Bundestrainer Rödls bizarrer Taktik-Kniff: geplante Fehlwürfe

Henrik Rödl, deutscher Basketball-Bundestrainer, klatscht aufmunternd in die Hände

Olympia-Qualifikationsturnier in Split

Bundestrainer Rödls bizarrer Taktik-Kniff: geplante Fehlwürfe

Die deutschen Basketball-Männer haben beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele als Gruppensieger die K.o.-Phase erreicht. Gegen Russland griff Bundestrainer Rödl zu einem unkonventionellen Mittel.

Johannes Thiemann setzte den ersten Wurf von der Linie vorbei, dann auch den zweiten. Und das mit voller Absicht. "Wir wollten nicht in die Verlängerung, lagen einen Punkt vorn und haben unseren Jungs gesagt, dass sie die Freiwürfe daneben werfen sollen", sagte Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl nach der merkwürdigen Schlussphase des letzten Vorrundenspiels beim Olympia-Qualifikationsturnier in Split (Kroatien), das Deutschland am Donnerstag (01.07.2021) mit 69:67 (32:35) gewann.

Rödls Rechenspiele: lieber verlieren als Verlängerung

Gegen Russland führte die deutsche Mannschaft elf Sekunden vor Schluss 68:67. "Wir wären bis zu einer Niederlage mit vier Punkten Gruppensieger gewesen", erklärte Rödl im Nachgang. Außerdem hätte auch eine Pleite mit bis zu sechs Punkten Unterschied für den Halbfinaleinzug gereicht.

Olympia-Qualifikation: Deutsche Basketballer gewinnen knapp gegen Russland

Sportschau 01.07.2021 01:08 Min. Verfügbar bis 01.07.2022 ARD


Deshalb blieb den Russen nur noch eine Chance: ausgleichen, und in der dann fälligen fünfminütigen Verlängerung den nötigen Vorsprung herausspielen. Da in einem Angriff aber minimal zwei Punkte möglich sind, hielt das deutsche Team einfach seine knappe Führung. Das Motto hieß also: lieber verlieren als den Ausgleich kassieren.

Geplanter Fehlwurf auch von Maodo Lo

"Damit hatten sie keine Chance, in die Overtime zu kommen, um die Sache zu drehen", so Rödl: "Für uns war es nur wichtig, weiterzukommen, ins Halbfinale als Gruppensieger einzuziehen. Wir wollten keinen Ausgleich riskieren." Deshalb habe man "dafür gesorgt, dass die Freiwürfe vorbeigehen".

Eine Sekunde vor dem Ende stand Maodo Lo an der Linie. "Maodo hat den zweiten daneben gemacht, damit sie keinen Wurf mehr bekommen", sagte Rödl. Denn so lief die Uhr nach dem extra vergebenen Wurf beim Stand von 69:67 herunter. Hätte der zweite Wurf gesessen, hätten die Russen den Ball in der anderen Hälfte bekommen und zumindest die Sekunde Zeit gehabt, zum Ausgleich zu treffen.

Nun steht für Deutschland am Samstag (16 Uhr) das Aufeinandertreffen im Halbfinale mit Kroatien an, das zuletzt gegen Tunesien mit 75:70 gewann.

sid/red | Stand: 02.07.2021, 09:17

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