BBL-Finalturnier - Erfolg in der Quarantäne

Stefan Peno von Alba Berlin

BBL-Finalturnier

BBL-Finalturnier - Erfolg in der Quarantäne

Von Christian Mixa

Die Basketball-Bundesliga feiert ein erfolgreiches Finalturnier um die deutsche Meisterschaft. Doch es bleibt die Sorge der Klubs ums Überleben in der Corona-Krise.

Am Ende bekam also Niels Giffey tatsächlich den Meisterpokal der Basketball-Bundesliga überreicht. Und dies hatte eine gewisse Ironie: Denn Berlins Kapitän gehört zu jenen Spielern, die bis zuletzt mit dem Format eines verkürzten Finalturniers fremdelten. Den Titel eines deutschen Meisters wird Giffey trotzdem gerne ab sofort mit sich führen, zumal Alba seit 2008 darauf gewartet hat.

Alba Berlin als würdiger Meister

Und niemand, der die Spiele in München in den vergangenen drei Wochen verfolgt hat, wird ernsthaft in Frage stellen, dass Alba ein würdiger deutscher Meister ist, trotz der besonderen Umstände eines verkürzten Finalturniers ohne Zuschauer: Die Berliner spielten den attraktivsten Basketball und harmonierten auch als Mannschaft wie keine andere. Und auch wenn es reine Spekulation ist - wahrscheinlich hätte sich Berlin auch ohne Corona-Lockdown in einer normalen Saison mit anschließenden Playoffs durchgesetzt: Gegen einen Titelverteidiger aus München, der als Team auseinanderbröckelte. Und gegen die Ludwigsburger, die vor allem von ihrer Physis lebten, mit diesem kräftezehrenden Stil aber in langen Playoff-Serien bisher immer auf der Strecke geblieben sind.

Die BBL darf das Finalturnier als Erfolg verbuchen, nicht nur sportlich, wo es spannende Partien gab und einige Überraschungen, wie das vorzeitige Ausscheiden des FC Bayern oder Ulms Einzug ins Halbfinale. Das bislang einmalige Experiment, mit zehn Mannschaften samt Betreuern und Schiedsrichtern in einer dreiwöchigen Hotel-Quarantäne, barg ja durchaus Risiken: Im Falle von positiven Corona-Tests wäre wahrscheinlich das ganze Infektionsschutzkonzept in sich zusammengefallen - das stattdessen nun als erfolgreiches Exportmodell gelten darf, auch in den USA wurde über das BBL-Konzept berichtet.

Lob von Spielern für die gute Organisation

Auch das vor dem Turnier befürchtete "Knastgefühl", die Spieler waren ja für drei Wochen von ihren Familien getrennt, stellte sich, nach allem was man hörte, nicht ein. Die Teams, die sich zu Beginn wohl eher mit der Quarantäne arrangierten, schienen durchaus Gefallen zu finden an der besonderen Atmosphäre in der Luxushotel-WG, mit ihren zahlreichen Unterhaltungsmöglichkeiten: "Es war alles gut organisiert", sagte Bambergs Elias Harris und hob vor allem den Austausch zwischen den Teams hervor: "Man hat viele alte Gesichter gesehen." Göttingens Coach Johann Roijakkers fühlte sich sogar "wie in den All-Inclusive-Ferien". Auch für die Schiedsrichter war das Turnier eine "einmalige Chance", so Referee Anne Panther im Sportschau-Interview, sich mit den Spielern außerhalb des Feldes auszutauschen, in entspannter Atmosphäre, dies habe dem gegenseitigen Verständnis gutgetan.

Alba krönt sich zum Meister Sportschau 28.06.2020 04:30 Min. Verfügbar bis 28.06.2021 Das Erste

"Es hätte nicht besser laufen können", lautete das Fazit von BBL-Geschäftsführer Stefan Holz schon vor dem Finale. Holz durfte sich nicht nur über das gelungene Konzept der Hotel-Quarantäne freuen: Bei den Coronatests während des Turniers wurde kein positiver Fall bekannt. Auch die Medien-Reichweiten und Einschaltquoten seien "um ein Vielfaches höher" gewesen, teilte Holz mit.

Zeichen gegen die Coronakrise

Es ging bei dem Turnier ja auch darum, ein Zeichen zu setzen, gegenüber der Konkurrenz von Eishockey und Handball, im ewigem Kampf um mehr Aufmerksamkeit und dem Rest an Marktanteilen und Sponsorengeldern, den der omnipräsente Fußball übrig lässt. Vor allem aber war es der Versuch der BBL, den wirtschaftlichen Schaden in der Coronakrise zumindest zu verringern - auch weil im Falle eines Abbruchs auf die Klubs wohl mögliche Regressforderungen von Sponsoren zugekommen wären.

Jetzt, wo die BBL das Turnier erfolgreich ohne Zwischenfälle, größere Verletzungen oder Covid-19-Erkrankungen hinter sich gebracht hat, muss sie sich aber wieder der Krise stellen. Denn die Pandemie ist immer noch da und bedroht die Geschäftsgrundlage der BBL-Klubs, die - anders als etwa der Bundesliga-Fußball - den Großteil ihrer Etats aus Zuschauereinnahmen und Sponsorengeldern bestreiten. Schon in der nun beendeten Saison droht ein Minus von mindestens 25 Millionen Euro, mit zum Teil erheblichen Unterschieden bei den Verlusten einzelner Klubs: Alba Berlin etwa gingen wegen des Abbruchs der regulären Saison im März acht Heimspiele verloren - und auch die damit verbundenen Ticket-Erlöse.

BBL-Chef Holz: Neue Saison nur mit Zuschauern

Auch deshalb setzt die BBL schon jetzt hinter den Kulissen alles daran, zur kommenden Saison zumindest wieder eine begrenzte Zahl von Zuschauern in den Arenen zuzulassen. Mit der Handball-Bundesliga und der DEL soll es ein gemeinsames Hygienekonzept geben, das den Behörden vorgelegt werden soll. Ein Spielbetrieb ohne Zuschauer über längere Zeit, sei für die Klubs "wirtschaftlich keine Option", hat Liga-Commissioner Holz nochmals klargestellt. Eine komplette Geistersaison würde den Gesamtumsatz von 130 Millionen Euro halbieren - und "die BBL zurückwerfen auf den Stand von vor 15 Jahren", befürchtet Holz. Die Klubs würden dann sogar staatliche Hilfen benötigen.

Wie sehr die Etats schon jetzt auf Kante genäht sind, sieht man zum Beispiel daran, dass Oldenburg und Frankfurt, zwei etablierte und solide geführte Teams, für die kommende Saison bereits den Verzicht auf die Teilnahme am Eurocup angekündigt haben, auch wegen der unsicheren Einnahmen. Brose Bamberg, lange Jahre auch finanziell eine Macht in der Liga, hat angekündigt, das Budget nochmals um bis zu 40 Prozent herunterzufahren. Außerdem haben die Bamberger, ebenso wie Ligakonkurrent Würzburg, die langjährige Kooperation mit dem Farmteam in der Pro B beendet, das als Sprungbrett für viele Talente diente.

Start der neuen Saison spätestens am 15. Oktober

Jens Staudenmeyer, Finanzchef der BBL, kündigte gegenüber "Magentasport" an, dass man den Vereinen beim anstehenden Lizenzierungsverfahren angesichts der Coronakrise entgegenkommen werde. Die im Vorjahr verschärften Auflagen, etwa für den Mindestetat, könnten möglicherweise gelockert werden, auch damit die Klubs zahlungsfähig bleiben. Spätestens für den 15. Oktober ist der Start der neuen Saison vorgesehen: mit Zuschauern, echten Heim- und Auswärtsspielen und Playoffs. Das Finalturnier in Quarantäne soll eine einmalige Sache gewesen sein.

Stand: 29.06.2020, 08:30

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