanischen Basketball-Liga in den Fokus zu stellen. Inzwischen haben die meisten Teams drei Spiele in Orlando absolviert und es lassen sich erste Trends erkennen.

Erkenntnis 1: Die Toronto Raptors können den Titel verteidigen

Nach dem Abgang von Finals-MVP Kawhi Leonard, der in der vergangenen Saison der prägende Spieler des am Ende ja doch ziemlich überraschenden Meisters war, trauten die wenigsten NBA-Experten den Raptors zu, auch in diesem Jahr um den Titel mitzuspielen. Die meisten erwarteten nicht einmal, dass sie in der Eastern Conference die Milwaukee Bucks ernsthaft würden gefährden können.

Nachdem Toronto aber nun in der Bubble den Titelfavoriten Los Angeles Lakers und danach die aktuell wirklich starken Miami Heat besiegt hat, steht die Bilanz der Raptors aus den jüngsten 27 Spielen bei 23 Siegen. Toronto ist das heißeste Team der Liga und hat es geschafft, die Form nach Orlando hinüberzuretten. Lakers-Superstar LeBron James erklärte das nach dem direkten Aufeinandertreffen mit der "Championship-DNA", die die Raptors, deren restliches Team größtenteils zusammen geblieben ist, durch den Titelgewinn nun eben in sich trügen. Zudem sei die Mannschaft "well coached".

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Letzteres ist ein entscheidender Punkt. Nick Nurse coacht gerade in der Defensive so kreativ wie kaum ein anderer NBA-Trainer. Ständig wechseln die Raptors ihre Systeme, agieren dabei auch mal unorthodox und stellen statistisch dadurch die zweitbeste Defensive der Liga. De facto ist das Team mit den "Big Men" Marc Gasol und Serge Ibaka, dem wendigen Flügelspieler Pascal Siakam, dem stets auf Steals lauernden Fred VanVleet und Kyle Lowry, der Offensivfouls am Fließband produziert, aber wohl so ziemlich das defensiv unangenehmste der NBA.

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Nurse hat etliche Akteure im Roster, die bereit sind, die "Drecksarbeit" zu übernehmen und gleichzeitig offensiv genau ihre Rolle kennen. Weil auch die Teamchemie hervorragend ist, was bei einem langen isolierten Aufenthalt in der Bubble ja mit zunehmender Dauer auch zum entscheidenden Faktor werden kann, sind die Raptors ein absolut ernstzunehmender Titelkandidat. Zumal zum Beispiel die Bucks momentan noch nicht zurück in die Spur gefunden haben.

Erkenntnis 2: T.J. Warren liebt die Bubble

T.J. Warren war schon vor dem Restart gemeinsam mit Domantas Sabonis einer der Topscorer der Indiana Pacers, die im Osten auf Rang fünf rangieren. Sabonis fällt aber verletzungsbedingt erst einmal aus und wird auch nicht so schnell zurückerwartet. Victor Oladipo, der eigentliche "Star" im Kader, wird nach langer Verletzungspause weiterhin langsam herangeführt.

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Die Offensivlast der Pacers liegt also bei Warren - und obwohl gegnerische Teams das wissen (müssten), ist der 26-Jährige aktuell so heiß wie nie in seiner Karriere. 53, 34, 32 - das sind die Punkte, die Warren in den ersten drei Partien in der Bubble auflegte. Damit ist er in dieser Zeitspanne der unangefochtene Topscorer der Liga. Bei zuvor im Schnitt etwa 18 Punkten ist das eine doch mehr als beachtenswerte Steigerung. Weil Warren dabei auch noch effizient agiert, steht Indiana bei drei Siegen aus drei Spielen.

Erkenntnis 3: Im Westen wird aufgeholt

Die ersten acht Plätze jeder Conference berechtigen zur Teilnahme an den Playoffs. Theoretisch. Denn in der Bubble gibt es die Sonderregel, dass der Neunte und der Achte bei einem Abstand von vier Siegen oder weniger den verbleibenden Platz ausspielen. Dann muss der Achte von zwei Spielen gegeneinander mindestens eines gewinnen, um auch tatsächlich unter den letzten 16 zu landen. Im Westen deutet sich dieses Szenario ziemlich deutlich an.

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Dort stehen die Memphis Grizzlies auf Rang acht - noch. Denn seit dem Restart haben Ja Morant und Co. noch kein Spiel gewonnen, und jetzt hat sich auch noch Leistungsträger Jaren Jackson Jr. verletzt und wird ausfallen. All das hat zur Folge, dass alle fünf Kontrahenten um den vakanten Platz aktuell innerhalb dieser Vier-Spiele-Reichweite sind. Die Portland Trail Blazers (zwei von drei Spielen gewonnen und 1,5 Spiele zurück), die San Antonio Spurs (zwei von drei, zwei Siege zurück) oder die extrem heißen Phoenix Suns (alle drei Spiele gewonnen, drei Siege zurück) sind allesamt momentan deutlich besser drauf. Gut möglich also, dass der achte Platz im Westen am Ende im direkten Duell entschieden wird.

Erkenntnis 4: Den Wizards fehlt es an Substanz

Dass die Washington Wizards als Neunter im Osten ohnehin nur Außenseiterchancen im Kampf um die Playoffs haben würden, war schon vor dem ersten Spiel nach der Pause relativ wahrscheinlich. Nach den ersten drei sieglosen Partien muss man konstatieren, dass sich diese Vermutung bestätigt. Ohne Bradley Beal, Davis Bertans und John Wall - unbestritten drei eigentliche Leistungsträger - können die jungen Wizards nicht mithalten. Isaac Bonga und Moritz Wagner können (noch) keinen entscheidenden Beitrag leisten, und auch Rookie Rui Hachimura ist zwar ohne Frage hochtalentiert, aber noch nicht in der Lage, ein Team zu tragen. Bei inzwischen siebeneinhalb Siegen Rückstand tendieren die Playoff-Hoffnungen der Wizards gegen Null.

Erkenntnis 5: Die Sixers sind kein Titelkandidat

Die Philadelphia 76ers gelten seit Beginn der vergangenen Saison eigentlich als vielversprechendes Ensemble, das es kurz- bis mittelfristig zu einem Top-Team im Osten schaffen sollte. Kurzfristig sieht es momentan nicht so aus, als wären Joel Embiid, Ben Simmons und Co. in der Lage, diese Erwartungen zu erfüllen. In der Bubble bestätigt sich das. Eigentlich wolle man "das beste Defensiv-Team der Liga" sein, meinte Embiid jüngst erneut. Mit 127 und 130 kassierten Punkten in den ersten beiden Spielen seit dem Restart ist man weit davon entfernt.

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Das "Schlimmste": Das Defensivpotenzial ist ohne Zweifel vorhanden. Es scheint an der Einstellung zu liegen, im Team stimmt es nicht. Shake Milton und Embiid gerieten auf dem Spielfeld aneinander, Coach Brett Brown verlangte wütend, dass man jetzt "endlich den Schalter umlegen" müsse. Damit hat er recht. Stand jetzt würde man als Sechster im Osten im ersten Playoff-Spiel gegen die Boston Celtics spielen - ein Matchup, das man in der aktuellen Verfassung wohl keinesfalls gewinnen würde. Bei allem vorhandenen Talent.

Stand: 05.08.2020, 12:01

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