Dallas in den NBA-Playoffs - Doncic, Doncic, Doncic

Luka Doncic jubelt für Dallas

Basketball

Dallas in den NBA-Playoffs - Doncic, Doncic, Doncic

Von Robin Tillenburg

Luka Doncic führt die Dallas Mavericks womöglich erstmals seit 2011 wieder in die zweite Playoff-Runde der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA. Dass er dabei offensiv quasi die gesamte Last des Teams trägt, ist beeindruckend - aber gefährlich.

42 Punkte, 14 Assists, acht Rebounds - wieder einmal waren die Zahlen des Slowenen im fünften Spiel der Playoff-Serie gegen die Los Angeles Clippers echte "Video-Game-Numbers". Also Statistiken, die man eigentlich normalerweise auf der Spielkonsole, nur selten aber im "echten" Basketball erlebt. Bei Doncic sind diese Werte normal.

Trotz Doppel- und Dreifachbewachung

42 Punkte und 14 Assists - an über 70 Punkten von den 105, die die Mavericks beim 105:100 auflegten, war Doncic direkt beteiligt. Ein Fabelwert. Mal wieder. Vor allem in Durchgang eins, in dem Doncic 27 Zähler und acht Vorlagen gelangen, war die Übermacht, die der ja immer noch erst 22-Jährige auf dem Court ausstrahlte, beinahe absurd. Immer wieder stellten die Clippers ihre Defense um und teilten Doncic einen oder mehrere neue Gegenspieler zu - es nützte nichts. Nicht einmal der zweifache Finals-MVP und zweifache Defensive Player of the Year Kawhi Leonard konnte Doncic konstant daran hindern, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.

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Doch mit zunehmender Spieldauer konnte man sehen, dass Doncics Akku leerer wurde. Mit seiner Extraklasse konnte er zwar weiterhin wichtige Akzente setzen, doch das Durchpusten wurde häufiger. In der Defense musste er sich seine Pausen nehmen. In einem Videospiel wäre seine Energieanzeige schon im dritten Viertel wohl aus dem grünen in den orangen Bereich gewandert. Es reichte trotzdem zum Sieg für die "Mavs", die defensiv als echte Einheit fungierten und sich aufopferungsvoll füreinander einsetzten. In der Defensive klappt das. Offensiv bisher aber noch nicht.

Lillard ist allein - Doncic ist mutterseelenallein

Mit im Schnitt 35 Punkten liegt Doncic auf Rang eins in der Playoff-Scorerliste. Gefolg von Damian Lillard von den Portland Trail Blazers mit 34,3. Bei Portland ist C. J. McCollum mit 20,7 Punkten pro Spiel bisher der zweitgefährlichste Scorer in der Postseason. Das ist ein ordentlicher Abstand. Dahinter kommt Norman Powell mit 17,0.

Doch während Lillard schon ein echter Alleinunterhalter ist, ist die offensive Soloshow bei den Mavericks noch ausgeprägter. Zweitbester Schütze bei den Texanern in den Playoffs bisher: Tim Hardaway Jr. mit 17,0 Zählern, Dritter ist Kristaps Porzingis mit 13,8. Bei keinem Playoff-Team ist die Diskrepanz zwischen dem besten und zweitbesten Scorer so groß wie bei Dallas.

Kleber (r.) jubelt mit Doncic für Dallas

Doncic und Kleber liefern die meisten Assists

Und es geht noch weiter: Auch bei den Assists bringt Doncic es auf 9,4 pro Partie - der sechstbeste Wert. Zweitbester Maverick ist Maxi Kleber - mit glatten 2. Nur die Brooklyn Nets bringen es mit James Harden (10,6) und Kevin Durant (3,0) auf einen etwas größeren Abstand zwischen dem besten Passgeber und dem zweitbesten. Könnte Doncic sich selbst einen Assist zuspielen, ohne einen Schrittfehler zu begehen - er würde es wohl tun. Und es würde wohl auch funktionieren.

Wann ist der Akku leer?

Die Frage ist: Wie lange kann das gut gehen? Klar, wenn es gegen die Clippers klappt, die in der Regular Season die viertwenigsten Punkte zuließen und unter anderem Leonard in ihren Reihen haben, wird es wohl für jedes Team schwierig, Doncic auszuschalten. Wenn aber gerade von Porzingis, der eigentlich die zweite gefährliche Option in der Mavericks-Offense sein sollte, so wenig Gefahr für den Gegner ausgeht, und Doncic sich mit dauerhafter Doppel- oder Dreifachdeckung herumschlagen muss, wird es am Ende wahrscheinlich schlichtweg die eigene Physis sein, die den jungen Slowenen stoppen wird.

Doncic musste in der Regular Season im Schnitt mehr Minuten spielen als Steph Curry, LeBron James, Devin Booker oder Giannis Antetokounmpo. Und auch wenn Dallas alles tut, um ihm defensiv seine Pausen zu verschaffen, dürfte das nicht ausreichen, um in dieser Saison bereits um den Titel mitzuspielen. Dass Doncic, selbst großer Videospiel-Fan, auf dem Court wirkt wie ein Spieler in "NBA2K", den man mit unrealistischen Offensiv-Werten ausgestattet hat, ist angesichts der Last, die er bei den "Mavs" tragen muss, umso beeindruckender. Ein Sieg fehlt den Mavericks noch, um erstmals seit 2011 wieder die zweite Playoff-Runde zu erreichen - und bei wem man sich dann bedanken müsste, weiß man in Texas ganz genau.

Stand: 03.06.2021, 10:48

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