Basketball-Nationalspieler Dennis Schröder bei einer Pressekonferenz zur Eurobasket

WM-Quali im Basketball Alle Augen auf Dennis Schröder

Stand: 29.06.2022 13:52 Uhr

Die deutschen Basketballer starten in den EM-Sommer. Wieder mit Dennis Schröder, den der Bundestrainer weiter als Anführer sieht.

Vor den anstehenden WM-Qualifikationsspielen in Estland am Donnerstag (30.06.2022) und am Sonntag gegen Polen steht vor allem ein Spieler im Fokus bei den deutschen Basketballern: Dennis Schröder ist zurück im Nationalteam, nach drei Jahren Pause. Zuletzt lief Schröder bei der WM 2019 im DBB-Trikot auf. Das desaströse Abschneiden mit dem Vorrunden-Aus, begleitet von Debatten über schlechte Teamchemie, wurde seinerzeit auch dem Anführer und Spielmacher aus der NBA angelastet.

Schröder versicherte im Anschluss, die Verantwortung für das WM-Scheitern zu übernehmen und versprach Wiedergutmachung, auch gegenüber dem DBB. Beim großen Erfolg des vergangenen Jahres, der erstmaligen Teilnahme an den Olympischen Spielen seit der Nowitzki-Ära, fehlte der NBA-Star allerdings wegen nicht geklärter Versicherungsfragen.

Nun ist Schröder nach drei Jahren tatsächlich wieder zurück im DBB-Team - damit aber auch die alten Fragen, ob die Mannschaft mit ihm wirklich stärker wird oder ob der NBA-Regisseur womöglich wieder in alte Solo-Muster zurückfällt.

Herbert: Schröder kann "Unterschiedsspieler" sein

Für den Bundestrainer Gordon Herbert stellt sich diese Frage nicht, für ihn ist Schröder weiter der Anführer des Teams. "Wir freuen uns sehr, dass er dabei ist. Er kann für uns der Unterschiedsspieler sein", betonte Herbert.

Dies gilt für die zwei Spiele in der WM-Qualifikation, wo das deutsche Team nach zuletzt drei Siegen in Folge die Vorrundengruppe anführt und alle Chancen hat, sich für WM-Endrunde im Sommer 2023 in Japan, Indonesien und auf den Philippinen zu qualifizieren. Aber umso mehr für den Saisonhöhepunkt, die Heim-Europameisterschaft, die ab dem 1. September in Köln und Berlin stattfinden wird.

Der DBB und Bundestrainer Herbert haben als Ziel eine Medaille ausgegeben. Dies erscheint durchaus ambitioniert, angesichts einer Vorrundengruppe mit Frankreich, Litauen und den Slowenen mit NBA-Superstar Luka Doncic. Andererseits kann auch das deutsche Team, neben Schröder, auf eine Reihe weiterer, etablierter NBA-Spieler bauen: mit Maxi Kleber (Dallas) und Daniel Theis (Boston), die mit ihren Teams in den Playoffs sehr weit kamen. Und Jungstar Franz Wagner, der in seinem ersten Jahr in der NBA zu den besten fünf Rookies gewählt wurde.

Basteln am Kader für die Heim-EM

Bei den zwei WM-Qualifikationsspielen werden sie noch nicht beim DBB-Team sein, ebensowenig wie die Nationalspieler der zwei deutschen Topklubs Berlin und München, die sich vor knapp zwei Wochen noch im BBL-Finale gegenüberstanden und eine kräfteraubende Saison mit mehr als 80 Spielen in der Euroleague in den Knochen haben. Von den Spielern, die gegen Estland und Polen nominiert wurden, dürften für den EM-Kader neben Schröder und Isaac Bonga, dem zweiten NBA-Profi, nur noch Routinier Johannes Voigtmann und Spielmacher-Talent Justus Hollatz in Frage kommen.

Im Hintergrund bastelt Herbert deshalb auch schon am Kader für die EM, wo er dann personell, so die Hoffnung, aus dem Vollen schöpfen kann. Und damit soviel Talent zur Verfügung haben dürfte wie kaum ein Bundestrainer vor ihm: gerade auf den großen Positionen, dort hat etwa Berlins Johannes Thiemann, wertvollster Spieler der Finalserie in der BBL, einen weiteren Entwicklungssprung gemacht. Auch der erfahrene Tibor Pleiß, der beim Finalsieg in der Euroleague bei Anadolu Efes groß aufspielte, ist wieder ein Thema für die Nationalmannschaft.

Schröder: "Müssen uns vor niemandem verstecken"

"Wir haben sehr, sehr viel Qualität wir müssen uns vor niemandem verstecken", sagte Spielmacher Schröder mit Blick auf die Heim-EM. "Es ist eine neue Chance, den Basketball in Deutschland noch größer zu machen. Jeder ist schon heiß", sagte Schröder vor der Abreise nach Estland.

Die Finalspiele der EM finden in Berlin statt, dort habe das Team "noch eine Rechnung offen", sagte Schröder. Bei der Heim-EM 2015 schied das DBB-Team nach vier Niederlagen schon in der EM-Vorrunde aus.

Auch der Bundestrainer, ist erleichtert, Schröder schon bei den Quali-Spielen an Bord zu haben. "Das Fenster ist sehr wichtig für uns. Viele werden schon an die Eurobasket denken, aber unser Fokus liegt auf den beiden Qualifikationsspielen", sagte Herbert. Zwei Siege wären wichtig, auch weil die Punkte in der Qualifikation mit in die anschließende Hauptrunde mitgenommen werden. Dann würde es auch mit dem WM-Ticket für 2023 exzellent aussehen.