NBA-Draft - das sind die Top-Picks

LaMelo Ball am Ball

Von Avdija bis Wiseman

NBA-Draft - das sind die Top-Picks

Von Robin Tillenburg

In der NBA steht in der Nacht zu Donnerstag (19.11.2020) der Draft auf dem Programm. Der aktuelle Talentejahrgang gilt nicht unbedingt als herausragend besetzt - Star-Potenzial gibt es dennoch.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist der Draft in diesem Jahr keine "Präsenz-Veranstaltung", sondern findet digital statt. In Bristol, Connecticut an der Ostküste steht das Studio, aus dem übertragen und in das die gewählten Talente dann per Video zugeschaltet werden. Ortszeit 18.30 Uhr am Mittwoch (18.11.2020) und damit 0.30 Uhr deutscher Zeit am Donnerstag geht es los.

Killian Hayes "vertritt" die BBL

Deutsche Spieler werden in diesem Jahr voraussichtlich nicht unter den insgesamt 60 ausgewählten Spielern sein, in den gängigen "Mock Drafts" der gewöhnlich gut informierten US-Experten findet sich kein Deutscher.

Die BBL ist allerdings trotzdem vertreten. Der in den USA geborene Franzose Killian Hayes spielte im vergangenen Jahr für ratiopharm Ulm und dürfte auf der Point-Guard-Position einer der besten Spieler des Jahrgangs sein. Je nachdem welches Team sich besonders für den mit 1,94-Meter durchaus groß gewachsenen Spielmacher interessiert, könnte er sogar in die Top 5 rutschen, am wahrscheinlichsten dürfte aber ein Platz zwischen sechs und zehn sein.

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Fädeln die Warriors und Timberwolves noch einen Trade ein?

Die ersten fünf Teams, die in diesem Jahr wählen dürfen, sind die Minnesota Timberwolves, die Golden State Warriors, die Charlotte Hornets, die Chicago Bulls und die Cleveland Cavaliers. Die Ausgangslage für diese fünf Franchises könnte kaum unterschiedlicher sein.

Die Timberwolves haben in dem ehemaligen Nummer-Eins-Pick Karl-Anthony Towns und in Spielmacher D'Angelo Russell bereits ein noch immer junges Duo, auf das sie große Hoffnungen setzen. Die Golden State Warriors sind, wenn Steph Curry und der in der letzten Saison komplett verletzte Klay Thompson gesund bleiben, eigentlich trotz der letzten Spielzeit schon jetzt wieder im erweiterten Favoritenkreis anzusiedeln. Beide könnten sich dafür entscheiden, ihr Auswahlrecht oder ihren ausgewählten Spieler noch gegen einen erfahreneren Star zu tauschen, der ihnen sofort weiterhilft. Gerade bei den Warriors könnte das der Fall sein.

Die Hornets und die Cavaliers suchen noch ihre Identität und können somit nahezu jede Art von Topspieler gebrauchen. Ein echtes "Gesicht" hat ihr Team jeweils noch nicht. Bei den Chicago Bulls ist die Situation ambivalent. In Zach LaVine und Lauri Markkanen sind durchaus zwei Spieler im Roster, die immer noch jung und durchaus individuell gut genug sind, um das Team sportlich über längere Zeit zu führen. Auf der anderen Seite befinden sich die Bulls mal wieder im Umbruch. Wie groß ist das Vertrauen in LaVine und Markkanen? Holt man einen Spieler, der einen von ihnen "verdrängt" oder einen, der sie ergänzt? Letzteres scheint wahrscheinlicher.

Edwards mit größtem Talent?

Die drei Kandidaten, die mit der größten Wahrscheinlichkeit unter den ersten fünf Picks zu finden sein werden, sind LaMelo Ball, Anthony Edwards und James Wiseman.

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Anthony Edwards ist kein Mann der ganz leisen Töne. Der Shooting Guard verglich sich und seinen Spielstil jüngst mit dem von Miami-Heat-Ikone Dwyane Wade und äußerte im selben Atemzug er könne sogar besser als dieser werden. Wade reagierte entspannt und attestierte Edwards das Potenzial, das vielleicht sogar schaffen zu können. Edwards ist ein unglaublich athletischer und beweglicher Shooting Guard, der offensiv, wenn er noch an seinem Distanzwurf arbeitet, ein Albtraum für fast jeden NBA-Verteidiger werden dürfte. Allerdings haftet ihm immer mal wieder ein gewisses Phlegma an, das er sich in der NBA nicht erlauben sollte. Rein talenttechnisch dürfte Edwards in diesem Draft das Nonplusultra sein. Die Timberwolves könnten sich, wenn sie keinen Trade einfädeln, deshalb für Edwards entscheiden.

"Fällt" Ball auf Rang vier?

Wiseman gilt als bester "Big Man" im Draft. Mit seiner Athletik und Physis ist der 2,16-Meter-Mann prädestiniert, ein guter Rebounder, Blocker und "klassischer" Center zu werden. Sein Wurfarsenal in Korbnähe ist zudem bereits relativ variabel. Problematisch: Wiseman hat kaum Spiele im College absolviert, die Vergleichswerte auf Top-Niveau sind für die NBA-Teams also relativ gering. Gut möglich, dass Wiseman noch Zeit braucht, weshalb er eher zu einem "fertigeren" Team passen würde, in dem er keine riesige Rolle übernehmen muss. Bei den Warriors wäre das so. Ein physisch starker Rebounder und Abräumer würde gerade der Variabilität des Teams von Coach Steve Kerr, dessen andere Stars ja eher "kleiner" gewachsen sind, durchaus helfen. Und in eventuelle andere Aufgaben könnte er hinein wachsen und dem Team trotzdem bereits weiterhelfen.

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Ball ist ein spektakulärer, offensiver Point Guard, dessen Übersicht und Ballhandling höchsten Ansprüchen genügen. Durch seinen bereits in der NBA aktiven Bruder Lonzo und seinen Vater Lavar ist er mit Abstand der prominenteste und schillerndste Spieler im Draft - der "Reality-TV-Vibe", der ihm aber anhaftet, sowie sein wackliger Wurf und seine Defensivarbeit könnten ihn für manche Teams unattraktiv machen. Das - und dass die Charlotte Hornets sich wohl für Terry Rozier als Point Guard entschieden zu haben scheinen, könnte dafür sorgen, dass Ball einen Platz abrutscht und als Vierter von den Chicago Bulls gewählt wird. Als Spielmacher könnte Ball Lavine und Markkanen optimal in Szene setzen.

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Avdija bester internationaler Spieler?

Dazwischen, also auf Rang drei, wählen die Hornets sehr wahrscheinlich einen "Big". Der Wunsch danach klang zumindest zuletzt immer wieder bei den Verantwortlichen durch - und ergibt auch Sinn. Wenn Wiseman nicht mehr verfügbar sein sollte, wäre die nächste Wahl wohl Onyeka Okongwu. Der bringt defensiv ein echtes Komplettpaket mit und dürfte deshalb auf jeden Fall sofort eine Verstärkung sein. Offensiv muss der Mann, der am College für die USC Trojans spielte, allerdings noch einiges lernen. Wenn ihm das aber auch nur ansatzweise gelingt, sieht die Perspektive gut aus.

Auf Rang fünf könnten die Cavaliers sich für Deni Avdija entscheiden. Der Israeli hat als Flügelspieler das Zeug dazu, der prägende Spieler eines NBA-Teams zu werden - und genau so jemand fehlt den Cavaliers noch. Colin Sexton und Darius Garland sind solide bis gute NBA-Spieler, aber ihnen fehlt ein "Go-to-guy" an der Seite, ein Unterschiedsspieler. Der kann Advija sein. Enorm vielseitig, enorm spielstark und spielintelligent - der 19-Jährige ist bereits israelischer A-Nationalspieler und auf Top-Niveau erprobt. Wenn er physisch den Sprung in die NBA schafft, kann er kurz- bis mittelfristig zum Star werden.

Stand: 18.11.2020, 07:00

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